Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei des Alterthums
Person:
Woermann, Karl Woltmann, Alfred
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1229470
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1230505
Zweites Buch. 
Erfier Abfchnitt. 
Figurenmaler kommen, welcher, angeregt durch die Bühne, auf welcher die 
Figuren fich vor einem gefchloffenen, natürlichen Hintergründe bewegten, 
diefe Darftellungsweife, an welche das theaterliebende Publicum fich bereits ge- 
wöhnt hatte, auf die Kunftmalerei übertrug. 
i? Ein folcher Figurenmaler erfland den Griechen fchon gegen Ende des 
i fünften Jahrhunderts vor unferer Zeitrechnung, in der erften Zeit des pelopon- 
nefifchen Krieges, in dem Athener Apollodoros, der daher auch von den alten 
Schriftltellern, welche, wie Plinius, die Gefchichte der Malerei vom technifchen 
Standpunkte aus gefchrieben haben, als der eigentliche Begründer der wirk- 
lichen und des Ruhmes würdigen Malerei hingeftellt wird. 
 Vor allen Dingen müffen wir daran fefthalten, dafs die bisher befprochene 
Malerei, abgefehen von den Theaterdecorationen, einen monumentalen Charakter 
gehabt. Die fchon vor mehreren Jahrzehnten von den franzöfifchen Alter- 
thumsforfchern Letronne und Raoul-Rochette 1) mit Leidenfchaft erörterte 
Streitfrage, ob Polygnotos und die Seinen unmittelbar auf die Wand gemalt 
oder auf Holztafeln, welche in die Wände eingelaffen worden, foll hier nicht 
wieder angeregt werden. Sie fcheint mit dem vorhandenen Material unent- 
fcheidbar zu fein. Jedenfalls aber waren jene Gemälde von Anfang an für die 
Wände beftimmt und trugen dem entfprechend den Charakter von Wandge- 
mälden; jedenfalls können wir daher auch jene Meifter nur als Wandmaler 
im Gegenfatze zu Staffeleiinalern bezeichnen. Nicht, dafs nicht Staffelei- 
maler, wie Polygnotos Bruder Ariitophon, fchon früher exiftirt hätten; aber 
diefe waren eben noch nicht berühmt; ja, fie konnten Wohl noch gar nicht 
berühmt fein, weil jener Mangel rein malerifch technifcher Vorbedingungen, 
der in der grofsen Wandmalerei durch die ftrenge architektonifche Compofition, 
durch den Rhythmus der Gruppirung und felbft durch eine decorativ an- 
fprechende Wirkung der noch halbconventionellen Färbung minder fühlbar 
gemacht wurde, {ich in der Tafelmalerei in feiner ganzen Blöfse darftellen 
mufste. Die Tafelmalerei erheifchte in der That jene. malerifchen Errungen- 
fchaften, die Agatharchos zunächit auch nur decorativ der Bühnenmalerei 
erobert hatte. Apollodoros, von dem wir reden wollen, war nun eben der 
Künftler, welcher diefe Errungenfchaften auf die Tafelmalerei und zugleich auf 
die Figurenmalerei übertrug, und es darf uns daher nicht wundern, das Plinius 
diefem Apollodoros Lobfprüche fpendet, wie, dafs er zuerlt den Schein der 
Wirklichkeit feinen Gemälden verliehen, dafs er der erfte gewefen, welcher 
dem Pinfel zu gerechtem Ruhme verholfen, ja, dafs vor ihm kein Tafelgemälde 
(mbzzla) irgend eines Malers exiilirt habe, welches die Augen zu feffeln ver- 
r. mocht hätte. Apollodoros war der erfte, welcher die Hintergründe feiner Ge- 
mälde einheitlich und mit perfpectivifcher Intention zufammenfchlofs; er war 
der erfte, welcher, wie ausdrücklich berichtet wird, Licht- und Schattenwir- 
kungen und die Vertreibung der Farben in einander durchführte, wodurch er 
den Beinamen Skiagraphos (d. h. Schattenmaler) erhielt. Er wird auch der erfte 
gewefen fein, welcher bei Figurendarftellungen die Urnrifslinie verfchwinden 
liefs und mit dem Pinfel alfo nicht mehr zeichnete und colorirte, fondern wirk- 
artiße, 
Lettres d'un antiquaire ä un 
Lettres archäologiques, 1840. 
1) ff, A. Letroazne: 
Peintures antiques, 1836; 
Paris 
1836- 
1840. 
Raoul Rochelle;
        

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