Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei der Renaissance
Person:
Woltmann, Alfred Woermann, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1235000
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1235566
Drittes Buch. 
A12chei1ung. 
ErPcer Abschnitt. 
hcit und Macht, die nie bisher geahnt worden war und auch nie übertroffen 
ist. Er, in langem, rothem Rock, mit rasirtem Gesicht, kahlem Kopf, mehreren 
VVarzen, abstehenden Ohren und kleinen Augen zeigt im Ausdruck eine bei 
aller bürgerlichen Tücl1tigkeit fast bis zur Beschränktheit gesteigerte Devotion. 
Die Frau, in pf1rsichfarbenem Gewande, ist eine würdige Matrone, die auch in 
dieser feierlichen Haltung ihren klaren, verständigen Hausfrauenf1nn nicht 
verleugnet.  
kk:2x.r2:i1cs. Die Aussenseite ist schon durch die Steinfarbe der Patrone und die weissen 
Gewänder auf der Verkündigung einfacher. 0effneten sich die Flügel, so 
strahlte die Festtagseite CFig. 142J in desto reicherer Pracht mit farbensrifchen 
Gewändern, schimmernden Kleinodien, üppigem Grün in der unteren Lands 
schaft und festlichem Goldgrunde auf den oberen Mitteltafeln. Der Inhalt des 
Ganzen ist eine symbolifche Darstellung des Erlösungswerkes, im Anschlufs an 
die Apokalypse, durch den Brunnen des Lebens, der zu Füssen des Lammes 
entspringt, und zu dem alle Heiligen von verschiedenen Seiten heranziehen. 
Darüber thront Gott Vater zwischen Maria und Johannes dem Täufer, einges 
schlossen von zwei Engelchören und den Gestalten des ersten Menschenpaares, 
dessen Sünde die Erlösung bedingte. 
U21xekc Wie für die Anordnung des Ganzen theologischer Beirath vorauszusetzen 
Reihe. ist, und der Inhalt überall auf traditionellem Grunde ruht, so ist auch das Bild 
vom Lebensbrunnen überliefert, es kommt zum Beispiel auch, wenn auch nicht 
in völlig übereinstimmender Compos1tion, im Malerbuche vom Berge Athos 
vor. Der Quell lebendigen Wassers sprudelt im Vordergrunde der Mitteltafel 
aus ehernem Brunnen in ein farbiges Marmorbecken, von dem er aus einem 
 Löwenkopf krystallhell in die Wiese Hiesst. Hinter ihm, etwas erhöht, steht 
auf einem Altar das Lamm, dessen Blut in den Kelch rinnt, von Engeln mit 
Marterwerkzeugen und Rauehfassern verehrt. Links am Brunnen knieen die 
Propheten mit Büchern, in langen Röcken sHouppelandesJ, wie man sie damals 
in den Niederlanden trug, und mit den mannigfaltigen Kopfbedeclcungen den 
Zeit, rechts die Apostel mit nackten Füssen und in der überlieserten Tracht 
Hinter jenen steht eine dicht gedrängte Schar, zum Theil wohl andere Ges 
sta1ten des Alten Testaments, denen sich aber auch Dichter und Philosopher 
des Alterthu1ns anreihen, wie vorn der blaugekleidete Mann mit dem Myrthens 
reis und der Weissgek1eidetes dicht hinter ihm mit dem Lorbeerzweige unc 
Lorbeerkranze. Auch das Malerbuch von Athos schliesst den Propheten die 
griechischen Philosophen und Dichter, welche Christi Menschwerdung prophei 
Zeit haben, an. Rechts, im Rücken der Apostel, stehen die Kirchenlehrer 
Papste, Bisehöse, Diakonen in farbenreichen Priestergewändern, meist in Bücher 
versunken, hinter ihnen kommen noch zahlreiche Köpfe, Mönche und Laie: 
jedes Standes, zum Vorschein. Im Mittelgrunde, aus Ho11lwegen zwische1 
Gebüschen, ziehen andere Scharen herbei, links die Märtyrer, denen wiede 
Papste, Cardinäle und Bischöfe voranfchreiten, rechts die Jungfrauen, Agnes 
Barbara, Dorothea an der Spitze. Die Taube des heiligen Geistes schweb 
über dem Lamm und sendet ihre Strahlen auf alle herab. 
Beiderfeits, auf den Flügeln, kommen vier weitere Scharen zum Brunne1 
gezogen: links, zu Pferde, die Streiter Christi, drei bekränzte Jünglinge mi 
Bannern und spiege1nder Rüstung vorn, hinter ihnen Könige und Fürsten, dan1
        

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