Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei der Renaissance
Person:
Woltmann, Alfred Woermann, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1235000
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1236774
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Buch. 
Dkittes 
Abt11ei1ung. 
bungen nach dieser Seite hin zu controliren, und fordert sie zu rastlosem Wetts 
eifer auf. Wenn dann bei dem in der Renaissance beliebten Streite, ob die 
Plastik oder die Malerei die grössere Kunst sei, meist die Entscheidung zu 
Gunsten der letzteren ausfällt, so entspricht das der Anschauung der Epoche. 
Die Malerei, wie wir gesehen haben IS. 5J, ist einmal die eigentliche Kunst 
 der Neuzeit. Die Meister der Renaissance leben in dem Bewusstsein, gerade 
in der Malerei ihr ganzes Wissen und Streben entfalten zu können, in ihr vor 
keinem alten Vorbilde sich beugen zu müssen. Ja mitunter überwuchert der 
malerische Stil auch in anderen Künsten, wo er nicht gerechtfertigt ist. Blieb 
auch die Baukunst hiervon noch frei, so ist dem doch die Plastik und besonders 
das Relief ausgesetzt, wie GJzZZz7sztz7F Reliefs an seiner letzten Thüre des 
florentiner Baptisteriums darthun, entzückend als malerische Erfindung, aber 
stilistisch eine Verirrung. 
Ux2ivexr21ikiik Was vorzugsweise vor solchen Ausschreitungen wahrt, ist die allgemeine 
dekKWmelilKunstbild11ng gerade der grössten Meister, die auf allen Gebieten zu Hause, 
oft Bildhauer, Goldschmiede, Maler, Architekten zugleich sind, Stil und Technik 
aller dieser Künste beherrschen und zugleich nur Eine Kunst kennen, deren 
 Aeusserungen im lebendigsten Zusammenhange und in reinster Harmonie unter 
einander stehen. Was sie hierzu führt, ist das Streben nach Universalität der 
geistigen Ausbildung, welches die schönste Frucht des Humanismus ist. 
Hums:isss Seit Petrarca die auch im Mitte1alter nie völlig erloschene Erinnerung 
MS. an das clafs1sche Alterthum neu belebt hatte, seit auf das Forschen und Suchen 
in den Klosterbibliotheken die Handschriften der Alten wieder an das Licht 
traten, und ein Autor nach dem anderen der Vergessenheit entrissen ward, bei 
gann in der italienischen Nation eine Bildung zu keimen, für welche das Alters 
thum nicht nur die Quelle des Wissens, sondern die Grundlage der gesammten 
Weltanschauung war. Im I5. Jahrhundert war sie in immer weitere Kreise 
gedrungen, Geistliche und Laien, Papste und Fürsten, selbst die gewa1tthatigsten 
kleinen Tyrannen, Reiche und V0rnehme, Kaufherren und Gelehrte, Bürger 
und Handwerker, unter diesen die Künstler, hatten an ihr Theil. Zur Kennts 
niss der lateinischen Litteratur war nach und nach die der griechischen hins 
zugetreten; neben den schriftlichen Denkmälern wurden die künst1erischen 
Monumente des Alterthums ein 0bject des Studiums und der Bewunderung. 
Die Begeisterung für das Alterthum schmolz mit dem Sinn für alles Grösse 
und Schöne zusammen, und das Alterthum bildete für jedes specielle Wissens 
schaftliche Studium die Voraussetzung. Aber das Ziel derjenigen Bildung, die 
man die humanistische nennt, ist nicht das Studium einzelner Wissenschaften, 
sondern die einheitliche Ausbildung alles menschlichen Wissens und Könnens; 
das ldeal des Humanismus ist im Sinne des class1schen Alterthums der im 
vollsten Gleichgewichte seiner. Kräfte und Fähigkeiten nach allen Seiten hars 
 monisch entwickelte Mensch. 
 Darin liegt nun das Eigenthümliche der italienischen Renaissance, dass 
 auch ihre Kunst vom humanistischen Geiste durchdrungen, dass die künstlerische 
KüWeV Entwicklung zugleich eine wissenschaftliche ist. Auch in der germanischen 
Welt hat der Aufschwung der Malerei bestimmte wissenschaftliche Vorauss 
setzungen. Für die getreue Wiedergabe des Wirklichen ist die Kenntniss der 
Form, für die malerische Darstellung die Kenntniss der Perspective Vorbei
        

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