Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei der Renaissance
Person:
Woltmann, Alfred Woermann, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1235000
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1240583
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Viertes Buch. 
Abt11ei1ung. 
Zweiter Abfc11nitt. 
versetzt hatten, in den Vordergrund, die Landschaften aber in die freilich nicht 
immer mit guter Perspektive ausgestatteten hinteren Gründe feiner Bilder; und 
mit dramatifchem Sinne setzte er die auf diese XJVeise zur Lebensgrösse ausges 
wachsenen Hauptperfonen der historischen Darstellungen in lebhafte und leidens 
fchaft1iche Beziehungen zu einander. Die Formen feiner Gestalten sind freilich 
noch hager und spröde, ihre Bewegungen noch eckig, die Linien feiner Kon1pos 
f1tionen noch nicht durch Schönheitsregeln gebunden; in diesen Beziehungen 
könnten feine Darstellungen sogar nur als räumliche, nicht als idealeVergrösseruns 
gen ihrer altvlämischen Vorgängerinnen erscheinen; aber die Vergrösserung der 
Charaktere und ihre Belebung von innen heraus ist um so entscheidender für den 
grossartigeren Gesammteindruck. Natürlich geht auch bei  Mafsys mit der 
breiteren Auffassung eine breitere Pinselführung Hand in Hand; doch bleibt er 
auf der soliden Grundlage der technischen Traditionen der van Eyck7schen 
Schule stehen; soweit er es darstellt, vernachläss1gt er das Beiwerk nicht; feine 
landschaftlichen Gründe spielen in ihrer Eigenart sogar eine Rolle in der Ents 
wicklungsgeschichte der Landschaftsmalerei; und fein malerischer Vortrag ist 
trotz feiner grösseren Breite und Flüssigkeit ausserordentlich bestimmt und ges 
diegen. Das Fleisch modellirt er fast ohne Schatten und erreicht doch den 
Eindruck plaftifcher Rundung; die Gewänder lässt er oft in verschiedenen Fars 
ben schillern, oft in gebrochenen, gedämpften Lokaltönen glänzen, ja, er weiss 
feiner Palette mehr Töne zu entloclcen als alle feine Vorgänger, und doch ers 
zielt er eine ruhige, weiche und zugleich helle, kühle Harmonie der Gefammts 
stimmung. 
Das  Als fein ältestes erhaltenes grofses Gemä1de haben wir das I509 vollendete 
iZTiiir2iTT Altarwerk aus der Peterskirche zu Löwen CFig. 3IOJ, jetzt im Brijsseler Museum, 
Mufeums anzusehen. Das Mittelbild enthält eine der jener Zeit geläukigen Darstellungen 
der hl. Sippe. Durch drei Bogen einer phantastischen, erst leicht von der Res 
naissance berührten Architektur blickt man in eine helle Berglandfchaft hinaus. 
Die heiligen Frauen sitzen mit ihren Kindern im Vordergrunde vor einer Balus 
strade; zwischen diefer und den Bogenpfeilern stehen die heiligen Männer, welche 
ruhig herabfchauen. Hier ist freilich von dramatischem Leben noch keine Rede. 
Der traditione1le Stoff erheischte auch das traditionelle, friedliche Traumleben. 
Aber die einzelnen Gestalten sind gross und greifbar durchgebildet, find trotz der 
gesenkten Augenlider mit eigenem Seelenleben ausgestattet; und die dramatische 
Kraft des Meisters kommt dann auf den von aussen und innen bemalten 
Flügeln, welche Scenen aus dem Leben von Maria7s Eltern zeigen, nur um so 
packender zum Durchbruch. Es sind Bilder von aufser0rdentlicher Lebendigs 
keit der Motive und von rijhrender Tiefe der Auffassung. 
Das A1:2k. Schon vor der Vollendung dieses Löwener Altares, schon 1508, hatte die 
A:1YxT;1TpTTTk Antwerpener Schreinerzunft ein anderes grofses Altarwerk bei Quinten MassyS 
kMUreumS, bestellt; und dieses, wahrscheinlich später vollendete Werk zeigt alle jene Forts 
schritte des Meisters, die wir hervorgehoben haben. Es ist das grosse Trips 
tychon des .Antwerpener Mufeums CFig. 3I1J, welches von jeher für das Haupts 
Werk Quinten7s gegolten hat. O Das Mittelbild, welches die Beweinung Christi 
Gemä1de 
Cfc11on 
1834 
feinen
        

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