Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei der Renaissance
Person:
Woltmann, Alfred Woermann, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1235000
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1238041
0berita1ien. 
Die Malerei in 
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Schule die lebendige Menschengestalt überhaupt erst mittelbar, nach Uebers 
tragung in ein plastisches Abbild, bekannt sei. So finden wir starke Rundung 
und sorgsame, scharfe Durchbildung aller Theile. Auch die Gewandung.1Ft 
nach plastischen Mustern, und zwar nach der Antike, studirt, allerdings v1els 
fach zu wulstig und mechanisch, nach Art spätsbyzantinischen Stils, gerathen, 
oft aber auch dem feinen Gefält nasser Gewänder an griechischen Statuen nachs 
gebildet. Der Sinn für Farbe findet neben dem ausschliess1ich auf die Form 
gerichteten Streben keinen Platz. Bezeichnend ist die Behandlung des Archis 
tektonischen und 0rnamentalen in Thronen, Umrahmungen und Beiwerk. Auch 
hier tritt die Nachahmung antiker Muster hervor, verbunden mit grossem Prunk 
im Detail, Kennzeichnung prächtigen Materials, wie farbigen Marmors, und 
besonderer Vorliebe für üppige Fruchtgehänge und Guirlanden nach dem 
Muster spätrömischer Reliefs, aber in sarbiger Reproduction. Dieser plastische 
Stil ist immer streng, manchmal grossartig, wird aber auch leicht hart, starr 
und gequält. 
0ffenbar war Squarcione eine wesentlich auf das Theoretische gerichtete 
Natur, ähnlich wie PzwZo sJtxeZZo, PzL:sm ziegsZz. Fm7zxeFxJzi, s722JswccJz2h. Von feig 
nen eigenen künstlerischen Leistungen wussten bereits die Berichterstatter des is:ig22k2s 
I6. Jahrhunderts kaum mehr etwas, und Vasari geht mit dem Meister Mantegna3s Leistungen. 
ähnlich um, wie mit dem Vater Raphael7s, indem er sagt, Squarcione sei nicht 
eben der beste Maler der Welt gewesen. Neuere Schriftsteller haben sich das 
durch Zu dem seltsamen Schluss verführen lassen, ihm überhaupt jede lcünsts 
lerische Schopferkraft abzusprechen und ihn als blossen Unternehmer, der 
Andere für sich arbeiten liess, anzusehen. Aber nur ein Meister, der das Köns 
nen mit dem Wissen vereinigt, vermag junge Talente mitfortzureissen und so 
der Gründer einer grossen Schule zu werden. 
Es haben sich urkundliche Nachrichten über Bestellungen verschiedener 
Art gesunden, die in den Jahren I439 bis I465 an Francesco ergingen1J; aber 
das Alles, die Ma1ereien, wie die 1ntarsien der Chorstühle im Santo, zu denen 
er die Zeichnungen geliefert hatte, ist untergegangen bis auf ein 1452 im Aufs 
trage Leone7s de Lazzara für dessen Oratorium in Carmine vollendetes, jetzt 
in dem Museo Civico zu Padua bewahrtes fünftheiliges Altarbild: St. Hieros Padua. 
nymus zwischen Johannes dem Täufer, Antonius dem Abt, Lucia und Justina.1EiTiFZ. 
Dieses aber steht bei seiner Geziertheit, Härte und Kleinlichkeit der Form auf 
der Stufe von Squarcione7s mittelmassigsten Schülern, etwa eines JlXJmw ZoPj2o, 
und so ist die Folgerung von Crowe und Cavalcaselle, dass der Meister diese 
Arbeit ganz den Gehilfen überlassen habe, wohl berechtigt. 
Dagegen ist wenigstens ein Gemälde vorhanden, welches besser als durch 
Notizen über Bestellung und Bezahlung, welche die Lieferung einer Werks  
ftattsarbeit nicht ausschliessen, nämlich durch Namensinschrift, beglaubigt ist: 
eine Madonna im Besitze der genannten Familie Lazzara zu Padua. Maria p2dz29, 
drückt das Kind an sich, das sich, den Kopf zurückwendend, lebhaft in ihre IF:3Yii1TFs 
Arme geworfen hat. Im Hintergrunde ein rother Vorhang und ein Gehänge 
V0.l1 Blättern, Feigen und Perlen, an der steinernen Brüstung unten die Bei 
Ze1chnUngT D0PUS Squarcioni pictorisec. vDas Motiv ist glücklich und Auch
        

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