Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei der Renaissance
Person:
Woltmann, Alfred Woermann, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1235000
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1237797
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Drittes Buch. 
Abtl1ei1ung. 
Zweiter 
Abfc1mitt. 
jugendlich schöne Engel, musicirend, Blumen streuend, Kränze für die Ers 
wählten bereit haltend. 
Umis2.hmu.,g Eine schöne ornamentale Umrahmung mit Pilastern und Friesen trennt 
1zsTIIJ;i,k, die Bilder; am sockel haben zahlreiche kleine Bilder und Medaillons mit 
scenen aus Dichtern des Alterthums, der Bibel, der göttlichen Komödie, sos 
wie den Köpfen antiker Dichter und Dante7s, der den Maler der letzten Dinge 
inspirirt hatte, Platz gefunden. 
s:i1. Im Gefammteindruck ist auch hier die Farbe das am wenigsten Befries 
digende. Meisterhaft erscheinen die Modellirung der einzelnen Gestalten, wie 
der kühne breite Vortrag überhaupt, aber das Ganze ist nicht harmonisch 
genug, der röthliche Fleischton sticht oft scharf hervor. Desto höher steht das 
Werk in Zeichnung, Compos1tion und geistigem Gehalt. Was wollen die s0rgs 
fältigen, woh1überlegt zusammengestellten Mode1lstudien bei Piero degli Frans 
ceschi, Antonio Pollajolo, Signorelli selbst in feinem Pansbilde bedeuten gegen 
diese Darstellung sdes Nackten mit ihrer hinreissenden Freiheit und Kühnheit 
der Bewegungl Hier sehen wir keine leeren Acte, sondern jede Gestalt ist 
von ergreifendem innerem Leben erfüllt. Die Florentiner in ihren grossen 
Frescobildern gingen auf anschauliche Wirklichkeit aus, die umbrischen Maler 
legten in ihre Andachtsbilder den Ausdruck milder, schwärmerischer Innigkeit 
und Frömmigkeit; aber was keine dieser Richtungen bisher gezeigt hatte, offens 
harte Signorelli: eine hinreissende religiöse Poesie der Auffassung, für welche 
die Bewältigung der Natursormen doch nur das Mittel zum Zwecke war. So 
bezeichnet die Cape1le in 0rvieto einen gewaltigen schritt in der Entwicklung 
der italienischen Malerei, sie ist der Höhepunkt dessen, was für die Kunst der 
Frührenaissance nach einer bestimmten Seite hin zu erreichen war, zeigt aber 
ihren Schöpfer zugleich als den unmittelbaren Vorläufer eines der grössten 
Meister der Hochrenaissance, des J1JicJzesZxZ;z,;s8Zu, in der Begründung und kühnen 
Bewältigung der Form wie in der erhabenen Idealität der Gesinnung. 
LMs, Als Luca Ende I 5o4 dies Werk vollendet hatte, stand es als eine 
sII;Ik,f,s;, Schöpfung ohne gleichen in 1talien da. Aber als kaum vier Jahre später 
Michelangelo und Raphael ihre Wandbilder im Vatican begannen, brach eine 
neue Kunstepoche an, und nun erschienen bald die Fresken Signorelli7s nur 
noch als die ehrwürdigen Leistungen eines Vorgängers. Er selbst kam noch 
in der Zeit Julius II., dann in der ersten Zeit Leo7s X., I5I3, nach Rom; 
aber hier war neben den Jüngeren keine Stätte mehr für ihn. Ihm blieb nur 
übrig, aus der grossen Welt sich zurückzuziehen und ruhig im bescheidenen 
Kreise provinziellen Daseins zu verharren. Für Cortona, wo er der angesehene 
Bürger, der geseierte Meister war, für Orte der umliegenden Landschaften 
blieb er bis an sein Lebensende beschäftigt. 
 Die Reihe der Tafelbilder aus dem I6. Jahrhundert eröffnet die Beweinung 
Dom. Christi im Dome zu Cortona, früher in santa Margherita, von I5o2., würdevoll 
aufgefasst, streng und ruhig in den Einzelmotiven. Ganz anders ist der todte 
s, NzM1z,, Christus, von Engeln und Heiligen umgeben, in der kleinen Kirche S. Niccolo 
gehalten, durch die Verbindung von tiefem Ernst und milder Innigkeit 
eigenthümlich und von wunderbarer Grazie in Ausdruck und Bewegung des 
Engels, der den Leichnam hält. Ein Madonnenbild auf der Rückseite ist 
schlecht erhalten. Nicht datirt, wie das vorige, ist auch die Madonna aus
        

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