Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei des Alterthums
Person:
Woermann, Karl Woltmann, Alfred
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1229470
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1230669
Buch 
Zwciles 
Erßex 
fchnitt. 
detes Geficht man zu fehen glaubte, und der nackte Hcros, mit dem er die 
Natur felbft herausforderte, mehr auf feine frühere, unmittelbar unter fikyo- 
nifchem Einflufs flehende Zeit hinzudeuten. 
güääiije Seinen fchoa genannten Porträts reiht üch noch ein Selbftporträt an. 
 Seiner Allegorie der Verläumdung fetzt fich ein zweites Bild mit Perfonifica- 
tionen an die Seite, welches die Gewittererfcheinungen, Donner, Blitz und Keil- 
fchletiderung darftellte. Dafs diefe Naturkräfte durch weibliche Geftalten per- 
foniiicirt dargeftellt waren, darüber follten die griechifchen Namen Bronte, 
Aftrape, Keraunobolia, die Plinius ihnen in feinem lateinifchen Texte gibt, 
keinen Zweifel laffen. 
Uhijriillrigr Nach Allem fehen wir, dafs es nicht eben des Apelles Sache war, grofse, 
des Äpellcs. figurenreiche Hiftorienbilder zu fchaffen. Daher erklärt es fich auch, dafs er 
felbft feinem Mitfchüler Melanthios den Vorzug in der Dispofition, einem 
anderen, denTAsklepiodoros, in den nlVlafsena (in mcnfuris, d. h., nach Brunn, 
entfprechend der Erläuterung des Plinius, in der durch die richtige Ver- 
kleinerung der Figuren erzeugten perfpectivifchen Behandlung der hintereinander 
{lebenden Geilalten) einräumte. 
Beide Vorzüge konnten bei den Gemälden des Apelles auch kaum zur 
Geltung kommen. Es war eine weife Selbftbefchränkung, dafs er nur malte, 
was er vortrefflich malen konnte. In getreuer Nachahmung der Natur fland 
er keinem Meiftcr nach; in forgfältiger, auf feiner Beobachtung des Hclldunkels 
beruhender, faft plaiiifch wirkender Modellirtmg übertraf er fie alle. An 
technifchen Neuerungen führte er zur beffcren Erreichung gerade diefes Zieles 
einen dunklen, durchfichtigen Lafur- oder Firnifs-Ueberzug ein, mit dem er 
feine fertigen Teniperatafeln bedeckte. Vor allen Dingen aber hatte er nach 
feiner eigenen Ausfage jene undefinirbare Charis, jenes den Befchailer mit 
unendlicher, füßcr Sehnfucht erfüllende Schönheitsgefühl vor allen anderen 
Künftlern voraus; zugleich eine Leichtigkeit der Behandlung, deren er {ich fo 
bewufst war, dafs er es ausfprach, Protogenes fei ihm in allen Stücken Cbcn- 
bürtig oder gar überlegen, bis auf die allzugrofse und ängftliche Sorgfalt, 
welche ihn verhindere, die Hand rechtzeitig vom Gemälde zu laffen. Daher 
das Sprüchwort: Manum de tabula! nDie Hand vom Bilden! Die Sicherheit 
feiner Hand aber wird durch eine andere Anekdote gekennzeichnet, nach 
welcher Apelles, als er den Protogenes bei feinem erften Befuche nicht zu 
Haufe getroffen, eine feine farbige Linie auf die Tafel gezogen habe. Als 
Protogenes nach Haufe kam, erkannte er fofort, wer bei ihm gewefcn, zog aber 
eine feinere Linie von anderer Farbe in jene hinein. Apelles jedoch fpaltete 
diefe nochmals durch eine feinere Linie, worauf Protogenes fich für befiegt 
erklärte. Von der ftcten Zeichenübung, welcher der Meifier fich unterzog, 
zeugt auch die Nachricht, dafs er keinen Tag zugebracht habe, ohne Uebungs- 
zeichnungen zu machen. Daher das Spüchwort: Nulla dies sine linea, nKein 
Tag ohne Linielu 
Sei" Daran. In Apelles' perfönlichern Charakter trat, wie die fchon erzählten Züge es 
ciiiiiiiicr, beweifen, eine grofse Befcheidenheit und willige Anerkennung fremden Ver- 
dienftes, befonders dem Hochmuth eines Zeuxis und Parrhafios gegenüber, 
hervor. So foll er zuerft den Werth des Protogenes erkannt und demfelben 
dadurch einen wefentlichen Dienfl geleiiiet haben, dafs er deffen unverkauftc
        

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