Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei des Alterthums
Person:
Woermann, Karl Woltmann, Alfred
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1229470
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1230512
Die griechifche und römifche Malerei nach 
den Schriftquellen. 
lieh malte. Daher können auch wir mit Brunn den Apollodoros in gewiffem 
Sinne den erften eigentlichen Maler nennen. 
Dem Inhalte nach kennen wir nur wenige feiner Gemälde. Abgefehen Seine 
von einem betenden Priefler, hat er Stoffe der griechifchen Heldenfage be- Wüke" 
handelt. Das intereffantefte feiner Bilder fcheint der Ajas in dem vom Blitze 
getroffenen Schiffe gewefen zu fein, eine Darfiellung, die von felbft auf eine 
malerifche Behandlung des Hintergrundes, wie der Beleuchtung, hinzuweifen 
fcheint. 
Uebrigens werden wir gut thun, uns das Zufammenwirken von Hinter- Cäälistrgriü" 
grund und Vordergrund auf den Gemälden des Apollodoros und feiner Nach- rung. 
folger nicht etwa in ähnlichem Sinne vorzuftellen, wie ihn der Fortfchritt der 
neueren Malerei mit dem Auftreten der Brüder van Eyck kennzeichnet. Viel- 
mehr weifen fowohl die fchriftftellerifchen Nachrichten, als auch die wenigen er- 
haltenen Wandgemälde, die wir möglicherweife ihrer Erfindung nach auf Originale 
der Zeit vor Alexander dem Grofsen zurückführen können, darauf hin, dafs der 
Hintergrund in der griechifchen Malerei der Blüthezeit, obgleich einheitlich 
zufammengefchloffen, doch nie die Bedeutung einer befcheidenen Folie für 
die figürliche Scene, welche Prets die Hauptrolle fpielt, überfchritten habe. Ja, 
es ift ficher, dafs das alte Princip, die Figuren von einfarbigem Grunde {ich 
abheben zu laffen, keineswegs plötzlich aufgegeben wurde. Noch unter den 
pompejanifchen Wandgemälden finden wir umrahmte, offenbar Tafelbildern 
nachgeahmte Felder, deren Figurendarftellungen zwar einen im unteren Theile 
zufammenhängenden landfchaftlichen Hintergrund haben, trotzdem aber von 
einfarbigem, meifientheils weifsem Grunde fich abheben, der die Stelle des 
Himmels einnimmt und noch weiter, als der Himmel es thun würde, in die 
Gegenftände des Hintergrundes herabragt. Ueberhaupt werden wir ftets be- 
denken müffen, dafs verfchiedene Phafen der Entwicklungsgefchichte der 
griechifchen Malerei, die uns heute primitiv und längft überwunden erfcheinen, 
zu ihrer Zeit als entfchiedene Neuerungen das gröfste Auffehen zu erregen im 
Stande waren. 
Ein folches Auffehen hat Apollodoros mit Recht bei feinen Zeitgenoffen 
erregt. Gleichwohl aber mufs feine Darfiellungsweife, felbit verglichen mit 
derjenigen feiner nächften Nachfolger, noch gewiffe Unvollkommenheiten und 
Härten gehabt haben, die ihn nur, wie Plinius es geradezu ausdrückt, als den 
Pförtner erfcheinen liefsen, welcher den berühmteren Erben feiner Kunft die 
Thore der Malerei geöffnet. 
In der bisher befprochenen Zeit, zwifchen den Perferkriegen und dem nieggiälere 
peloponnefifchen Kriege, hatte Athen mit der politifchen auch die künftlerifche Stcthiile? 
Hegemonie in Hellas übernommen. Die grofsen Maler, die wir aus diefem 
Zeitraume kennen gelernt, von denen einige, wie befonders Apollodoros, noch 
Augenzeuge des peloponnefifchen Krieges gewefen, waren zwar keineswegs 
alle von Geburt Athener, aber Athen war die Hauptflätte ihrer Wirkfamkeit. Wir 
können fie daher mit einigem Rechte unter dem Namen der älteren attifchen 
Schule, die fich freilich in zwei Hauptrichtungen fpaltete, zufammenfaffeng 
Durch den peloponnefifchen Krieg büfste Athen feine HegemOÜ-le 61m  
Die Malerei theilte {ich nunmehr in verfchiedene Schulen, die an verfchiedenen Veäcäläfgiäne 
Stätten des hellenifchen Culturgebietes ihren Sitz hatten. Als folche Schulen,
        

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