Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei der Renaissance
Person:
Woltmann, Alfred Woermann, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1235000
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1238670
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Drittes Buch. 
Dritter Abschnitt. 
Aus der Zeit von Viti,s Aufenthalt in Bologna ist ein sicheres Werk nicht 
nachweisbar; das erste Werk, in welchem wir den Meister kennen lernen, ist 
das für die Familie Spaccioli ausgeführte Temperabild einer thronenden Mag 
Brer:s. donna mit den Heiligen Crescentius und Vitalis in der Brera CFig. 23oJ. Viti vers 
Stil. leugnet in diesem Bilde nicht den LehreinHuss Francia7s und C0sta7s; sowohl in 
der Formenanschauung wie in der Mache schliesst er sich an diese beiden Meister 
an; so erinnert der mus1cirende Engel stark an Costa, während die beiden assistis 
rcnden Heiligen mehr zu Francia hin führen. Aber schon diesem Werke fehlt 
der Rapl1ael,sche Anhauch nicht, der es wohl zu Stande brachte, dass nach 
Passavant7s Aussage das Bild längere Zeit für ein VVerk Raphael7s galt. Eine 
hl. Margarethe, im Privatbcs1tze zu Mailand, wird derselben Zeit zugeeignet, 
 und derselben Zeit entstammt das Altarbild.in S. TrinitT1 in Urbino, welche 
 .eine hl. Apollonia darstellt. Auch hier wieder erinnert Manches an Francia, 
im Kopftypus aber werden wir an die Typen Raphael7S aus seiner Jugendzeit 
gemahnt. Ferner gehört dieser Zeit das bekannte Bild im Bes1tze des Herrn 
Sar1lJlF1;1Z;ng Morris Moore in Rom an, welches den Apollo darstellt, wie er dem die Flöte 
1Y1s;Yris blasenden Marsyas zuhört. Die Formengebung weist auf die Schule von Costa 
 und Francia hin, während die Landschaft uns in die Umgebung Urbino7s 
versetzt. Diesem Bildcl1en ist eine Anmutl1 der Erfindung, eine Poesie der 
Formen eigen, dass es nicht WVunder nehmen kann, wenn viele Beschauer 
praphaeliscl1ei angemuthet werden. Ebenso gehört dann hierher die Vers 
kündigung mit den Heiligen Sebastian und Johannes d. T. in derBrera O CFig.231J. 
Es ist wichtig, diesen vraphaelischencc Zug in den Werken aus der Frühzeit 
des Timoteo Viti hervorzuheben, zu erklären wird er nun freilich auf andere 
7xsisYaä;HZ:.; Weise sein, als es bisher geschah. Wir werden nicht mehr annehmen 
 .dürfen, dass Timoteo von Raphael beeinflusst worden sei, sondern dass, falls 
wir nicht den urbinatischen Boden allein für diese Verwandtschaft verants 
wortlich machen wollen, Raphael vor seinem Eintritt in die Werkstatt des 
Perugino einige Zeit im Atelier des Timoteo gearbeitet habe. Diese Ans 
nahme findet eine Stütze in der warmen Freundschaft und Hochacl1s 
tung, die Raphael stets dem Timoteo entgegenbrachte, aber sie giebt, 
auch den Fingerzeig, wer das verbindende Glied zwischen Raphael und Francia 
gewesen sei. Dem Jahre 15o4 entstammt das Altarbild, welches Timoteo 
laut letztwilliger Bestimmung des Bischofs Gian Pietro Arrivabene für dessen 
UJ31;sl;;0. Grabcape1le im Dom zu Urbino malte. In der oberen Hälfte sind der hl. Thomas 
 von Canterbury und der hl. Martin dargestellt; die untere Hälfte zeigt die 
Porträts des Stifters und des HerZogs Guidobaldo. Zeichnung, Modellirung, 
Farbe sind gleich vorzüglich; das Incarnat mit seinen perlgrauen Schatten ist 
von besonders seinem Ton. Alles bekundet einen Meister der Gediegenheit 
und Gründlichkeit der Arbeit mit einem geläuterten Geschmack und feiner 
 Empfindung aus das glücklichste verbindet. Der Einsiuss Francials ist auch 
in diesem Werke nachweisbar, aber es kann nicht überraschen, dass derselbe 
mehr und mehr sich abschwächt und umbrische EmpHndungsweise und Formens 
anschauung in den Vordergrund treten. Das ist der Fall in der hl. Magdas 
mit 
Majo1icate1lern 
I7
        

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