Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei der Renaissance
Person:
Woltmann, Alfred Woermann, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1235000
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1237754
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30 
Drittes Buch. 
Abtheilung. 
Zweiter 
AbfclmiI.t. 
Heiligen, die einander entsprechen; Magdalena, Clara und der knieende Hies 
ronymus, Augustinus, Katharina und der knieende Antonius von Padua; grofss 
artig in den Charakteren, wirkungsvol1 im Aufbau und in Farbe und Auss 
führung zu den besten Arbeiten Signorelli,s gehörig. 
Fkeskek1. Während aller dieser Jahre war aber Luca auch als Frescomalcr thätig. Sein 
sY:3:1; Werk ist das letzte Bild aus der Geschichte des Moses in der sixtinischen Cas 
.pelle zu Rom II. Luca folgte einem festgestellten Programme, wenn er ebenso 
wie FamZm Bz2ZZix.eZZ2i und Co.5zZJw Ro.veZZz. mehrere Momente in Einem Rahmen 
vereinigte. Links übergibt der greife Moses dem Josua als seinem Nachfolger 
den Stab, rechts f1tzt er, die Bundeslade zu seinen Füssen, vor dem vers 
fammelten Volke und liest seinen Lobgesang. Unter den Umstehenden sehen 
wir stattliche bildnissartige Männergesta1ten, schöne Frauen, ihre Kinder aus 
der Schulter oder an der Brust, in der Stellung fast zu gewählt und mit studirtcm 
antikif1rendem Faltenwurf, während sonst das Zeitcostüm vorwiegt, Rückens 
tiguren modisch gek1eideter Jünglinge, vnackt in Kleidernu, da ihre knappe 
Tracht die Körperformen scharf heraushebt, ein f1tzender jugendlicher Heros, 
fast nackt, offenbar von dem in kleinen Bronzen und Gemmen oft vorkommen. 
den antiken Motive des ruhenden Hermes inspirirt. Moses, dem der Engel 
vom Berge das Gelobte Land zeigt, sein Herabsteigen und seine Bestattung 
sieht man fern in der schönen Felsenlandschaft mit dem Blick auf Gewäffer 
und ein friedliches Thal. Das Bild ist das beste in dieser ganzen Reihe. 
Weit origineller erscheint der Meister aber in einer anderen Schöpfung, 
deren Bestellung von dem Auftrage für die Sistina offenbar nicht weit abs 
 liegt: in der Ausmalung der kleinen achteckigen Sacristei am südlichen Quers 
saWM schiffe der Kirche zu Loreto. Der Besteller war der junge Nepote Sixtu87 IV. 
Cardinal Giuliano Rovere, defsen Wappen mit dem Cardinalshut den Mittels 
Punkt des Gewölbes einnimmt 2J. Zu oberst in den acht Gewölbeseldern ebensos 
viele schlanke Engelgestalten, einer mit nacktem 0berkörper, alle elegant bewegt, 
voll Reiz und Anmuth, nur in der Gewandung manchmal gekünstelt, in einigen 
Motiven, z. B. in den Fingern, fast geziert. Unter ihnen, miteinander alternirend, 
die vier Evangelisten und die vier Kirchenväter. Von den sieben Wandfels 
dem  das achte wird durch das Fenster eingenommen  zeigt das über der 
Thüre die Bekehrung des Saulus, die übrigen Thomas vor dem auferstandenen 
Heiland und fünf Paare von Aposteln in bewegter Haltung als Zeugen dieses 
Vorgangs, lauter grofsartige Charaktere. Feine Renaiffancepilaster mit Ges 
bälk in Unterf1cht trennen die einzelnen Wandslächen, den Hintergrund bildet 
blaue Luft. Auch in Farbe und Ausführung steht dieser Cyclus unter den 
besten Leistungen signorelli7s da, der hier zugleich in der Compof1tionsweise, 
der perspectivifchen Kühnheit, der Darstellung erregter Begeisterung einen 
EinHuss Me1ozzo7s verräth. 
An den Aufenthalt zu Siena im Jahre I498, der durch den Altar für 
 S. Agostino nachgewiesen ist, knüpfen f1ch auch mehrere Unternehmungen 
II Farbendruck der Arundel society. 
2J IJzzJ:zJsi nennt sixtus IV. zwar nicht als Beltellek, doch als Bezahlen  seiner Behauptung, 
dass die Deckenmalereien fchon von Davxei2fm 7me277:zJw nnd P77Iw iZkJz7sZi Fyzmce.rxlzi gemeinfcl1af1lieh 
begonnen, dann unterbrochen und erst durch Lag; vollendet worden seien, steht der einheitliche chas 
rakter des Ganzen und das modernen: Gepräge gerade der Engel am Gewölbe entgegen.
        

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