Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei der Renaissance
Person:
Woltmann, Alfred Woermann, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1235000
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1236815
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DritteS Buch. 
Abthci11mg. 
DR Humz. War nun auch der Humanismus die Quelle der ganzen neuen Bewegung, so 
.;1JkiZf,mZf;e vollzieht sich doch im weiteren Verlauf der Renaissance die überraschende VVands 
 lung, dass er von der bildenden Kunst, die ihm so Wesentliches verdankte, 
weit überslügelt wird.1J Die Blüte der italienischen Literatur war mit dem 
I4. Jahrhundert vorüber; wenn auch noch manche Poeten in der Vulgärsprache 
dichten, so ist doch das Geschaffene nur theilweise von Belang. Es überwiegt 
die ausgesprochen classische Richtung, die in Sprache und Form lateinisch ist, 
dem Volke naturgemäss fern steht und oft nur rhetorische Exercitien statt 
poetischer Schöpfungen liefert. Auch das wissenschaftliche Streben, trotz seines 
Eifers, seiner Mannigfaltigkeit und seiner glänzenden Resultate, wird für die 
Humanisten oft nur ein Spiel des Geistes; es fehlen bei aller Freiheit des Deni 
 kens doch nur zu oft der Ernst der Gesinnung und die sittliche Tüchtigkeit, 
VjII1,ZZI,zIFs ohne welche auch auf wissenschastlichem Gebiete die höchste Leistung nicht 
muss möglich ist. Die freiesten Geister, die kühnsten 0pponenten, ein Laurentius 
Valla, ein Aeneas Sylvius, fügen sich willig den Mächten, gegen die sie 
kämpften, und verstehen sich zum Widerruf, wenn der persönliche Vortheil das 
fordert. Die sittliche Unzulänglichkeit, für welche Bequemlichkeit und Genuss 
des Daseins erste Rücksicht sind, prägt sich vor allem in dem tiefen Verfall 
der kirchlichen Zustände aus und lässt den am Anfang der Epoche erhobenen 
Ruf nach Reformati0n der Kirche an Haupt und Gliedern von den Päpsten 
selbst, welche diese Verpflichtung übernommen hatten, vereitelt werden, nicht 
am wenigsten durch die Humanisten auf dem päpstlichen Stuhle. Darin liegt 
 die Einseitigkeit des Humanismus, dass er zwar die geistige, doch nicht die 
sittliche Bildung regenerirt. War die vLosgebundenheitcc im Denken und Hans 
deln schon. im Mittelalter die Eigenschaft des Italieners, so tritt sie jetzt um 
so schärfer hervor, als der Humanismus die freie Ausbildung der menschlichen 
Persönlichkeit fördert, ohne ihr sittlich einen Zügel anzulegen. Am Abschluss 
des I5.Jahrhunderts stehen die B0rgia; diese grosse Periode wird von Selbsts 
sucht, Unsittlichkeit und Verbrechen überfluthet, dieses glänzend begabte, hochs 
gebildete Volk ist so zerrüttet, dass es den Raubzug eines abei1teuernden 
Franzosenkönigs widerstands10s über sich ergehen lässt. 
gegen. Aber mit allen Makeln, die dem damaligen Italien anhaften, versöhnt uns 
TfzTYiEF,I,,H1, die bildende Kunst. Sie ist nicht die Sache vornehmer Genussmenschen, sons 
dem die Sache des ganzen Volkes, dessen eigenstes Empfinden in ihr sich 
äussert. In der bildenden Kunst ist das ideale Element der damaligen Geistess 
richtung verkörpert. Bei aller Äeusserlichkeit des Cultus, aller Verw0rsenheit 
des Klerus stehen doch die Kunstwerke als Beweis dafür da, dass die innigste 
Frömmigkeit und gläubigste Erhebung noch aus den Gemüthern reden und 
von ihnen verstanden werden. Auch da, wo die Empfindung nicht als eigents 
lich kirchliche gelten kann, walten doch solche see1envolle Schönheit, solche 
I.auterkeit des Gefühls, solch grossartiger Ernst, solche feurige Begeisterung 
 für das Höchste, dass bei aller moralischen Unzulänglichkeit der Epoche doch 
der Kern von Gesundheit, Adel und Reinheit unverkennbar hervortritt, der in 
diesem Volke lebt, das sich gewöhnt hatte, vdas Gute unter der Gestalt des 
Schönen aufzusuchencc. 
stellen 
feines Buches  
Ita1ienifche stus
        

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