Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei der Renaissance
Person:
Woltmann, Alfred Woermann, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1235000
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1238321
Malerei 
Die 
0berjta1ien. 
287 
Bei der Abreise Gentile7s war Giovanni zu seinem Stellvertreter bei den 
Arbeiten im Grossrathsaal ernannt, und nach der Rückkehr setzten sie in ges 
meinsamer, langsam fortschreitender Arbeit den von älteren Meistern begons 
nenen Cyclus durch sieben eigene grosse Gemälde aus der Geschichte Venes 
digs im Conflict mit Kaiser Friederich Barbarossa fort, die durch den Brand 
1577 zerstört worden. Da die Seelust Venedig7s der Erhaltung von Frescos 
bildern nicht günstig ist, wurden solche grosse decorative Arbeiten in Oel auf 
Leinwand ausgeführt. 
Sind nun diese Schöp.sungen verloren, so besitzen wir eine Anzahl anderer 
Leinwandbilder meist breiten sFormats, die zur Decoration der Säle von Scuos 
len oder Bruderschaftsgebäuden bestimmt waren und sämmtlich der spätesten 
Zeit Genti1e7s angehören. Die Akademie in Venedig bewahrt drei Bilder aus der ve2221ig, 
Scuola di S. Giovanni Evangelista, welche sich auf die Wunderkraft einer dort Äkademiei 
bewahrten Kreuzre1iquie beziehen. Das erste, die Heilung des Pietro di Lodos 
vico durch die Reliquie im Innern einer Kirchenhalle in eleganter Renaissance, 
ein Bild schmalen Formates, ist nur noch Ruine. Auch das zweite Gemälde, 
I496 bezeichnet, hat gelitten. Es stellt die Procession mit der Kreuzreliquie 
dar, wie s1e,iiber den Marcusplatz zieht. Den eigentlichen geistlichen Inhalt 
soll das Gelübde des Jacopo Salis aus Brescia, der neben dem Reliquienschrein 
knieend zu sehen ist, für die Genesung seines Sohnes bilden, ein bei der Pros 
cess1on am Marcustage I454 vorgek0mmenes Ereigniss. Aber was der Bes  
schauer erblickt, ist eigentlich nur ein frappantes Bild venetianischen Lebens 
mit dem D0gen und der Priesterschaft im feierlichen Zuge, den Zuschauers 
gruppen und der meisterhaften Ansicht des damaligen Marcusplatzes und der 
Marcuskirche, noch im Schmucke ihrer alten Mosaiken. Etwas besser ist das 
dritte, I5O0 bezeichnete Bild erhalten: die Wiederf1ndung der im Gedränge 
einer Process1on ins VVasser gefallenen Reliquie. Auf der Brücke, wo das Uns 
glück geschehen, macht die Procession Halt, am Ufer links drängt sich das 
Volk und knieen Schaaren von Andächtigen, ganz vorn die Stisterfamilie, eine 
Frau, die irrthümlich für Katharina Cornaro gehalten wird, ein Mädchen und 
mehrere Männer. Taucher suchen im Wasser, Mönche haben sich in den Cas 
nal gestürzt, doch schon hat der Guardian von S. Giovanni Evangelista, An. 
drea Vendramin, das Heiligthum wiedergefunden und schwebt mit dem Relis 
quiarium im VVasser. VVir haben hier eine unerschöpfliche Quelle von Bilds 
nissen und Charaktersiguren, eine 1ebensvolle Schilderung venetianischen Lebens, 
treffliche Modellirung der Gestalten und klares Herausheben alles einzelnen 
trotz der gedrängten Fülle. Mag es naiv erscheinen, wenn er eine Reihe 
Frauenköpfe in Profil wie an einer Schnur hintereinander aufreiht und einen 
von dem andern sich abheben lässt, so zeigt sich Gentile doch zugleich als 
einen Meister, der mit vollem Bewusstsein sich die schwierigsten künstlerischen 
Probleme stellt. Bewundernswerth ist seine Herrschaft über die Perspective 
gerade in dem letzten Bilde, wo es sich nicht um regelmässige Gebäudegruppen,  
sondern um schräg zu einander stehende Häuser und gewundene Canäle hans 
delt. Ebenso vortrefflich ist aber auch die Luftperspective, die Abtönung, die 
Behandlung des Wassers, die Lichtvertheilung. Man nimmt wahr, dass das 
Alles nach Studien im Freien selbst gemalt ist.   
VVürdig reiht sich diesen Gemälden ein für die Scuola di san Marco in
        

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