Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei der Renaissance
Person:
Woltmann, Alfred Woermann, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1235000
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1238478
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Dritte5 Buch. 
Abthei1ung. 
Dritter Abfchnitt. 
bei kräftigem Gegensatze von Licht und Schatten meisterhaft, und die Ges 
stalten in ihrer klaren Bestimmtheit heben sich von einer anmuthig durchges 
bildeten Landschaft ab, in der die malerischen Gebirgsabhänge des Friaul 
und oft Motive aus des Malers Vaterstadt selbst wiederkehren. Bewegte 
Handlungsbilder, grosse schildernde Compositionen haben wir von ihm nicht. 
Am stattlichsten erscheint er in repräsentirenden Andachtsbildern, thronenden 
Madonnen oder ähnlichen Comp0sitionen, in welchen die schöne Symmetrie 
der Anordnung, das glückliche Verhältniss der Figuren zur Renaifsancearchis 
tektur, die sich frei und lustig über ihnen wölbt, der schöne landschaftliche 
Fernblick dem Giambellini nicht viel nachstehen. Noch besonders streng und 
scharf in der Zeichnung und wohl noch ziemlich frühen Ursprungs ist das Als 
SVFFk;lj;E; tarbild in S. Maria dell7 0rto zu Venedig: II Johannes der Täufer, begeistert 
EIN. OTTO emporblickend auf einem Piedestal, von Petrus und Marcus, Hieronymus und 
Paulus umgeben, unter einer zerfallenen marmornen Bogenhalle. Die Farbe 
ist hier besonders kräftig und glühend. Höchste Feier1ichkeit der Anordnung 
zeigt der thronende Petrus mit der Tiara zwischen Johannes dem Täufer und 
EVEN Paulus, einen lautespielenden Engel zu seinen Füssen, in der Brera.2J Unter 
,H;F;1FHjFse. den thronenden Madonneii ist die in der Akademie zu Venedig s582J mit sechs 
Heiligen und zwei musicirenden Engeln besonders stattlich, aber es fehlt doch 
das Seelenvolle Bellini7s, und so grossartig namentlich die älteren Heiligen 
sind, so hat doch gerade die Madonna etwas Stumpfes. Dasselbe kann man 
von einem schönen Bilde, der Madonna mit Petrus und Romualdus, Bruno 
,s1jfFLJ;z. und Paulus, im Berliner Museum, sagen, wo sich auch noch ein grösseres legens 
darisches Bild des Künstlers befindet: St. Marcus heilt die durch die Ahle 
verwundete Hand des Schusters Anianus, mit orjentalischen C0stümen in Cars 
paccio,s Art. Eine Madonna mit sechs Heiligen, angeblich von 1492,3J bes 
CO1EFIIjJU0s findet sich im Dorne zu Conegliano, der Vaterstadt des Meisters. Zwei Bilder 
von besonderer Schönheit bewahrt die Galerie zu Parma: eine thronende Mag 
donna mit sechs Heiligen unter einer Halle mit alterthümlichern Mosaik und 
ein frei angeordnetes Gemälde: Maria sitzt mit dem Kinde an den Trümmern 
eines antiken Gebäudes; mit ihrem Mantel hat sie dem Knaben, der segnend 
das Händchen erhebt und nach vorn blickt, auf einem Pilastersockel einen Sitz 
bereitet. Der Ausdruck beider ist ernst und melancho1ifch. seitwärts Andreas 
und der Erzengel Michael. Am freiesten in der Auffassung ist das Bild im 
L0WOsLouvre, das wohl schon einer vorgeriickteren Zeit des I6. Jahrhunderts ans 
gehört: Maria in den Anblick des nackten Kindes in ihrem Schosse vers 
sunken, das Johannes der Täufer, ein gefälliger Jüngling, und die sanft hinges 
gossene Magdalena inbrünstig verehren CFig. 225J. Hist sind 3.116Chakakkere edel, 
das Stimmungsleben in Compos1tion und Farbe ist bezaubernd, die Landschaft 
gehört Zu den schönsten, die bei dem Maler vorkommen. Unter den einfachen 
 1k;Its;s:Y1s. Halbfiguren der Madonna ist eins der beiden Bilder in der Nationalgalerie zu 
G8Ississ London besonders anmuthig: die zarte Madonna, mit glücklich vekkükztem 
1J In den letzten Jahren in der Alca.demie. Die daselbst im 
pHegen Kirchen, die in RePcauration begriffen find, anZ1.1gehören. 
2Z Fii2JJ2e7s, Denlcma1e IV, l3. 
3J Die 111fchrift Hi nicht mehr ganz leSbar. 
dritten 
Saale 
ausgefke11ten 
Bilder
        

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