Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei der Renaissance
Person:
Woltmann, Alfred Woermann, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1235000
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1241168
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Viertes Buch. 
Abt11ei1ung. 
gefchaffen, die bei aller ihrer, zum Theil durch das Eingreifen von Schülers 
händen erklärbaren Ungleichheit in der Durchführung, bei aller Ungebundens 
heit ihrer Komposition, bei allem Mangel an dramatischer Präcif1rung des dars 
gestellten Momentes doch in allen Phafen feiner Entwicklung f0 viel echtes, 
besonders aus den jugendlichen Charakteren wiederstrahlendes Schönheitsges 
fühl, fo viel Liebenswürdigkeit in der Darstellung genrehaftsidyllifcher Situas 
tionen, so viel Seele in der Wiedergabe milder, lyrifcher Stimmungen zeigen, 
dafs wir Luini als den erfolgreichsten Praktiker auf dem von Leonardo theores 
tifch bereiteten Boden bezeichnen müffen. 
SsEIH;as;HPEN Luini7s Wandgemälde geben uns einen einigermafsen genügenden Uebers 
sFF,1;1ekj1rCc1,sbI,;; blick über feine Entwicklung. Zu den charakteristifchen Werken feiner FrLihs 
LUT110. Zeit gehören, abgesehen von der nicht unbezweifelten und arg befchädigten 
Darstellung der Anbetung der Könige in der Kirche san Pietro bei Luin0,1J 
die Gemälde aus dem alten Teftamente, der heiligen Legende und der antiken 
F;JuEZJhkj Myth0logie, welche er im Haufe la Pelucca bei Monza gemalt hatte. Von den 
 Wänden gelöst, sind sie theils in die Brera, theils in7s archäologifche Museum, 
k;k2 in der theils in9s königliche Schlofs zu Mailand gekommen; nur eins der Fragmente 
1xfFiiTk1iiI CVulkan dem Amor Waffen fchmiedendJ befindet sich im Louvre zu Paris. 
Das berühmteste und fchönste Bild diefer Folge gehört der Brera und stellt 
den von Engeln getragenen entfeelten Körper der hl. Katharina dar sFig. 335J. 
Es ist eine harmonifch abgewogene Komposition, die nur noch leicht an die 
Härten der alten Mailänder Schule erinnert, eine felbständige Schöpfung, die 
unsere Seele wie ein Akkord voll fijfser Herbigkeit ergreift. Auch die in 
ihrem grauen Ton an B0rgognone erinnernden Fresken aus dem Monastero 
del1e Vetere und die Freskomadonna aus S. Michele alla Chiufa in der Brera 
gehören der Jugendzeit des Meisters an. 
Leonardo7s EinAufs fpiegelt f1cl1 in den fechs Fresken wieder, welche 1867 
 aus dem Haufe Litta in Mailand in den Besitz des I.ouvre zu Paris übergingen. 
Doch zeigen nur zwei von ihnen, welche die Geburt des Heilandes und die 
Anbetung der Könige darstellen, die eigenhändige Kraft des Meisters. Die 
s3:1fäFresken aus der Kirche S. Maria della Pace in der Brera und im archäologis 
schen Museum, welche Scenen aus dem Leben Jofephs und Maria7s fchildern 
und bisher als die bedeutendsten unter Leonardo7s Einwirkung entstandenen 
Fresken Luini7s galten, werden dagegen neuerdings mit Entfchiedenheit für 
Gaudenzio Ferrari in Anfpruch genommen. II 
 Nach 1520 erreichte der Meister, ohne dafs die Spuren der Schule Leos 
s:IJ;JZJ,Is nardo7s f1ch in feinen Werken ganz verlören, die Höhe feiner selbständigen 
Kraft, wie fie sich in dem I52I begonnenen, 1522 vollendeten 3J grofsartigen 
 Freskobilde der Geifselung Christi im Kapitelfaal von S. Spino in der Ams 
Mailands br0siana zu Mailand und in der ebenfalls I52I al fresco gemalten, aber in der 
In dssBIMsBrera ausgestellten thronenden Madonna zwifchen der hl. Barbara und dem 
 hl. Antonius ausfpricht. Der guitarrefpielende Engel auf diesem Bilde ist von 
He im 
II Ich fah 
keine Rede. 
Herbfk 
188I 
und bezweife1te 
je nicht. 
TYpen 
Von 1e011ardeske11 
hier noch 
Eine Dis1cuff1on diefer Frage bleibt abzuwarten. 
im Ziiricher Neujahrsblatt 1880, S. 9.
        

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