Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei der Renaissance
Person:
Woltmann, Alfred Woermann, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1235000
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1235738
Die 
Malerei 
I1iederläindifc11e 
al1r11unc1ertS. 
im Beiwerk und Costüm wie in der Umgebung nicht minder fein und sorgsam, 
als die der Handrischen Künstler, aber die p0etische Luftwirlcung, 7das Vorwalten 
des Lichtes, der Schmelz und die Wärme des Tons, welche uns bei Jan van Eyck  
entzücken, hat er sich nicht angeeignet; er sieht alles gewissermassen in einer 
kühlen Morgenstimmung; Mittelgrund und Hintergrund treten zu scharf hervor. 
Dabei kam aber Rogier,s Richtung nach einer bestimmten Seite hin der s7YjY;LI;ksF1s 
Zeitstimmung entgegen. Während Jan van Eyck für den intimen Kunstgenuss L L 
der vornehmen Kreise schuf, befriedigte Rogier das religiöse Bedürfniss des 
Volkes. Das Leiden Christi, dessen Vergegenwärtigung das fromme Gemütl1 
verlangte, und das in keinem erhaltenen Werke der van Eyck den Vorwurf 
bildet, auch im Genter Altar nur myitisch angedeutet ist, wurde für ihn zum 
hauptsächlichen kiinstlerischen Gegenstande. Er war selbst eine streng religiöse 
Natur, wie durch die urkundlichen Nachrichten über seine Ausnahme in eine 
geistliche Bruderschaft und über Seelenmessen, die seine Wittwe noch lange 
Nach seinem Tode zu stiften fortfuhr, bewiefen ist, und so fand er auch die 
Sprache, um dem Volke zum Herzen zu reden. Van Mander rühmt ihn wegen 
der 1iDarstellung der menschlichen inwendigen Begierden und Neigungen, sei 
CI Trübsal, Gram oder Freude, wie das VVerk es verlangte: Gerade feine 
Eigenart machte seinen Einfluss so ausgedehnt und so nachhaltig, wie es selbst 
der unmittelbare Einfluss der van Eyck nicht gewesen war. 
Ein berühmtes Hauptwerk Rogiers, das in älteren Quellen vorzugsweise R1:rti1i1Teq1:;s. 
gefeiert wird, und bei dessen Gelegenheit ihn Dürer in seinem Reisetagebuch 1siti1e4k. 
Dden grossen Meister Rudierc: nennt, ist untergegangen, wahrscheinlich bei der 
Beschiessung Brüssels im Jahre I695: die vier grossen Gemälde in der Goldes 
I1en Kammer idem GerichtssaaleJ des Brüsseler Rathhauses. Die nieders 
Iändischen Stadtgemeinden pAegten für den Geist, der in ihnen herrschte, das 
durch Zeugniss abzulegen, dass sie in solchen Räumen Beispiele strenger und 
selbstloser Gerechtigkeit bildlich darstellen liessen, und zwar in Stoffen aus 
Pr0fangeschichte und Sage, die aus den Schriftstellern des Alterthums oder 
aus mittelalterlichen Erzählungsbüchern geschöpft waren. Zwei Vorgänge 
dieser Gattung, bei welchen jedesmal der gerechten Handlung die göttliche 
Belohnung entspricht, also vier Bilder im Ganzen, hatte Rogier hier gemalt: 
Trajan macht auf das Flehen einer Wittwe beim Aufbruch in den Feldzug 
Halt, um den Mörder ihres Sohnes zu richten; Papst Gregor I., durch diese 
That gerührt, erbittet von Gott Gnade für die Seele des frommen Heiden und 
erhält eine himmlische Bürgschast für die Gewährung seiner Bitte, indem er 
ZU dem zerfallenen Körper des Kaisers dessen Zunge, die gerechtes Urtheil 
gesprochen, unverwest findet.  Graf Herkenbald hatte vom Krankenlager 
aus eines Frevels halber feinen eigenen Neffen zum Tode verurtheilt, wie das 
Gesetz es befahl. VVeil man den Tod des Herrn erwartete, war sein Gebot 
Unausgeführt geblieben. Als der Jüngling aber nach fünf Tagen wieder in das 
Zimmer des Alten trat, winkte der ihn heran und erltach ihn mit eigener Hand. 
Wie nun Herkenbald, dem Tode nahe, dem Bischof gebeichtet hat, verweigert 
ihm dieser die Absolution, weil er die Tödtung des Neffen nicht als Sünde 
beichten wollte; doch als der Bischof sich zum Gehen wendet, zeigt ihm der 
sterbende in seinem Munde die Hostie, die ihm durch ein göttliches Wunder 
ZU Theil geworden. So grause Stoffe konnten einem Publicum nicht auffallend 
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.