Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei der Renaissance
Person:
Woltmann, Alfred Woermann, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1235000
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1238312
286 
Drittes Buch. 
Abt11eilung. 
Dritter Abschnitt. 
Si12i1:,.1nd. beobachtet. Es seien noch das Bild eines älteren Herrn von 1476 in der samms 
sFiiHi21Tiiglung Trivulzi zu Mailand, die nicht bezeichneten Bruftbilder von zwei roths 
 gekleideten Männern im Palazzo Giovanelli zu Venedig und in der Galerie 
 Borghefe zu Rom erwähnt. Ein Kleinod von ganz besonderem Reiz ist ends 
BJI;I;Fc. lich das nur 20 zu 14 Centimeter grosse Brustbild eines jüngeren Mannes auf 
NFKie11iJ2;,1 landschaftlichem Grunde in der Berliner Galerie, dessen 1nfchrift einst nach 
 .älteren Zeugnissen die Jahrzahl I478 enthielt. II Es ist ebenso zart, wie das 
Bild im Louvre grossartig, auch bei so kleinem Massftabe kräftig behandelt 
und zugleich unglaublich fein detaillirt, durchsichtig und haltungsvoll. 
solche Arbeiten Antonello7s, der lange der beliebteste Porträtmaler in 
Venedig gewesen zu fein scheint, mussten den einheimifchen Malern durch ihre 
technische Vollendung, ihr neues Malverfahren Eindruck machen. Die Farbe11s 
lust war ohnehin in Venedig heimisch, und auch in Temperamalerei hatten 
ein Barto1ommeo Vivarini, ein Carlo Crivelli nach möglichster Farbenpracht 
gestrebt. Es scheint auch, dass Antonello aus feinem Verfahren kein Geheims 
niss machte, denn bald finden wir die Brüder BxsZZzimi im vollem Besitz der 
,0elmalerei, die dann durch sie in der venetianifchen Schule allgemeine Vers 
breitung fand. Der genaue Termin, mit welchem sie in Oel zu malen anfangen, 
ist allerdings nicht zu bestimmen, weil die mit Jahrzahlen bezeichneten oder 
durch urkundliche Nachrichten datirten Gemälde nicht häusig sind. 
gT;H;Iie CTz2J2ZjZe B8ZZzJ7zi erhielt am 2I. September 1474 den Auftrag, die Malereien 
D0gcx2T im Saale des Grossen Rathes im Dogenpa1aste auszubessern und zu erneuern.2J 
 Damit 1n der Fortsetzung des Bildercyc1us in diesem Raume, wo ieinst Gentile da 
Fabriano gearbeitet, wurde er aber unterbrochen, als am I. August I479 Suls 
tan Mahomet Il. von der Republik Venedig die Sendung eines guten Malers 
erbat.3J Gentile wurde auf Staatskosten mit zwei Gehilfen nach Constantinopel 
 gesendet, wo er den 5ultan und andere hochgestellte Persönlichkeiten abbildete, 
zahlreiche Studien und Zeichnungen einheimste, um bald nach Jahresfrist mit 
dem Rittertitel und reich beschenkt zurückzukehren. Denkmäler dieser Reise, 
offenbar nach mitgebrachten Studien erst nach der Rückkehr ausgeführt, find 
das Brustbild Mahomet7s fast im Prosil innerhalb einer RenaisfancesUmrahmung, 
 mit dem 25. November 1480 als Datum der Ausnahme bei Mr. Layard in 
1.2y2kd. London; dann der Empfang des venetianischen Gesandten und seines Gefolges 
L0wke. durch den Grossvezier vor dem Eingang des Palastes, im Louvre. Dies Bild 
ist das Specimen eines völlig modernen Realismus und ein Triumph der Oels 
n1alerei bei klarer und effectvoller Wiedergabe des füdlichen Sonnenlichtes 
im GegensatZe zu kräftigen Schatten, Beherrschung der Perspective, übers 
raschender Wahrheit in den Gebäuden, Palmen, sudlichen Gewächsen und 
charakteristischer Feinheit in den zahlreichen kleinen Figuren zu Fuss und 
zu Rosfe. 
1J .Zc1msZZi De11a pitt. Ven., S. 21.  Jetzt Hebt die Jahr2ah1 wie 1445 aus, was Ach nur durch 
Refiauration erklären 1äfst. Diefe Lesart hat lange in Antone1107s  Verwirrung angerichtet, 
bis die Aufklärung durch CwToe und CcsMZmJeZZe erfolgte. 
2J JlJwsxJzeJc Piave FeZ7Jxziim Z Cejzzye Fcmmsxi: I11uftrazione del pa1azzo ducale di Venezia, 
Mi1an0 1859, 81.  Vgl. GaZette des beauxsarts C1866J S. 283. 
3I J1JwEeZZi, Notizie, s. 99, Excerpte aus Maria sanudo und Franc. Negro.  Gaz. d. b.sarts 
u. a. O., 286.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.