Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei der Renaissance
Person:
Woltmann, Alfred Woermann, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1235000
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1240182
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Viertes Buch. 
I. Abthei1ung. 
Erlker Abfchnitt. 
stehende jüngfte Knäblein fefthält; rechts, der Madonna zunächst, feine erste, 15I1 
gestorbene Gattin Magdalena Ber, dann feine zweite Gattin Dorothea Kannens 
giefser, vorn deren Tochter Anna. In frifchem Gedächtnifs aber iit noch der 
Streit über die Frage, ob das Dresdener oder das der Prinzeff1n Karl von 
Heffen in Darmstadt gehörende Bild das Original fei. Für uns ift diefer Streit 
fest der Dresdener Holbeinausstellung im Jahre I87I, auf welcher beide Bilder 
neben einander hingen, entfchieden; für uns und für die Ljberwiegende Mehrs 
Zahl aller Kunftforfcher ist das Darmftädter Exemplar, obgleich es leider durch 
Uebermalungen, Z. B. am Kopfe der Madonna, entstellt ist, allein das echte, 
das Dresdener aber eine theilweife veränderte fpätere Kopie, die durch 
ihre beffere Erhaltung das ungeiibte Auge befticht,1J übrigens f1cher von tLichs 
tiger Hand gemalt ist. Von der höchsten Meifterfchaft ift auf dem Darmstädter 
Bilde die stoffliche Behandlung des Teppichs und der Kleidung der Bürgers 
meifterfamilie; von der treusten Lebenswahrheit sind die Bildnifsköpfe; ein 
Hauch tiefer Andacht durchzieht das Bild. Der BLirgermeifter Meyer war ein 
Gegner der Reformation. Das Bild ist ein treuer Ausdruck feiner katholifchen 
Gesinnung. 
I:Bl31d1IFjI,sF;s Zwifchen jenem erften Bildniffe des Bürgermeisters Meyer, welches Holbein 
gemalt, und dem auf diefem Gemälde angebrachten liegt ein bedeutender Forts 
fchritt Zu immer grofsartigerer Auffaffung und sicherer Darstellung; und zwifchen 
beiden fchuf Holbein noch eine Reihe anderer Bildniffe, welche Etappen auf 
Äm;;fIsach diefem VVege bezeichnen. Hierher gehört die köftliche Prosildarstellung des 
isFil1H:tk:111ek BonifaciuS Arnerbach von 1519 im Bafeler Mufeum CFig. 295J, hierher, von dem. 
;1es.A::gerEk felben Jahre, das Porträt des Brixener Domherrn Angerer im Ferdinandeum Zu 
1mdTIiii12Tn.Innsbruck,2J hierher das in farbiger Kreide auf Papier ausgefijhrte Selbstbildnifs 
rTiiiTisnFsi1Zit Holbein7s im breitkrämpigen rothen Barett und die ähnlich ausgefiihrte prächtige 
Ui1s1ZTFTike,k Studie zu dem Prosilbildniffe eines jungen Mannes in der Bafeler Sammlung, 
des Ekasmus hierher gehören endlich vor allen Dingen einige Bildniffe des Erasmus, die 
Holbein gemalt hat. Das erfte derfelben, welches den grofsen Gelehrten klar 
und ausdrucksvoll in PelZr0ck und Doktorhut in der stilllebenartigen Umgebung 
i1IIzc;1;H:Jsds feines studirzimmers zeigt, befindet sich in LongfordsCastle bei Salisbury.3J 
II Dass das Darrnstädter Exemplar das erste Original von HolbeinYs Hand sei, läugnen auch die 
Gegner nicht. sie behaupten nur, das Dresdener Bild sei eine eigenhändige Wiederholung. Schon in 
der nächsten Generation aber dürfte diese Ansicht keinen Vertreter mehr finden. Ihre lrrigkeit ist evis 
dent. Die überreiche Literatur über diese Frage kann hier nicht aufgerührt werden. Man lese XI. U. 
ZaAJ2,r meisterhaften zusamn1enfassenden Bericht in seinen Jahrbiichern V. C1873I, s. l47 ff., S. l93 fis; 
man lese XI. i57ez,ver.cciw7sk:7sls Bemerkungen im Texts: zu den Bruckmann7schen Photographien der Darms 
städter Galerie und man lese den betre1Tenden Abschnitt in WoltmannIs H0lbein, 2. Aufl. I. S. 
295c3I4s  
2J vNach dem Urtheil von J. Burckhardt ein Meisterwerk ersten Ranges.ce Eos. fJ.sJs a. a. O. Cl880J 
S, 717. Der Verfasser hat das Bild nicht gesehen. 
3J IXIZe2ZZ7m2Jm hatte, durch irreleitende Dokurnente verführt, in dem Berichte iihek feinen BefuCh 
in LongfordsCaftle CLiZZgnzoTr Zeitschrift Bd. I, S. I98 ff.J, dieses Bild dem Q. Massys zugeschrieben; 
aber schon im zweiten Bande der ersten AuHage seines d:Ho1beincc IS. I34sI44j den1rrthum besichtigt. 
Dazu vergleiche man den Excurs in der zweiten AuHage II, S. 9sI4.  Ich hatte, wie das Manns 
skript meiner DKunsts und Naturskizzencc Cad II, S. 325J beweist, in LongfordsCastle keinen Augenblick 
daran gezweifelt, dass das Bild von Holbein sei, auch nicht bei der Redaktion, leider aber bei der 
Korrektur, welche ich in ländlicher Zurückgezogenheit las. Meine dortigen Bemerkungen spiegeln 
daher nur eine ganz mon1entane Verwechslung wieder.
        

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