Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei der Renaissance
Person:
Woltmann, Alfred Woermann, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1235000
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1239427
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Viertes Buch. 
Abthei1ung. 
ErlIer Abschnitt. 
und das Marienleben C20 BlätterJ. so vereinigt gab Dürer sie im Jahre I5II 
heraus; ja, die beiden zuletzt genannten erschienen in dieser Vereinigung übers 
haupt zum ersten Male vollständig. Die Ap0kalypse war, mit Ausnahme des 
Titelblattes, in erster Anklage schon I498 erschienen. 
1.Die Die isApoli:alypseu besteht aus einer Reihe von Illustrationen zur 0ffens 
Ap0kaWreibart1ng J0hannis. Bald nach Dürer7s Heimkehr von der ersten VVanderschast in 
Angriss genommen, war diese Holzschnittfolge das erste grosse VVerk, durch 
welches Dürer aller Augen auf sich zog. Voll bibelfester Gläubigkcit, aber zus 
gleich voll reformatorischer schneidigkeit, ein Vorläufer von Luther7s Uebers 
setzung, spiegelt es die Gesinnung der besten deutschen Männer jener Tage 
wieder. Es ist erstaunlich, wie Dürer hier das scheinbar Gestaltlose in fester, 
klarer Gestalt auszuprägen verstanden, wie seine Zeichenfeder dem flüchtigen 
WVorte in die vis1onärsten VVundersernen zu folgen vermocht und wie er das 
Ueberirdische durch packende realistische Züge und kühne, geistvolle WVens 
 dringen in die engste Beziehung zu seinem Volke und zu seiner Zeit gesetzt hat. 
Dass die Formengebung im Einzelnen noch spröde ist, übers1el1t selbst der 
heutige Beschauer. Am gewaltigsten ist das vierte Blatt, welches die vier apos 
kalyptischen Reiter darstellt, wie sie unwiderstehlich in der Wucht der Bei 
wegung, Tod und Schrecken verbreitend über die Menschheit dahinsausen, um 
deren vierten Theil zu erwürgen CFig. 252J. Von grossartig einheitlichem Zuge in 
der Zusammenfassung des Verschiedenartigen ist das sechste Blatt, welches die vier 
Engel, welche die Winde halten, unc1 die Versiegelung der 144000 Heiligen 
sKap. 7J, darstellt. Die Loslassung der vier Engel Vom Euphrat, welche auss 
fliegen, um ihres Würgeramts an einem Drittel der Menschheit zu walten 
sKap. 9J ist aus dem achten Blatte nicht minder hinreissend grossartig darges 
stellt, wie jener Ritt der Schreckensreiter. Und wie organisch polypenhaft trägt 
der Meerdrachen des zwölften Blattes seine sieben langen Hälsel Und selbst 
der Engel des zehnten Blattes, der Engel, :sder war mit einer Wolke bekleidet, 
und ein Regenbogesn auf seinem Haupt, und sein Antlitz wie die Sonne und 
seine Füsse wie die Feuerpfeilercc sKap. IOJ:  so naiv Dürer seine Beschreis 
bung wörtlich nachgeZeicl1net hat  er steht so leibhaftig vor uns, dass wir 
an ihn glauben könnten, so anschaulich und majestätiscl1, wie kein zweiter ihn 
 erfunden hätte. Es war allen späteren Darstellern der Apokalypse unmöglich, 
2s1ZEF,FxZsscüch von Dürer7s Vorbildern loszusagen.  Von Dürer7s vGrosser Passions: 
sind die ersten sieben Blätter, wie Thaus1ng überzeugend nachgewiesen hat, 
schon um 150o entstanden, die letzten vier und der Titel mit der ergreisenden 
Versp0ttung Christi sind erst I5I0 vor der Veröffentlichung des Jahres I5I1 
hinzugefügt. In der That ist der Unterschied in der Formengabe zwischen 
diesen und jenen Blättern ein ausSerordentlich frappanter. Die ersten, vor der 
zweiten italienischen Reife des Meisters entstandenen Blätter erscheinen, so 
gewaltig sie auch sind, so herrlich in Komposition und Ausdruck namentlich die 
Kreuztragung des vierten Blattes erscheint, doch vielfach hart und häss1ich in den 
Einzelformens Die letzten, nach Dürer,s italienischer Reise entstandenen Blätter 
beweisen in ihrer weicheren, südlicheren Darstellung der Formen  man sehe 
nur den Christus der Vorhölle, man vergleiche nur die Haarbehandlung hier 
und dorti  deutlich, dass man Unrecht thut, wenn man sich bemüht, den itas 
lienischen Einfluss aus Dürer, so viel wie möglich, in Abrede zu stellen,  Das
        

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