Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei des Alterthums
Person:
Woermann, Karl Woltmann, Alfred
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1229470
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1230418
Vorbemerkungen. 
einem befonderen Abfchnitt vorweg behandelt werden foll, wird zugleich im 
Wefentlichen die Künftlergefchichte und die Gefchichte der grofsen Kunfi, die 
letztere eigentlich nur die Gefchichte gewiffer malerifcher Zweige des Kunft- 
handwerks enthalten; diefe einzelnen Zweige, die in Ermangelung anderen 
Materials an fich doch von höchiier Wichtigkeit für die Gefchichte der alten 
Malerei find, follen in befonderen Kapiteln eines zweiten Abfchnittes nach 
einander behandelt werden. 
Eine Trennung zwifchen griechifcher und römifcher Kunft, die in der Verhältnifs 
Architektur möglich ift, erfcheint dagegen in der Malerei noch unthunlicher, fäiieiiuilil 
als in der Plailik. Nicht, dafs die einheimifch italifchen Elemente nicht in gliiglgfääe" 
manchen Fällen von den eingewanderten griechifchen zu trennen wären, auch 
nicht, dafs eine folche Scheidung, wo fie möglich iil, im Folgenden nicht 
angedeutet werden follte; immerhin können aber in der Künfilergefchichte 
die römifchen Maler nur einen Anhang zu den griechifchen bilden; und was 
die erhaltenen Werke anbetrifft, fo werden fich hier zwar einige vom grie- 
chifchen Einiiufs wenig oder gar nicht berührte Arbeiten ausfcheiden 
laffen, die Mehrzahl der auf italifchen Boden gefundenen Vafenbilder aber 
wird als von griechifchen Händen gearbeitet angefehen werden müffen, und 
die Mehrzahl der römifchen und unteritalifchen Wandgemälde ift unter dem 
offenbaren Einiiufs des Hellenismus zu einer Zeit entftanden, in Welcher die 
römifche Kunft keinen anderen Ehrgeiz kannte, als der griechifchen möglichft 
getreu nachzuarbeiten. Anders, als in der Plafiik, find es in der Malerei gerade 
die auf italifchem Boden gefundenen Werke, nach denen wir uns die vortheil- 
haftefie Vorflellung von der einfiigen Höhe der technifchen Leifiungsfähigkeit 
der Griechen machen können.  
So viel ifl jedenfalls klar, dafs die vollendetiien Meiflerwerke der antiken 
Malerei, um von ihrer geiiiigen Ueberlegenheit ganz abzufehen, auch in den 
technifchen Beziehungen, z.B. in derAnwendung der Luft- und Linienperfpective 
zur Heriiellung eines nach Formen und Farben möglichft richtigen Flächen- 
bildes, nicht hinter den erhaltenen, handwerksmäfsigen römifchen und cam- 
panifchen Wanddecorationen zurückgeblieben fein können. 
In diefer Beziehung mufs fofort bemerkt werden, dafs die griechifch-römifche Verläiämifs 
Malerei allen Leifiungen des Orientes gegenüber ebenfo grundlegend aufge- giägligclgix; 
treten iPc, wie die übrigen Künfte des clafflfchen Alterthums. ja, wir werden alt-Aorien- 
fehen, dafs die Neuerungen, welche die Griechen auf dem Felde der Malerei tamchem 
durchfetzen, noch bedeutender und noch epochemachender lind, als auf dem 
Gebiete der Plaiiik, auf dem fie die Leiflungen der Aegypter und Affyrer 
eigentlich nur geiflig zu verklären und Prilifiifch zu veredeln hatten. In der 
Malerei hat (ich gerade auf griechifchem Boden die grofse Revolution vollzogen, 
welche die F lächendarfiellungen zum erilen Male mit dem Scheine wirklichen 
Lebens ausftattete, und wenn den Griechen auf diefem Gebiete auch noCh 
nicht in allen complicirteren Fällen die bewufste Anwendung aller jener 
Gefetze, die die moderne Malerei kennt, zu Gebote gefianden haben follte, {O 
Würde das ihrem Ruhme, bahnbrechend vorangegangen zu fein, dOCh keinen 
Abbruch thun. Entwick- 
Plötzlich freilich hat {ich diefe Entwicklung der griechifchen Malerei nicht längciägzlg 
VOÜZOgen. Vielmehr können wir diefelbe durch alle ihre Phafen hindurch grfriäilelräten 
s'il
        

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