Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei der Renaissance
Person:
Woltmann, Alfred Woermann, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1235000
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1237639
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Drittes Buch. 
Zweiter Abschnitt. 
des Grabes setzt H; hier durch die grossartige Magdalenenges7talt in einer Nifche 
 neben der Sacristeithtire im Dome und durch den Bildercyclus im Chor von 
Ums S. Francesco, der leider vielfach gelitten hat. Die Zeit feiner Entstehung 
sieht nicht fest, doch war er jedenfalls vor 1466 vollendet, da Piero in einer 
Urkunde aus diesem Jahre als der Meister der Chorkapelle von S. Francesco 
zu Arezzo genannt wird. 
.s2Ms.:c:. Den Gegenstand bildet die Legende vom Kreuze Christi. An der Wand 
1inkS zu oberst Tod und Beslattung Adams, auf deffen Grab sich der Baum 
erhebt. aus dem später das Kreuz gezimmert wurde. Darunter die Königin 
von Saba vor einer Brücke knieend, die, wie ihr offenbart wird, von diefem 
Baume stammt; daneben ihr Empfang durch Salomo. Zu unterst der 
Kampf des Kaisers Heraklius gegen Cofroes von Persien um diesem das Kreuz 
abzugewinnen. An der Fenfterwand, unter zwei statuarischen Figuren in der 
Ltinette, die Entfernung des heiligen Brijckenbalkens auf Geheiss Salomos 
und das Suchen nach dem Kreuze in einem Brunnen, beide Bilder den grösseren 
Compositionen an den Nebenwänden angeschloffen, tiefer der Traum des Cons 
stantin, dem ein Engel Sieg durch das Kreuz verheifst, und als Seitenstück 
die Verkündigung Marias CFig. 20IJ. An der Wand rechts im mittleren Felde 
das Auffinden der drei Kreuze und die Erprobung des echten durch Erwcckung 
eines Todten in Gegenwart der Kaiserin Helena, darüber die feierliche Aufs 
richtung des Kreuzes zu Jerusalem, darunter der Sieg ConsiantinS und der 
Untergang des Maxentius. 
sx;1, Piero schafft aus der Reflexion heraus. Er sconsiruirt feine Comp0litionen 
auf Grund feines theoretischen Wissens; die Figuren sind p1astifche Körper, 
die an eine bestimmte Stelle gesetzt, zur räumlichen Umgebung in anges 
mesfenes Verhältniss gebracht werden, staunenswerth richtig in Liniens und 
Luftperspective und in wirkungsvollem Relief. Das Nackte, wie auf dem 
AdamsBilde, bekundet ein ungewöhnliches anatomifches Versiändniss, das 
gründliche Studium des Körpers bei Alt und Jung, Mann und Weib und die 
Fähigkeit, der mannigfaltigsten Stellungen und Verkürzungen Herr zu werden. 
Dabei ist allerdings die Formenfprache keine gewählte, vielmehr oft fchwers 
fällig und derb in den Gliedmassen bei sichtlicher Abhängigkeit vom zus 
falligen Modell. In der Gewandung lässt Piero das Zeitc0stüm vorherrschen 
und bringt auch gern orientalische Trachten an, wie er sie aus den Kijstens 
städten der Adria kennen mochte. Die Durchbildung der Rüstungen und aller 
kriegerifchen Werkzeuge in den Schlachtenbildern fammt den LichtreHexen auf 
dem Metall ist höchst präcis. Auch die Pferde in diesen Darstellungen s1n d genau 
in Form und Bewegungen studirt, und in letzteren, sobald sie nur nicht allzu 
ungestüm werden, w0hlgelungen. Aller Lichts und Schattenwirkungen Herr, vers 
sucht sich Piero auch in künstlichen Beleuchtungseffecten, wie bei dem Traume 
 des Kaisers, auf welchem das Licht vom Engel ausgeht und auf das Bett, den 
davor s1tzenden Kämmerer und die Wachen fällt. Die Architektur, sowohl 
ferne Stadtansichten als auch die Hallen, in denen einige Vorgänge spielen, ist 
mit grijndlichstem Verständnifs gezeichnet, und in ihr tritt auch das Studium 
des AlterthumS hervor, das in den realiftifchen Figuren weniger zu merken ist.. 
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