Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei des Alterthums
Person:
Woermann, Karl Woltmann, Alfred
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1229470
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1230651
Die 
römifche 
und 
griechifche 
Malerei nach 
d e n 
Schriflquellen. 
59 
gungen von APe11es' Gegnern, feine Aufteilung am Hofe des Ptolemaios zu 
hintertreiben. 
Auch in Rhodos mufs Apelles gewefen fein, da er hier mit feinem eben- 
bürrigften Zeitgenoffen, Protogenes," zufammengetroffen. Daß er auch Athen 
befucht, ift wahrfcheinlich; endlich foll er auf der Infel Kos eines feiner be- 
rühmten Aphrodite-Bilder zu malen begonnen, daffelbe aber, vom Tode über- 
rafcht, nicht vollendet haben. Es ift daher nicht unwahrfcheinlich, dafs Apelles 
auf Kos geitorben ift. 
Von den mythologifchen Gemälden des Apelles war weitaus das berühm- Die _mYIh0' 
teflc feine Aphrodite anadyomene, die aus dem Meere auftauchende Liebes- iiäiiiäiiig. 
göttin, welche mit den Händen die Feuchtigkeit aus ihrem Haare prefste. Ob 
fie noch halb im Meere befindlich oder bereits am Strande {lebend gebildet 
gewefen, darüber ift neuerdings befonders zwifchen Benndorf und Stephani 
der Streit geführt worden. Aus den Schriftquellen ergibt fich mit Sicherheit läiijeiljlläo" 
Weder das eine noch das andere. Jedoch fcheint uns nach denfelben wenigftens dyomene. 
nicht wahrfcheinlich, dafs ihr ganzer Unterkörper noch unter Waffer gewefen, 
Auch diefe Aphrodite hatte der Meifier im Auftrage der Bürger der Infel Kos 
für deren Asklepiostempel gemalt. Von unzähligen Verfen befungen, nahm 
f1e unter den gemalten Bildern der Göttin diefelbe Stellung ein, welche die 
knidifche Aphrodite des Praxiteles unter den plaftifchen behauptete. Kaifer 
Auguftus entführte das Gemälde nach Rom, erliefs den Koern dafür aber als 
Schadenerfatz hundert Talente an ihren Abgaben. Es ging jedoch nicht lange 
nachher zu Grunde. Schon zu Nerds Zeiten war es fo ruinirt, dafs diefer 
Kaifer es durch die Copie eines gewiffen Dorotheas erfetzen liefs. Am fchöniten  
hat Leonidas von Tarent das herrliche Bild befungen 1): 
Als die des Meeres Mutterfchofs entflohene 
Schaumtriefende, geburtenfrohe Kypria 
Apelles fah, da hat den fehnfuchtsfchwangren Reiz 
Gemalt nicht, fondern lebenswurm er abgeformt. 
Wie prefst mit zarter Hand fie aus ihr naffes Haar! 
Wie milde ftrahlt aus ihren Augen Sehufuehts-Glut! 
Und wie ein reifend Aepfelpaar fchwillt ihre Bruft! 
Athene felbft und Hera werden nun geftehn: 
O Zeus, in diefem Urtheil unterliegen wir! 
Von der äufseren Geftalt der Göttin des Apelles geben einige gröfsere und 
kleinere, in Italien gefundene Marmorwerke vielleicht noch die befte Vor- 
Prellung. Es ift wichtig für unfere Kenntnifs der Stellung der Malerei im 
clafüfchen Alterthum, dafs fogar die Plaftik gelegentlich Hauptmotive berühmter 
Gemälde entlehnt hat. 
Jene zweite, unvollendete Aphrodite des Apelles zu Kos foll ebenfalls gähäiite 
fehr fchön gewefen fein: fo fchön, dafs Niemand es gewagt, fie zu vollenden. 
Fernere berühmte mythifche Gemälde des Meifters waren feine bekleidete 
Charis im Odeion zu Smyrna, feine fitzende Tyche und feine Artemis 1m 
Chore jagender Jungfrauen 2). Wenn diefe Gemälde vielleicht der fpäteren Zelt 
dCS Künfllers angehören, fo fcheinen dagegen fein Herakles, dCiTCH abgewen" 
 
I) Anthologia. Graeca I, 164, 41. 
z) Nach Dilthey's Vermuthung.
        

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