Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei der Renaissance
Person:
Woltmann, Alfred Woermann, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1235000
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1238941
Die Malerei in 
0berita1ien. 
349 
im Graduale, No. 9 sechzehn Miniaturen von Liberale7s Hand. Die Graduale 
No. 2 und No. I2 III; sind theils von Liberale, theils von dem später zu nens 
nenden Girolamo da Cremona gemalt. Liberale erscheint hier als geschmacks 
voller und correcter Miniator. Die Ränder sind etwas n1onot0n, aber durch 
Putten, Vögel, Schmetterlinge u. s. w. im B1attwcrke anmuthig belebt. Die 
Figuren der Bilder sind mit Verftändniss gezeichnet; der Ausdruck ihrer Köpfe 
ist lebendig; die Falten ihrer Gewänder lind etwas unruhig; vor allen Dingen 
aber zeigt Liberale sich schon hier als kühnen Colorilten, welcher der Gouache 
die lebhaftesten Farben zu entlockeii verste1it. 
Nur dem Namen nach ist der veronesische Miniator Fm  ein chFrrFbM 
Bruder des Malers Buonsign0ri, bekannt. Interessante Miniaturen der Zeit CI459J  
und der Schule aber sind diejenigen der sechs Triumphe des Petrarca auf der 
XViener IsI0sbibliothek O. Hier nennt sieh wenigstens als Schreiber ein gewisser  
7rm2z TM; Is7z7swztz. Die Ränder der mittelmässigen Bilder sind mit dein von  
farbigen Füllungen mit Thieren unterbrochei1en weissen Geriemsel geschmückt, 
welches charakteristisch für die italienischen Miniaturen ist. 
Glänzende Miniaturen wurden auch in Mailand, wie früher unter den  
Visc0nti, so später unter den Sforza angefertigt. Hier wäre der Triumphe des 
Petrarca bei Herrn IIolford in London CTreasures of art II, S. 2i7I, hier wäre MF0ä3Fi;,rd 
verschiedener Urkunden des Mailänder Stadtarchivs und des prachtigen Heirathss   
c0ntracts Lud0vic0 il Moro7s im British MuSeum2J zu gedenken. Künstlerisch 
am wichtigsten aber ist wohl das FoliosManuscript der Pariser Nationa1bibliothek,  
welches das Leben Fr. Ss0rZa,s erzählt Ci490J. Die Randarabesken sind hier 
voll renaissanccniässig; die Miniaturen aber sind ohne besondere Feinheit, 
wenngleich ganz lionardesk; interessant ist die grosse Reiterstatue Fr. Sforza,s, 
welche dem T extanfang gegenüber gemalt, schwerlich aber, wie Waagen3J 
für möglich hielt, eine Abbildung von Li0nardo7s plastischem Werke ist. 
Von den Crem0nesischen Büchermalern kann hier nur jener GjwZm2szc2  
         
und I475 gleichzeitig mit Liberale von Verona über siebzig Miniaturen in elf ck2m022.2.4 
Antiphonarien des Domes von Siena malte. Etwas einförmig in den Köpfen, 
zeichnet er geschickt und trägt seine Farben lebhaft bunt, wenngleich nicht 
eigentlich unharmonisch auf. Auch die Miniatur einer Krönung Maria7s, I472 
für M0nte 0liveto gemalt, jetzt in Chiusi, ist von seiner Hand. Zweifelhaft Chiusi 
dagegen ist es, ob ihm die Miniaturen des Manuscriptes vRaimundi Lu1li Opera 
chemicacc in der fl0rentiner Nationalbibliothek Cfrüher MagliabechianaJ n1itB1It1,Ys;;2;. 
Recht zugeschrieben werden. 
Eine reiche Miniatorenthätigkeit entfaltete sich auch am lIofe von FersI11 Fsrsssss 
tara unter dem Herzog Borso von Este und seinem Nachfolger Erco1e. sehr 
schöne Chorbücher dieser Schule sollen sich in der Bibliothek von Ferrara 
befinden. Ihre Hauptwerke aber besitzt die Biblioteca Estense zu Modena O; 1TI;;HHsJEs 
und zwar sind es ihrer drei: II Die berühmte Prachtbibel, welche Herzog Borso Ests1Isss 
II G. F. IXIX7mgm, Die vorne11mlie11 Kunfide111cmäler in WVie11 Il, 1867, S. lO2. 
2J Arc11ivio storico 10mbardo l CI874J, p, 2s ff., F, 28. 
3J Kunstwerke und Kii11PcIer in Paris, Berlin t839. S. 367. 
4J yezJzzyi, Lem0nnier: :2C0dici miniati della bib1ioteca Estense di Modenacc VI, 
322 Pf.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.