Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei der Renaissance
Person:
Woltmann, Alfred Woermann, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1235000
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1240225
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Viertes Buch. 
Abthei1ung. 
Etüer 
Abschnitt. 
jeden in feinem Gewol1nheitss oder Lieblingsthun; manchmal bringt er noch 
Helfershelfer mit; mit bitterem Humor fpielt er in jedem Falle eine andere 
Rolle: bald fchreitet er hohnifch geigend, trommelnd oder klimpernd voran, 
bald nimmt er zum Scheine Theil am Treiben der ihm Verfallenen, bald stürzt 
er sich wüthend auf fein Opfer. CFig. 297.J Einige wehren sich, andere felireien 
um Hülfe; manche folgen in jäher Verzweiflung, viele bemerken den unheims 
liehen Gast kaum. Alle müffen mit. Verfchont wird keiner, weder der Papst 
noch der Kaifer, weder die Buhlerin noch die Bürgersfrau, weder der Wucherer 
noch der Bauer. Nur der Arme und Sieche streckt vergebens feine Hände nach 
dem Retter in der Noth aus.  
 XVie gering Holbein7s anatomifche Kenntniffe waren, zeigen am deutlichs 
icekmkx2irre. ften feine Gerippe; um fo bewundernswerther ist die Sicherheit, mit der er in 
allen feinen Holzfchnitten die äufseren Formen aus dem Gedächtnifs wieders 
gab und in die bezeichnendften Bewegungen verfetzte. 
eki1ghEi;iis1;e Im Jahre 1526 trieben die fchlechten Zeiten Hans Holbein aus Bafel. VVeib 
E:ga1:i;d und .Kind liefs er dort zurück und ging, von Erasmus an Thomas Morus, den 
 englifchen Staatsmann und Gelehrten empfohlen, über Flandern nach London. II 
Der einzige Zweig der Malerei, der hier verlangt wurde, war das Porträt. In 
England wurde Holbein daher in erster Linie Bildnifsmaler; und wenn feine 
früheren Bildniffe von keinen ihrer Zeit übertroffen wurden, fo übertraf der 
Meifter jetzt sich felbst und entwickelte die Kunst, Bildniffe zu malen, allmähs 
lich zu einer Vollendung, die fie fpäter, in anderer Technik, nur einige 
        
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Th. Morast More7s von I527 befindet sich in englifchem Privatbesitze. Das grofse, in WVaffers 
farben ausgeführte Gemälde aber, welches in zehn Figuren die ganze Familie 
des englifchen Gelehrten darstellte, ist leider verfchollen; nur Kopien haben 
sich in England und die 0riginalfkizze hat sich im Bafeler Mufeum erhalten. 
bi;i;soEk3;m Von höchfter Meifterfchaft ist das 1527 gemalte Bildnifs des Erzbifchofs 
 Warham von Canterbury in Lambeth Houfe. Unmittelbarer kann eine 
H0srs, Perfönlichkeit kaum aufgefafst, einfacher und überzeugender kaum wieders 
im 1.0uvke. gegeben werden. Eine Wiederholung befindet fich im Louvre zu Paris, die 
köstliche Studie dazu LFig. 298J unter den 87 mit farbiger Kreide ausgeführten 
 Porträtzeichnungen, welche der Stolz. der königlichen Bibli0s 
is wimis0x thek zu Windfor find und einen lehrre1chen Einblick in Holbein7s Art zu fchafs 
Ums. fen gewähren. Da die vornehmen Herren nicht geneigt waren, lange zu sitzen, 
fo hat der Meister die Farben oft nur mit Worten hineingefchrieben. Die 
Kraft und Klarheit, mit denen die Perfönlichkeiten in diefen Zeichnungen 
wiedergegeben find, feffeln uns ebenfo fehr, wie die Einfachheit der Mittel, 
mit denen die gröfsten Wirkungen erzielt find, uns in Staunen verfetzt. Aber 
 es würdeihier zu weit führen, näher auf dief.e.Sainmlung einzugehen. Von 
cZirr;iSiäs;s den I527 und I528 gemalten Bildniffen feien diejenigen des Thomas Godfalve 
iund feines Sohnes John Lbeide an einem Tifche sitzendJ in der Dresdener Gas 
jE2xxi7iHi:3krg;s, lerie, des Sir Henry Guildford im Prachtkostüme des königlichen Stallmei1ters, 
II Aufk1ärungen über H01bein7s eng1ifche Zeit und feinen Tod brachten die Eng1änder B. 
Franks und Cwyge FcJmJjf in der Zeitfchrift Archaeo10gia LVol. XI, p. 81 ff. Vol. XXXIXJ. 
1X1X.
        

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