Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei der Renaissance
Person:
Woltmann, Alfred Woermann, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1235000
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1237895
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Drittes Buch. 
Abthei1ung. 
Zweiter Abfchnitt. 
Perugino,s gewöhnlichem Schema, und Christi Verklärung, die Wand links vom 
Eingang zwei Bilder mit den vier Cardinaltugenden und ihren Vertretern im 
Alterthum, so dass also hier das Allegorische und Class1sche unmittelbar neben 
dem Biblischen steht: Mässigkeit und Stärke, neben Scipio, Perikles und Cins 
cinnatus, Horatius Cocles, Leonidas und Lucius Licinius1J; Gerechtigkeit und 
Klugheit, neben Camillus, Pittacus und Trajan, Numa Pompilius, Sokrates 
und Fabius Maximus. Der Pilaster zwischen beiden Bildern enthält das 
Brustbild des Malers, an der Eingangswand ist die Gestalt Cato7s zu sehen. 
Das Gewölbe enthält Medaillons mit der Sonne und sechs Planeten innerhalb 
einer zierlichen 0rnamentik im Geiste der Fruhrenaissance. In dem ornamens 
talen Reiz, wie überhaupt in der glücklichen Verwerthung der Wandbilder 
zum harmonischen Schmuck des Raumes liegt der Hauptvorzug des Werkes, 
das auch trotz der Mithilfe von Schülern gleichmässig und gediegen in der 
Ausführung ist. Aber die repräsentirenden Compos1tionen, im Stile christs 
licher Andachtsbilder aufgebaut, lassen bei einer gewissen Schüchternheit und 
Lahmheit der Motive erkennen, dass die Typen, Kopsneigungen und Gebers 
den, die für Madonnen und Heilige ausreichen, doch für pers0nis1cirte Tugenden, 
antike Weise und Helden nicht am Platze sind. iVergl. Fig. 2I1.J 
 Im selben Jahre 1500 wurde die Himmelfahrt Maria7s für das Kloster 
Akademie. Vallombrosa, jetzt in der Akademie zu Florenz, vollendet. Oben in der 
Glorie Gott Vater, unter ihm die sitzend aufschwebende Maria von musicirens 
den Engeln umgeben, zu ihren Füssen der Erzengel Michael und die Heiligen 
Benedictus, Giovanni Gualberto und Bernardo degli Uberti in Cardinalstracht. 
Das ist noch ein recht gediegen durchgeführtes Werk, aber mit manchen 
übertrieben weichen Zügen. Zum eigentlichen Ausdruck der Ekstase reicht 
Pietro7s vorwiegende Milde nicht aus, und so hat der verkürzte Kopf Maria,s 
sogar etwas Widerstrebendes. Derselben Zeit mögen die höchst lebendigen 
Köpfe der beiden Vallombroser Mönche Don Biagio und Don Baldassarre in 
derselben Sammlung angehören. Erst nach I500 wurde die Vermählung von 
c2222, Maria und Joseph für den Dom zu Perugia, jetzt im Museum zu Caen, volls 
Mulsant endet, die Perugin07s Schüler Raphael inspirirt, als er I5o4 seine Sposas 
lizio schuf. Schwächer in Zeichnung und Bewegung ist bereits die sur S. Frans 
Rom, cesco zu Perugia gemalte Auferstehung in der Pinakothek des Vaticans. Auch 
Halm. Wandbilder aus den nächsten Jahren haben einen slüchtigeren, mehr handwerkss 
mässigen Charakter, wie die 1504 bezeichnete sigurenreiche Anbetung der 
cikk;;z s12112 Könige in Santa Maria de, Bianchi zu Citta della Pieve, seinem Geburtss 
Hm. orte und das zerstreut componirte Martyrium Sebastians von 1505 in S. Sei 
p2::ics1e. bastiano zu Panicale zwischen hier und Perugia D. 
Erst im Sommer I505 wurde dann ein Gemälde für die Markgräsin Isas 
bella von Mantua vollendet, zu dessen Bestellung sie bereits fünsJahre früher 
 Anstalten getroffen hatte. Für ein Gemach, zu dessen Schmuck Andrea Mans 
tegna zwei allegorische Compos1tionen gemacht hatte, hatte sie ein ähnliches 
Bild von Perugino gewünscht. Schon in einem an die Markgräsin gerichteten 
Briefe ihres Agenten wird das Bedenken ausgesprochen, dass das Malen kleiner 
Florenz, 
Akademie. 
caen, 
Museum. 
II Dies und das vorige bei E. FäMes a. a. O. Tf. 
2I Farbendrucke der Arundel society von beiden. 
217 
22
        

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