Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei der Renaissance
Person:
Woltmann, Alfred Woermann, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1235000
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1240383
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Viertes Buch. 
Abtheilung. 
ErPcer Abschnitt. 
erreicht der Goldgrund, theilweise mit zarten Farben 1asirt, einen duftigen 
Lichtschimmer, während die Gestalten der InnenHügel sich von einem ausges 
spannten Prachtteppich abheben, über dem eine reiche Landschaft unter nas 
türlichem Himmel liegt. In ergreifendster VVeise versteht der Meister, in feinen 
Gesichtern die pathetischen Afsekte der momentanen Stimmung sich wieders 
spiegeln zu lassen; aber indem er die ganzen Körper an der innern Bewegung 
theilnehmen lässt, übertreibt er die äusseren Bewegungsmotive bis zur Vers 
zerrung. Zu den bedeutendsten nordischen Meistern seiner Zeit gehört er, wenn 
er auch von Manier keineswegs freizusprechen ist. Die Entstehungszeit seiner 
Gemälde fällt in die letzten Decennien des II. und die ersten Jahre des I6. 
Jahrhunderts. 1J 
BaJ3jc;1o. Eins der früheren VVerke des Meisters ist der aus der Kölner Kirche Sancta 
inmlH:s1klij:Tt;:; Columba stammende Bartholomäusaltar der Münchener Pinakothek. Das Mittels 
.bild stellt den hl. Bartholomäus zwischen der hl. Agnes und der hl. Cäcilia 
dar. Andere Heilige sieht man aufden Flügeln; alle stehen in halber I.ebensgrösse 
in mehr oder weniger statuarischer Ruhe nebeneinander. Schon deshalb tritt 
der Meister uns charakteristischer in seinen beiden grossen, aus der Karthause 
stammenden Altären im Kölner Museum entgegen. Auf dem Mittelbilde des 
Th0Z:isk;lW Thomasaltarcs sehen wir den Heiland, von Engeln und grossen, schwebenden 
in Kein. Heiligengestalten umgeben, aus der Himmelsglorie hervortreten und die rechte 
Hand des vor ihm knieenden Thomas mit der seinen in seine Speerwunde fühs 
ren; die Innenseite des linken Flügels zeigt Maria mit dem Kinde und Johannes 
mit dem Kelche, diejenige des rechten Flügels den hl. Hippolyt in Rüstung, 
Mantel und Federhut und die hl. Biisserin Afra. CFig. 303.J An der Aussenseite 
der Flügel sind die hl. Symphorosa und die hl. Fe1icitas, jede mit ihren sieben 
Söhnen als weisse Steinbilder in Nischen gemalt. Dieses VVerk gilt mit Recht 
als das Hauptwerk des Meisters. VVunderbar ist die sowohl durch den Auss 
 druck der Köpfe, als auch durch die seltsame und doch prächtige Farbens 
skala bedingte visionäre Stimmung, die das ganze Bild durchzieht.  Aus dem 
 Mittelbilde des Hei1igenkreuzaltares sehen wir Christus mit sterbend gesenktem 
KkEI,HFHn3 Haupte am Kreuze hängen. Ein Schädel liegt am Fusse des Kreuzes, ein 
in Köln. Gerippe hinter ihm auf dem Felsen; Maria und Johannes stehen, von tiefster 
Qual bewegt, neben dem Kreuze, welches Magdalena umklam1nert hält. Abs 
gewandt stehen der Apostel Thomas und der hl. Hieronymus. Die Chöre 
nackter Engelknäb1ein, welche das Kreuz des Erlösers umAattern und aus dem 
Himme1b1au der Flügelbilder herabHiegen, wie die reiche 0rnamentik, die von 
Bilder des oben in die Bilder herabragt, zeigen den Uebergang in die Hochrenaissances 
ii1eilsF;s zeit.2J  Ein kleines Madonnenbild dieses Meisters besitzt Herr Dr. Dormagen 
 in Köln, Flügel mit Heiligen besitzen die Londoner Nationalgalerie und die 
II, Nx1iTJZT; Mainzer Sammlung; auch in der grossen Abnahme vom Kreuze des Louvre, welche 
II Man vergleiche die von   JiJ:s7OZ0 mitgetheilten Urkunden mit der Beweisführung A. mir; 
 ja. a. O. S. 62s73J, dem wenigstens darin recht zu geben ist, dass die Bilder im a1lges 
meinen zu spät angesetzt worden sind. 
2J Nicht Zuzugeben isI Ä. ei. IXN2cJszäz:tJ2,.k Ansicht, nur die Enge1c:höre dieses Bi1des Cdie übrigens 
gerade am wenigsten von schongauerIseher Formengebung zeigenI rührten von dem Meister selbst her 
und der Rest sei  DStiimperarbeitx ja. a. O. S. 8oJ. Nur in den AusSenseiten der Flügel dieses Bi1c1es 
isI entschieden eine schwächere Hand wahrnehmbar.
        

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