Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei der Renaissance
Person:
Woltmann, Alfred Woermann, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1235000
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1236953
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Drittes Buch. 
Abthei1ung. 
Abfchnitt. 
Eriker 
folino stehen. Aber Mafacci0 in feinem Realismus kann sich damit nicht bei 
gnügen; er geht nicht fo weit, wie die van Eyck, welche den Nimbus forts 
liefsen, aber bei feinem malerifchen Sinn, feiner perfpectivifchen Anfchauung 
aller Körper, behandelt er ihn auch als ein reales, plastifches 0bject, läfst ihn 
faft wagerecht über dem Kopfe fchweben und alle Bewegungen deffe1ben 
mitmachen.  
 Aufser den Bildern in der Cappella Brancacci ist uns noch ein Werk von 
ZNi0ve112I Mafaccio erhalten: die Freske der Dreifa1tigkeit in der Kirche Santa Maria 
Novella, jetzt an der Eingangswand, einst an der Innenfeite des Lettncrs. 
Gott Vater hält den Gekreuzigten, feitwärts ftehen Maria und Johannes. Alle 
Geftalten find in musterhaft durchgeführter Untenf1cht aufgefafst, und eine von 
ionifchen Säulen getragene Halle mit effectvollem caffettirtem Tonnengewölbe, 
welches, wie Vafari fagt, fo trefflich verkürzt ist, dafs es die Mauer zu durchs 
bohren fcheint, fchliefst f1e ein. Zwei k0rinthifche Pi1aster mit Architrav bilden 
vorn die Umrahmung, und vor ihnen knieen Stifter und Stifterin, energifche 
Porträtsiguren. In Plastik der Gestalten, Modellirung, Anwendung der Pers 
fpective ist dies ein Meisterwerk. Zahlreiche andere Tafelbilder und Fresken 
v2ks2k01i;:s in Florenz, die Vafari dem Künstler beimifst, find untergegangen oder, wie 
Ui:TT1iiiTs. Maria mit dem Kinde und Anna in der Akademie, nicht als fein Werk anzus 
erkennen. Auch was Mafaccio, nicht b1ofs Vafari, fondern auch fchon Nachs 
richten des I5.Jahrhunderts zufolge, in Pifa geschaffen hat, exiftirt nicht mehr. 
Lsrt:itci;1lt:ili1chs Zum letzten male finden wir Mafaccio zu Florenz im Jahre I427 erwähnt 
und Ende. bei Gelegenheit der Einfchätzung zu der von Giovanni de7Bicci de,Medici 
eingefLihrten Einkommensteuer. Er lebt hiernach mit feiner zum zweitens 
male verwittweten Mutter und feinem jüngern Bruder unter kümmerlichen 
Verhältniffen, schätzt fein Einkommen aufs6 Soldi täglich, fchuldet aber dem 
Maler lV2kwZxJ di sey LxzPo I02 Lire 4 Soldi, hat noch andere kleine Schulden 
und hat verfchiedene Habe in Pfandbänken verfetzt; auch fein Gehilfe Ä7m7Jsm 
di CTi2JZc2 hat noch einen Anfpruch an ihn. Waren Noth und Schulden das, 
was ihn aus Florenz vertrieb und ihn veranlafste, feine unvollendete, fchlecht 
bezahlte Arbeit im Carmine plötzlich zu unterbrechenP Er ging nach Rom 
aber wir wiffen nichts von dortigen Arbeiten und von feiner weiteren Existenz. 
 yDicesi e morto in Romac, ves heifst, er ist in Rom geftorbencc, ist auf dem 
Steuerformular des Jahres I429 notirt, und im Jahre I43o bringt eine Klage 
des erwähnten, auch damals noch nicht ganz befriedigten Gläubigers eine Bei 
ftätigung dafür. Landino fagt, Mafaccio fei mit 26 Jahren gestorben, daffelbc 
gibt Vafari1J an, und feine Quelle war eine Grabfchrift, die er in der ersten 
Ausgabe mittheilt. Da Mafaccio gegen den schlufs des Jahres I4oI geboren 
war, wird fein Tod alfo in das Jahr 1428 fallen. 
 Vafari, der das Gefammturtheil über Mafaccio trefflich formulirt, fpricht 
Laus: Er hatte eingesehen, dafs die Malerei nichts anderes ist, als ein Nachs 
bilden aller Dinge aus der lebenden Natur, in Zeichnung und Farben einfach 
wie in der Wirklichkeit felbst. Durch fortgesetztes Studium errang er feine 
U 1Xzz.myi  Daten nicht, denn er fagt, derfe1be sei I443 im Carmine beiges 
letzt worden, und scheint a1fo dieses Jahr für das Todesjahr zu halten. Ueber Lczmifm2 liebe die 
Anm. s. 145. Die ebenda citirte, dem ZlsJrmeZzi zugefchriebene Ha11c1fchrift fast: ssM0kj d7etä di a1mi 
27 in circhats.
        

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