Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei des Alterthums
Person:
Woermann, Karl Woltmann, Alfred
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1229470
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1230603
Zweites 
Buch. 
Erfter 
Abfchn 
mythus gegriffen und in feinem Thefeus mit den Perfonificationen der Demokratie 
und des Demos fchon ein halb allegorifches politifches Bild gefchaffen. 
Deren Eigen- An allen diefen Gemälden werden befondere Eigenfchaften hervorgehoben, 
fchimcn" z. B. an feinem Thefeus, dafs er mit Rindfleifch ernährt gefchienen, wogegen 
derjenige des Parrhafios wie mit Rofen gefüttert ausgefehen habe; an dem 
Gemälde der zwölf Götter, dafs Euphranor fchon den Pofeidon mit folcher 
Majeftät ausgeftattet habe, dafs ihm für den Zeus kein erhöhter Ausdruck mehr 
zu Gebote geftanden. 
Dem entfpricht das allgemeine Urtheil des Plinius, dafs Euphranor (doch wohl 
nur unter den jüngeren, die malerifche Technik frei beherrfchenden Künftlern) 
zuerit die Würde der Heroen zum Ausdruck gebracht habe. Auch foll er fich 
mit den Proportionen befchäftigt und über diefe, wie über die Farben, Schriften 
hinterlaffen haben; doch fand man, dafs feine Glieder und Köpfe zu flark 
gehalten feien im Verhältnifs zu der Schlankheit der Leiber feiner Helden. 
Stets wird er in einer Linie mit den beflen Meiftern genannt, und die Berichte 
über feine Werke ftimmen mit denen über feinen Kunflcharakter dahin überein, 
dafs wir uns unter ihm einen nichts weniger als weichlichen, fondern in allen 
Beziehungen männlich-kräftigen Künitler vorzuftellen haben, der auch pfycho- 
logifche Momente, wie fein Odyffeusbild fie darbot, zu verwerthen wufste. 
Hatte fchon Euphranor, wie es fcheint, für Athen gearbeitet, fo kehrten 
feine Schüler ganz nach Athen zurück. Der bedeutendile Künftler, den die 
Schule noch hervorbrachte, war aber nur ein Schüler eines Schülers des 
Euphranor. Es ift ZWkias, mit dem wir uns noch zu befchäftigen haben. 
Nikias. Nikias von Athen fpielt in der Streitfrage, wie weit die Polychromie, die 
farbige Bemalung, der alten Marmorflatuen gegangen, in fo fern eine Rolle, 
als der grofselBildhauer Praxiteles auf die Frage, welche feiner Marmorwerke 
er_ am höchften fchätze, geantwortet haben foll: nDiejenigen, an welche Nikias 
Hand gelegte, und Plinius erläutert diefen Ausfpruch durch den Zufatz: nein 
folches Gewicht legte er deffen Anflrich (circumlitio) beia. Aber diefe 
Streitfrage kann uns hier nicht befchäftigen. 
Sein Ruhm Jedenfalls hat Nikias zu den berührnteflen Künitlern des Alterthums gehört. 
Auch er hatte einen folchen Reichthum erworben, dafs er dem Könige Ptole- 
maios, als diefer ihm fechzig Talente für fein Gemälde den Nekyia bot, das 
Bild nicht überliefs, fondern es feiner Vaterftadt fchenkte. Dabei foll er {ich 
'feiner Kunil fo ganz hingegeben haben, dafs er aller irdifchen Nothwendig- 
keiten darüber zu vergeffen pflegte und manchmal feine Sklaven fragen mufste, 
0b er fchon gefrühftückt oder gebadet habe. 
Seine In Bezug auf feine Technik wird befonders die Licht- und Schatten- 
Tedmik" gebung gelobt, fowie, dafs er ein grofses Gewicht auf das plafiifche Hervor- 
treten feiner Geftalten aus der Tafel gelegt habe, zwei Eigenfchaften, die (ich 
natürlich decken können. 
scanacegcn. Uebrigens gehörte Nikias nicht zu den reinen Technikern, welche dem 
{kann Satze huldigen, was der Künftler male, fei ganz gleichgültig, nur auf das Wie 
komme es an. Vielmehr pflegte er zu fagen, dafs der Gegenftand an fich 
eben fo gut ein Theil der Kunft des Malers fei, wie die Fabel der Dichter, 
und er präcifirte das ausdrücklich dahin, dafs der Künftler einen würdigen 
Stoff wählen und feine Kunit nicht an Kleinigkeiten, wie Vögel und Blumen,
        

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