Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei der Renaissance
Person:
Woltmann, Alfred Woermann, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1235000
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1236521
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Schulen 
rhundertss. 
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stand, der bei Meister Stephan in idyllischer Anmuth erfasst war, hat hier ein 
grossartiges, feierliches Gepräge erhalten. Auch hier steigt eine Rosenhecke 
mit buntgesiederten Vögeln vor dem Goldgrnnde empor, aber Maria erscheint 
mehr als lebensgross, Engel halten eine prächtige Krone über ihrem Haupte. 
Sie wie das nackte Kind, das ihren Hals umschlingt und durch ihr herabs 
wallendes Haar hindurchgreift, blicken nach verschiedenen Seiten zur Gemeinde 
herab, Maria in schwermüthigers Erhabenheit. An den Stil des Rogier van 
der XVeyden erinnert zunächst der Kopftypus, dann die Magerkeit der Formen,  
sowohl im nackten Kindesk6rper, als auch in den knöchernen Händen Marias. 
Nur ist die Formenkenntniss noch etwas schwächer, auch sind bei aller Vers 
wandtschaft in den Gewandm0tiven auf Schongauers Bild doch kleinliche und 
über1adeiie Einzelheiten häufiger, und die Farbe erreicht bei aller Kraft und 
Gediegenheit doch die feine Harmonie der Handrischen Meister nicht ganz; 
der Maler ist über eine mehr zeichnende Manier mit scharfen Umrissen nicht 
hinausgekommen. 
Das Museum in Colmar besitzt sechzehn Tafeln, ehemals Flügel eines x;ilsL::;. 
Altars in der Do1ninicanerkirche, welche die Passion und die Auferstehungss MuseumI 
geschichte vom Abendmahl bis zur Ausgiessung des heiligen Geistes darstellen. 
Acht enthalten auf der Rückseite Scenen aus der Marienlegende, die sehr ges 
litten haben. Nur theilweise fallen die oft trefflichen Compositionen mit Sch0ns 
gauers gestochener Passion zusammen. Die Umrisse sind schwerer, die Behands 
hing ist trocken, so dass wir hier sicherlich nur Bilder aus seiner Werkstatt haben, 
die durch Gesellen handwerksmässig ausgeführt worden sind, wenn auch das 
Ganze vielleicht bei Scliongauer selbst bestellt gewesen war. 
Zwei andre, beiderseits bemalte Altarslügel desselben Museums, aus der Aik.1kkiiFge1 
AntonitersPräceptorei zu 1senheim, sind zwar in keiner lxVeise beg1aubigt, 1rsFi3Zi2H, 
stehen aber der Madoniia im Rosenhag in der Behandlung näher und iZiYiiYiiiii. 
übertreffen sie noch in der Erhaltung. Einerseits ist die Verkündigung Marias 
zu sehen, andererseits verehrt Maria das auf ihrem Mantelzipfel liegende Kind, 
und ihr gegenüber steht der greife St. Antonius der Abt, dem zu Füssen die 
kleine Figur des Stifters angebracht ist. Erinriern die Motive vielfach an 
Rogier, namentlich bei der verehrenden Madonna, so sind doch die beiden Mariens  
kopse und der Engel Gabriel von solcher Lauterkeit und so freiem Adel des 
Ausdrucks, wie ihn R0gier selten erreicht hat. Der Stifter im 0rdenskleide 
ist, nach dem XxVappen, Johann von Orliac, der I466 bis 1490 Präceptor zu 
Isenheim war II. 
Immerhin ist es schwer zu entscheiden, ob Bilder dieser Art eigene Arg Kleine 
beiten sch0ngauers, oder nur Erzeugnisse seiner Schule sind. Mit ungleich iv1lii3izF:re3p, 
grösserer Wahrscheinlichkeit darf man ihm aber ein paar Bildchen ganz Wien. 
kleinen Formates zuschreiben, so zwei Darstellungen der heiligen Familie, 
eine in der Münchener Pinakothek, mit schöner Landfchaft, die zweite in der 
II Go2;xzw27ZZZy, Le musee de Colmar, 2. cEd., Colmar l875, S. 19.  Auf der anderen Tafel list 
das Wappen feines N:;.cl1folgers Guido Guerf1, der feine Würde erst nach dem Tode schongJ1Ueks 
antrat, zu fehen. Doch das widerfpricl1t der Urheberfcl1aft deffelben noch nicht unbedingt. Guerf13 
delTen Wappen, nach älterer Nachricht, allerorten prangte, konnte durch eine neue Aufstellung ibe,1 
Gelegenheit des Erweiterungsbaues der Kirche oder durch irgend einen anderen Grund veM11lIfSk 
worden fein, es hier anzubringen.    
        

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