Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei der Renaissance
Person:
Woltmann, Alfred Woermann, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1235000
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1239295
deulfche Malerei der ersten 
Die 
Hälfte des 
16. Jahrhunderts. 
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Gottvater im päpftlichen 0rnate schwebt oben in der Mitte und hält mit ausges 
breiteten Armen das Kreuz, an dem der Erlöfer hängt. Ueber feinem Haupte 
schwebt die Taube des heiligen Geistes. Die Seligen umziehen in verschies 
denen Kreifen diefe heilige Dreifaltigkeit: ganz oben geflügelte Engelköpfchen, 
dann ein reicher Kranz halbwüchf1ger, langbekleideter Engel; weiter nach unten 
eine grofse Schar Auserwählten an deren Spitze links Maria, rechts Johannes 
der Täufer in tiefster Andacht verehren; noch weiter nach unten und hier auch 
vorn den Reigen fch1iefsend, die übrigen Seligen: links der geistliche Stand, 
der Papst an feiner Spitze, rechts die der Seligkeit würdigen Laien, ständeweis 
vertreten unter dem Vortritt des Kaisers. vSo spiegelte f1ch der christliche 
Himmel in einer deutfchek1 Seelen: fagt Thauf1ng. Ganz unten aber, als weite, 
offene Landfchaft gestaltet, fchimmert ein Stück der ErdoberHäche; und einsam 
steht hier abermals. rechts die kleine Gestalt des Nürnberger Meisters mit feiner 
Infchristtafel. Keins der grossen Gemälde Dürer7s ist so trefflich erhalten wie 
dieses. WVir können daher nicht nur die reiche, harmonische Anordnung der 
einzelnen Kreise, nicht nur die gedankenvolle und tiefempfundene Durchbildung 
jeder einzelnen Gestalt, sondern auch die wunderbar zarte, helle, aus goldenem 
Himmelslicht und frischen Erdensarben gewebte Gefammtstimmung des Bildes 
bewundern. 
Von den einsacheren Bildern dieser grossen Epoche der malerifchen Thätigs  
keit Dürer7s ist die Madonna mit der Scl1wertli1ie in der ständifchen Galerie zu Fragt 
Prag nur als Atelierbild anzusehen. Ebenbürtig aber reiht jenen figurenreichen 
Meisterwerken f1eh noch ein kleines, l5l2 gemaltes Mad0nnenbild an, welches 
zu den Perlen der Wiener Sammlung gehört und als isMadonna mit der aufs 1i122i9km2, 
geschnittenen Birnecs gefeiert wird. Wien. 
Dann folgte eine Reihe von Jahren, in denen Dürer, mit grossen Aufgaben 
der vervielfältigenden Künste und mannichfachen anderen Problemen beschäftigt, 
die Malerei vernachläfsigte, ja, auch wo er eigenhändig ausführte, oft hart, kalt 
und leer wurde. Hierher gehört das Brustbild des Schmerzensmannes vom 
Jahre I5I4 in der Bremer Kunsthalle; hierher die puppenhaft gemalte Madonna 
der Galerie Capponi Ineuerdings in,s Berliner Museum übergegangenJ vom Jahre 
I5I8. Doch find die I5I6 in Waffersarben auf Leinwand gemalten Köpfe der 
Apostel Philippus und Jakobus in der Ufsiziengalerie zu Florenz sehr lebenss 
volle Typen heiliger Männer in breiter und gediegener Durchführung. 
Erst die niederländifche Reife gab auch feiner religiösen Malerei neue Ims v1sd0km2; 
pulse. Die Madonna mit dem Apfel, deren Christkind eine Kornblume in der Florenz, 
Linken hält, eine fast lebensgrofse Halbsigur auf schwarzem Grunde in den 
UfHzien zu Florenz, I526 gemalt, ist freilich manierirt und kalt genug. Dafür  
aber find die vier lebensgrofsen heiligen Männer, in der Regel umsichtig die 
DV1Ck Apostels genannt, welche der Meister auf zwei hohen, fchmalen Tafeln Dis visk 
gemalt hat, die grossartigste malerifche Leistung, die aus feinem Pinsel hervors vsiZ2oZiTkl. 
gegangen ist. Von Diirer mit Bewusstsein als Vermächtnifs für feine Vaters 
stadt gemalt und dem Rathe der Stadt Nürnberg geschenkt Cfreilich erhielt 
Dürer ein Gegengeschenk von hundert GuldenJ, waren sie hundert Jahre lang 
ein Stolz Nürnbergs, ein Hauptfchmuck des dortigen RathhauseS. Dann übers 
liessen die Väter der verblühenden Reichsstadt sie dem kunstliebenden Kurs 
fürsten Maximilian von Bayern. Heute gehören f1e zu den berühmten Stücken
        

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