Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei der Renaissance
Person:
Woltmann, Alfred Woermann, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1235000
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1239691
Die deutfche Malerei der er11e11 Hälfte des 
Jahrhunderts. 
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ist, halten mit ihren dünnen Taillen, breiten Hüften, abgerundet quadratis 
schen 0berköpfen Cden echteften istetes carreesuJ und Cwie Otto Eifenmann nicht 
ohne Grund bemerktJ chinef1fch schief gestellten Augen keinen durch 
grieehische oder italienische F0rmenreinheit gebildeten Mafsstab aus. Man 
könnte hinzufügen, dass auch die geringe Sehattengebung feiner Bilder, die 
mangelhafte Abtönung feiner Luftperfpektive, f0wie die kalte, glatte, hie und 
da lackartige Manier feines Farbcnauftrags manchmal von ferne an die chines 
f1fche Malerei erinnern. Kranach geht von gefunden Lokalfarben aus und nüs 
ancirt durch Lafuren. In der Erinnerung des Befchauers bleibt befonders ein 
kräftiges Ziegelroth als harte Lieblingsfarbe des Meisters haften. Vor allen 
Dingen aber fehlt feiner Pinfelführung die Gabe, die Verfchiedenen Stoffe ihrer 
Eigenart nach zu behandeln. 
Bei alledem bleibt genug, um uns den Meister lieben und bewundern zu 
laffen. sinnig im Ernst, fchalkhaft in der Heiterkeit, weiss er uns ohne Uebers 
ladung oder Uebertreibung alles zu erzählen, was er auf dem Herzen hat. 
Fehlt feinen Kompositionen auch die VVeihc höheren Liniengefühls, fo find 
feine Situationen doch immer klar und verständlich. Oft find f1e mit dem 
reichen, saftigen landfehaftlichen Hintergrunde aus einem Gusse geschaffen 
und von poetifchem Naturgefühle durchweht. Selbst die Bilder aus dem alts 
griechischen Götters und Heldenleben weiss er, wenigstens so lange er f1e im 
kleineren Formate darstellt, trotz ihrer modernen Tracht und ihrer nordifchen 
Formen, durch Anmuth und Naivetät anziehend zu machen. Man meint ros 
mantifche Märchen aus der Ritterzeit zu fehen. Am besten gelingen ihm 
Scenen mit wenigen Figuren; und daher gehören auch feine Bildniffe in ihrer 
treuherzigen, fchlichten WVeife zu feinen hervorragendsten Leistungen, obgleich 
sie ebensoweit hinter der geistvollen Auffassung der Bildniffe Dürer7s, wie hinter 
dem malerischen Reize derjenigen Holbein7s zurückbleiben. 
Lukas Kranach ist also ein vielseitiger Meister. Ehrlich und aufrichtig sFi;17f1YiF1s 
läfst er alle geistigen Strömungen der Zeit und der grofsen Universität Wirkens e1siTi21Tui 
berg, an welcher er lebte, auf sich einwirken. Daher behandelt er die antiken BMTIkungen 
Stoffe als gleichberechtigt neben den christlichen; und daher verleiht er feitRMMaM7 
dem Auftreten Lutherls, zu welchem er, wie zu den übrigen Reformatoren, die 
innigsten Beziehungen hatte, feinen religiösen Darstellungen eine deutlich auss 
gefprochene reformatorifche Tendenz. Ehrlich und aufrichtig aber geht er zur 1;er0k. 
daneben auch im Sinne der nordifchen Renaifsance auf die unbefangene Dars Marions 
ftellung von Stoffen ohne l1istorifchen Gehalt ein. Sittenbilder malt er ohne 
Bedenken ihr selbst wegen. I.andfchaften hat er freilich ohne figürliehe Haupts 2ukN2kuk. 
feene noch nicht gemalt; aber auf manchen feiner Bilder dominirt die Lands 
fchaft, und feine und feines Sohnes Jagdstücke gehören zu den frühesten 
ihrer Art. 
In manchen Beziehungen hat Kugler Recht, wenn er Meister  
den Hans Sachs der Malerei nennt; alles in allem genommen aber ist der ehrs ZsitgsvOkfet1s 
same Nürnberger Meifterfmger doch ein derberer und handwerksmäfsigerer 
Vertreter seiner Kunst, als Lukas Kranach. Diefer hat trotz feiner Volksthüms 
lichkeit doch eine ariftokratifche Ader. Er ist ein Liebling der deutschen Fürs 
sten; und wenn die einf1chtsvo1lsten feiner Zeitgen0ffen, obgleich f1e ihn den 
deutschen Apelles nannten, ihn im Range unter Dürer stellten, fo hat es doch
        

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