Volltext: Die Malerei des Alterthums (Bd. 1)

Die 
gricchifche 
und 
nach den Schriftqu ellen. 
römifche Malerei 
der Maler nach Vollendung der Gemälde reich befchenkt entlaffen worden, 
nach den Anderen aber wäre er entflohen, und Alkibiades hätte das Nachfehen 
gehabt. Jedenfalls haben wir uns auch die Zimmermalerei des Agatharchos 
als eine ganz decorative, dem Inhalt wie der Ausführung nach den Bühnen- 
decorationen verwandte zu denken. Dafs er Figuren gemalt habe oder habe 
malen können, erfahren wir nicht.  
Ueber die Art und Weife der Agatharchifchen Darftellungen können wir aäwlfrrlijlxjgllfr 
uns theils nach der Natur der Sache, theils nach den Nachrichten der alten häägreELäl-er 
SchriftPceller wohl eine angemeffene Vorflellung bilden. srümlcv 
Zunächft ift es klar, dafs die gefchloffenen, fcenifchen Hintergrunds-Decora- 
tionen ihren Zweck der Illufion nicht hätten erreichen können, wenn fie nicht 
einigermafsen perfpectivifch aufgefafst gewefen wären. Und in der That be- alsdläliiltlcr 
richten die alten Schriftfteller, dafs Agatharch eine Schrift über die richtige Pcrfpective; 
Darftelltmg der Scenerien hinterlaffen und dafs, durch ihn angeregt, die Philo- 
fophen Demokrit und Anaxagoras zuerft fich ernfthaft mit der Ergründung 
der perfpectivifchen Gefetze befchäftigt haben. Freilich haben wir allen Grund 
anzunehmen, dafs es nur die elementaren Regeln der Perfpective für gerade 
Frontanfichten gewefen, welche auf diefe Weife theoretifch erörtert worden 
fmd, und dafs auch die Praxis des Agatharchos keineswegs in allen c0mpli- 
cirteren Fällen unferem heutigen perfpectivifchen Gefühle genügt haben würde. 
Da aber die Verkürzungen und das Zufarnmenlaufen der Linien bei geraden 
Anfrchten zweifelsohne erreicht waren, fo mufs der Fortfchritt, allen früheren 
Leifttlngen der Orientalen, wie der Griechen, gegenüber, doch ein geradezu 
epochemachender und bahnbrechender gcwefen fein und den in völliger Un- 
kenntnifs der Perfpective aufgcwachfenen Zeitgenoffen des Agatharchos genügt 
haben, um eine bei ihnen bis dahin ungeahnte Illufion durch Flächendar- 
ftellung zu erzeugen 1). 
Ferner iii; es klar, dafs die Gröfse der mit fcenifchen Darßellungen zu alsnißltrfll- 
bedeckenden Flachen fowohl wie der Inhalt diefer Malereien eine breitere, 
malerifchere, von der früheren forgfaltigcn Umrifsmanier grundvcrfchiedene 
Behandlungswcife erheifchten, ja, dafs diefe naturgemäfs oft genug fkizzen- 
hafter Flüchtigkeit verfallen mufste. Und in der That beitätigen die alten 
Schriftquellen auch diefe Erfcheinung durch eine Künftleranekdote, nach 
welcher Agatharchos {ich dem berühmten jüngeren Maler Zeuxis gegenüber, 
den wir noch kennen lernen werden, mit der Schnelligkeit feiner Arbeit 
gebrüftet, der letztere ihm aber eine zurechtweifende Antwort ertheilt habe. 
Sicher können wir annehmen, dafs die KunPc des Agatharchos in jeder 
Beziehung dem Inhalte, dem ÄUrfprunge und der Dariiellungsweife nach einen 
diametralen Gegenfatz zur Kunft des Polygnotos bezeichnete. Der Vergleich 
mufste vom künftlerifchen Standpunkte aus ficher noch zu Ungunften des 
Agatharchos ausfallen; gleichwohl aber lagen in feinen Neuerungen die Keime 
eines gründlichen Umfchwungs der gefammten Malerei. Es mufste nur der 
I) Eine andere Anücht hat der Verfaffer über (liefen Gegenfiand nie gehabt. Das Referat in 
NQ 22 der Gegenwart (1877), als habe der Verfaffer in {einem citirten Werke über die Landfchälfi der 
äälten (liefen auch die allerelemelmtarflelm Kenntniffe der Perfpective abgefprochen, beruht auf einem 
rrthum. 
	        
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