Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei der Renaissance
Person:
Woltmann, Alfred Woermann, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1235000
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1236790
I34 
Buch. 
Drjttes 
Abtheilung. 
Nackte, wo er Nacktes darzustellen hat; aber nur der 1taliener kommt auf 
den Gedanken, die bekleideten Gestalten zuerst nackt zu zeichnen und dann 
mit Draperien zu umgeben, was Alberti bereits als allgemeinen Brauch erwähnt. 
A.12k0mie. Aber Alberti fordert, dies als Beispiel nehmend, noch mehr: Zur Darstellung 
einer menschlichen Gestalt ist zuerst ihr Knochengerüst zu zeichnen und dann 
mit Muskeln zu versehen und mit Fleisch zu umkleiden. Das Studium der 
Anatomie, das der Norden noch scheute, erschliesst den italienischen Künstlern 
das Verständniss des Körperbaues und aller Bewegungen. Actstudium und 
anatomisches Studium ergänzen sich gegenseitig, und zu beiden kommt das 
Pk0p0kki0. Studium der Proporti0nen, das sich durch Beobachtung, Vergleichung und 
um Messung die trotz aller individuellen Mannigfaltigkeit feststel1enden Grössens 
masse der einzelnen Körpertheile in ihrem Verhältnisse zu einander wie zum 
Ganzen klar macht. somit beruht auch der Begriff von den körperlichen 
Formen bei den Italienern auf festem Wissen, das den Flamändern fehlt; 
wurde doch schon Im Arm EyxJe selbst, um von den Nachfolgern nicht zu 
reden, durch alle Schärfe und Genauigkeit der NatursBeobachtung nicht vor 
Fehlern in Formen und Verhältnissen, vor harten, ungefchickten Bewegungen 
bewahrt. 
Tec12k2ik. Was die malerische Technik der italienischen Renaissance betrifft, so blieb 
Tem,,ek,2 sur Tafelbilder die zu grosser Vollendung ausgebildete Temperamalerei üblich. 
bEi;ksisH;If,l. Die 0elmalerei wurde erst unter flandrischem Einfluss aufgenommen, und zwar 
erst gegen das Ende dieser Epoche. Die selbständigen Versuche einzelner 
Italiener, Oel als Binde1nittel anzuwenden, bleiben interessante, aber, wie wir 
sehen werden, unzulängliche Experimente. Uebrigens ist auch das Bedurfniss 
der 0elmalerei in Italien minder stark; eigentlich coloristische Neigungen 
erwachen hier verhältnissmässig spät, in den massgebenden Schulen und 
Richtungen ist das Wesentliche des Bildes der Contour, der, wie das auch 
Alberti theoretisch formulirt hat, die Grundlage der Compos1tion bildet. 
1s0km des Kirchengemälde sind noch immer die Hauptgattung der Taselbilder. Bei 
AlWWderi den Altarwerken wird die hergebrachte gotl1ische Form jetzt grösstentheils 
beseitigt. Die Theilung in eine Anzahl einzelner Tafeln, die Spitzbögen und 
Spit:zgiebel, die gothischen Umrahmungen fallen fort; der Maler sucht grössere 
Felder für seine Darstellung zu gewinnen. Häufig kommen Bilder breiten Fors 
mates vor, die oben in drei Bögen, deren mitt1erer grösser ist, schliessen II, 
aber nur eine einheitliche Compos1tion enthalten, die also gewissermassen durch 
das Bediirfniss des Zufammenschlusses die verticalen Zwischentheilungen ges 
sprengt hat. Dann vereinfacht sich der Aufbau überhaupt, die Seitenabs 
theilungen, in Italien ohnehin keine beweglichen Flügelthüren, fallen fort; es 
gibt nur Eine grössere BildHäche und über dieser noch eine halbkreisförmige 
Lünette, falls nicht das Hauptbild selbst im Halbkreise schliefst; nur die untere 
 Predella mit kleineren, figurenreichen Bildern wird auch jetzt beibehalten. 
 Neben Kirchenbildern werden auch häusliche Andachtsbilder gemalt, ferner 
Af,ZIT1ZJ5. cultivirt der Familiens1nn das Porträt, das nicht mehr bloss in der monumens 
P0k:k5:.talen Kunst, in Grabmälern und öffentlichen Denkmalern, sondern auch im 
HEXE Hause seine Stelle findet. Eine neue Stoffwelt erschliesst sodann die Kenntniss 
Vgl. 
H0lzfchnitt Fig. 
nach 
Fm 
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z2;,:z2ssx 13i1d 
in der Akademie.
        

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