Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei des Alterthums
Person:
Woermann, Karl Woltmann, Alfred
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1229470
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1230809
Zweites 
Buch. 
Zweiter 
Abfchnitt. 
Einzelheiten, wie Haaren, Helmbüfchcn, Mahnen, einer bunten Mufterung oder 
Umfäumung des Gewandes u. dgl. 
Uebrigens griff man noch zu einem anderen Hülfsmittel, als der Farbe, 
um die Männer von den Frauen zu unterfcheiden: man ftellte ihre Augen in 
conventioneller Weife vcrfchieden dar, diejenigen der Männer kreisrund, mit 
zwei kleinen Strichen an den Seiten, diejenigen der Frauen mandelförmig 
langgefchlitzt, trotz der Proiilitellung des Gefichtes von vorn gefehen. Die 
Verfuche, das ganze Geficht von vorn darzuitellen, pflegten zu fcheitern. Von 
Ausdruck und Leben der Geflchtszüge konnte unter diefen Umltänden natür- 
lich noch keine Rede fein. Auch war der Faltenwurf der Gewänder noch fehr 
unentwickelt. Die regelmäfsig fteife Fältelung nimmt erft der ältere rothligurige 
Vafenftil auf, hier fallen die Kleider häufig noch fackartig herab oder fchmiegen 
{ich den Körperformen glatt an. 
Ihr sm. Auch die Auffaffung der Formen des nackten Körpers ift eine mehr oder 
weniger conventionelle. Der Leib iit im Ganzen mager, oft bis zum Ver- 
fchwinden des Bauches, die Schultern dagegen, die Hüften und Schenkel 
treten mächtig hervor, und dem entfprechen die Bewegungs- und Stellungs- 
motive, die, wo Ruhe ausgedrückt werden foll, unbeholfen {teif erfcheinen, wo 
Bewegungen dargeftellt werden follen, aber hart und heftig find. 
Cggnpoßtion, Die Compofitionen iind freier, als auf jenen älteften Vafen, aber fie find 
nichts weniger als malerifch, fie folgen dem Reliefflil oder der Silhouetten- 
manier. Von einem gefchloffenen Hintergrunde, wie er feit Apollodoros in die 
Tafel-Malerei eingeführt wurde, ift hier fo wenig die Rede, dafs fogar alle 
Localbezeichnungen zu geringen Andeutungen zufammenfchrumpfen. Die 
Gruppen flnd fehr einfach, und die gleichen Motive wiederholen flch an ver- 
fchiedenen Gegenftänden. Ihrer Mehrzahl nach reprafentiren die fchwarzngurigen 
Vafenbilder in technifcher Beziehung nicht einmal die malerifchen Errungen- 
fchaften jenes Kimon von Kleonai, von dem oben die Rede gewefen, fondern 
find etwa auf dem Standpunkte des Eumaros flehen geblieben. 
Verfchieden- Uebrigens gibt es innerhalb diefer Gattung Malereien von fehr verfchie- 
IWÄÄRQÜ dener Güte. Die betten verrathen bei allen ihren Unbeholfenheiten doch eine 
gewiffe Frifche und Natürlichkeit der Auffaffung, eine grofse Liebe und Sorg- 
falt in der Durchführung, eine gedankenvolle Beobachtung des Lebens. Die 
fehlechteften find Schmierereien der fiüchtigften und rohften Art. 
n" Alter. An diefe Thatfache knüpft {ich eine wichtige, aber fchwierige Streitfrage. 
Bis vor Kurzem nahm man als felbitveritändlich an, dafs diefe fchwarzfigurigen 
Vafen in der überwiegenden Mehrzahl Originalarbeiten des fünften Jahrhunderts 
vor Chr. feien. Nur einigen wenigen glaubte man die abfichtliche Nachahmung 
des alten Stils in einer viel fpäteren Zeit anzumerken. H. Brunn aber hat 
neuerdings das umgekehrte Verhältnifs als das richtige zu erweifen gefucht. 
Die überwiegende Mehrzahl der in Etrurien gefundenen Vafen diefes Stiles {ind 
nach ihm nicht Originalarbeiten des fünften, fondern eigens für die Ausfuhr 
beftimmte Nachahmungen derfelben aus dem dritten und zweiten Jahrhundert. 
In Etrurien aber find eben die meiilen Vafen diefes Stiles gefunden. Wirklich 
zeigen einige in Athen ausgegrabene fchwarzfigurige Vafen eine grofse Ueber- 
legenheit auch über die beften der in Etrurien gefundenen, und Brunn hat 
feine Anficht mit paläographifchen, {tiliflifchen und culturhiftorifchen Grün-
        

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