Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei des Alterthums
Person:
Woermann, Karl Woltmann, Alfred
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1229470
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1234913
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Zweites Buch. 
III. Periode. 
Fünfter 
Abfchnitt. 
Bilder- 
Hand- 
fchrifren. 
Araber auf der Jagd, zu Pferde und zu Fufs, im Kampfe mit Wildfchwein, 
Bär und Löwen; der Chrift überreicht knieend, der Araber aufrecht und flolz 
feiner Schönen die Jagdbeute. Die Mitte jeder Langfeite bildet eine Fontainc, 
von einem wafferfpeienden Hunde gekrönt; ein Herr und eine Dame fchauen 
in das Becken, aus welchem kleine nackte Geftalten auftauchen; vorn dehnt 
fich ein Teich mit Enten und Störchen aus (Fig 140.). Die Nifche rechts ent- 
hält Kämpfe zwifchen Chriflen und Arabern, denen Damen von den Zinnen 
zufchauen, ferner Jagdfcenen, den Kampf eines Ritters gegen einen wilden 
Nlann, der ein Mädchen am Arme packt, und eine reizende Gruppe beim 
Schachfpiel, neben dem Ritter eine Rofenftaude. 
Die Malereien fmd auf zufa1nmengenähten,-mit Gypsgrund beworfenen 
Thierhäuten ausgeführt, auf einem Goldgrunde mit Verzierungen in fchwachem 
Relief, in braunen Contouren und lebhaften, kaum fchattirten Farben. Die 
Zahl der Töne ift klein, diefelben Abftufungen der Farben kehren immer 
Wieder, einer der Araber auf dem erften Bilde hat fogar einen grünen Bart. 
NVie man {ich hier durch die Gegenftände an jene franzöfifchen und deutfchen 
Miniaturen oder Wandbilder erinnert fühlt, deren Stoff aus der ritterlichen 
Dichtung gefchöpft ift, fo unterfcheidet fich auch die Zeichnung der Geftalten 
in ihrer weichen Eleganz und Anmuth wenig vom abendländifchen Stile um die 
Mitte des I4. Jahrhunderts; auch nach den Coftümen müffen die Bilder diefer 
Zeit angehören, in Welche zugleich die Erneuerung der Alhambra unter Juffuf I, 
im Jahre 1348 fällt. 
Würde nun auf Grund der Figuren die Annahme möglich fein, dafs hier 
vielleicht chriPrliche, etwa franzöiifche Künftler im Dienfte der arabifchen 
Fürften gearbeitet, fo widerfpricht dem doch eine andere Eigenthümlichkeit 
diefer Malereien: die überrafchende Naturpoefie der Auffaffung, die liebevolle 
Schilderung des Beiwerkes, das fcharfe, forgfame Fefihalten aller Einzelheiten 
der Natur, der Häschen und kleineren Thiere am Boden, der Vögel auf den 
Zweigen, der Datteln und Cypreffen, mögen fie auch noch nicht ganz über 
das Conventionelle hinausgehoben, und mag auch die Perfpective nur höchft 
unvollkommen fein.   
Dafs die Alhambrabilder in der Kunft der Völker des Islam nicht ver- 
einzelt daftehen, zeigen dann die Handfchriften mit Bildern arabifchen, 
perfifchen und türkifchen Urfprungs. An Denkmälern diefer Art feit dem 
I4. Jahrhundert ift namentlich die Wiener Hofbibliothek reich 1)] Die arabifche 
Handfchrift der _Makamen des Hariri2), datirt vom 22. Radfcheb 734, 
alfo vom 29. März 1334 unferer Zeitrechnung, läfst auf Bekanntfchaft mit 
fpätbyzantinifchen Miniaturen fchliefsen. Am Eingange thront feierlich der 
Dichter, über deffen Haupte zwei geflügelte Geftalten eine blaue Binde halten, 
und zu deffen Füfsen noch fieben muficirende, gaukelnde oder Becher haltende 
Figuren zu fehen fmd. Das Bild ift in Gouachefarben auf goldenem Grunde 
1) Die Kenntnifs des Verfaffers laefchräimkt {ich auf einige der dortigen, fchon von Waagezz ge- 
würdigten Codices. 
2) Cod. orient. A. F 9 (709).  Katalog von Flüge! Nr. 372.  Bei P11]? d'Avmnes.' Uan 
arabe (Papräs les monuments du Kaire, Atlas III pl. 177-180, Proben aus einem Hariri des 13. jahr- 
hunderts zu Paris, in Beiitz von Herrn Schcfer.
        

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