Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei der Renaissance
Person:
Woltmann, Alfred Woermann, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1235000
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1239189
Die deutfche Malerei 
Hälfte 
ersten 
16. Jahrhunderts. 
373 
buch1J fo genau unterrichtetif1nd. seine Frau, über deren angebliche Xans 
thippennatur früher viel gefabelt worden 2J, begleitete ihn. Wohin der Meister 
kam, wurde er als der weltberühmte grofse Meister empfangen und gefeiert, 
am glänzendsten in Antwerpen, welches ihn ebenfo vergeblich, wie Venedig 
es fch0n früher gethan, durch das Anerbieten eines Jahrgehaltes ganz an f1ch 
zu feffeln fuchte. Reiche neue Eindrücke, aber auch den Keim feiner letzten, 
feine Lebenskräfte aufzehrenden Krankheit brachte Dürer von diefer Reife mit 
nach Nürnberg heim. Hier fchuf er noch feine freisten und grofsartigsten Ges 
mälde und befchäftigte sich fchliefslich mit der Zufammenfaffung und Herauss 
gabe feiner the0retifchen und fchriftstellerifchen Arbeiten II. Ueber ihnen aber 
überrafchte ihn der Tod. Dürer starb am 6. April I528. Seh TM 
Indem wir zur Betrachtung von Dürer7S Gemälden übergehen, fällt uns  
f0f0rt auf, dafS er auch infofern ein charakteristifcher Vertreter der den mos 
numentalen Aufgaben entfremdeten deutfchen Kunst ist, als er niemals ein 
Wandgemälde gemalt hat. Nur Entwürfe für die Malereien der Hauptwand g:Y1J,;11Zse. 
des grossen Rathhausfaales in Nürnberg hat er nach der Heimkehr von den 
Niederlanden gefchaffen. Links sieht der Befchauer eine Darstellung der nVers DTsiZUdO7 
läumdunga nach der Befchreibung, die Lucian von dem Gemälde des Apelles  
Cvgl. Bd. I. S. 58J entwirft; eine Komposition, zu welcher die Federzeichnung 
vom Jahre I522 sich in der Albertina zu XVien befindet. Sie wirkt lebendig 
und gedankenreich, obgleich sie die antike Allegorie stark inls deutfche übers 
fetzt. Die Wahrheit ist reich im Fürstinnenkosiüm der Zeit Dürer7s gekleidet. 
Sie trägt ein langes Schleppengewand, einen breitgeränderten Federhut und 
hält in der Linken ein scepter, in der Rechten aber, auf einer Schale, das 
strahlenhaupt der Sonne. Der fchmalere mittlere VVandtheil zwifchen den 
beiden Thüren wird von der lebensgrofsen und lebenswahren, aus den lieben 
Stadtpfeifern und f1eben anderen volksthümlichen Gestalten bestehenden Gruppe 
eingenommen, die unter dem Namen, vder Pfeiferstuhlci bekannt ist. Die lange 
VVandHäche rechts vom Befchauer füllt der Triumphwagen Kaifer Maximilian7s 
nach einer Variante zu dem berühmten Holzfchnitte. Die ganze Wand ift 
I6I8 roh mit 0elfarben übermalt worden. VVer sie urfprünglich in Farben auss 
geführt hat, ist nicht erwiefen. Doch denkt man an Georg Penz.4J. 
Selbst hat der Meister nur staffeleibilder, theils auf Holz, theils auf I.eins sF;sF;:is 
wand, theils auf Pergament, bald in Temperafarben, bald in Oel, bald in allen  
II Ueber die Handschrift dieses TagebucheS vergleiche man C. Ä7JzlcgZ9F Auffatz in der LützowL 
fc:11en Zeitschrift XIV, S. 382. 
2J 77za2iJysF hat ihre pRettungu fc110n 1869 in der Liitz0w7fc:hen Zeitschrift ClV, s. 33J erso1greic11 
unternommen. 
Z, Zu Di.irer7s Lebzeiten erschien im Drucke: l525, s7Die Unterweisung der Meffung mit dem 
Zir1iei und Richtfcheitcc, ein durch zahlreiche Zeichnungen illufirirter Verfuch, die Dinge nach n1:1thei 
matifchen Regeln zu konftruiren; I527 erfchien Diirerss :;Unterricht zur Befestigung der Städte, 
sch1öffer und Flecken Lvg1. C. 7J. Jy2zJzoj: A. Diirer in feiner Bedeutung für die m0derne Befeii:iguk1gSs 
kUnlk, Nördlingen I871I; 1528, in feinem Todesjahr und eril nach feinem Tode, erfchien fein Haupt. 
Werk, die vier Bücher von der menfch1ichen Proportion. Bruehikücke noch umfaffenderer VVer1ce find 
im Ma.nufkript erhalten: vier Bände im British Museum Zu London, ein Band auf der Dresdener Bis 
b1iothek, einer auf der Bamberger stadtbib1iothek. 
4j Vgl. 77imcfJzg. Dürer S. 4o6.
        

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