Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei des Alterthums
Person:
Woermann, Karl Woltmann, Alfred
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1229470
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1234885
"ÜNFTER 
ABSCHNITT. 
Die 
Völker 
des 
Islam. 
 g ie Kunft des Orients ift überwiegend ornamental, auch da wo fie die- Orllnlüüh- 
felben Zweige der Technik verwendet, deren fich die Malerei der ti-iihifliifg" 
i";  chriftlichen Völker bedient. Freilich gehen auch diefe in der Wand- 
malerei, im Teppich, im Glasbilde von der Flächendecoration aus, aber ihre 
weitere Kunflentwickelung fuhrt fie zu einer über das Ornamentale empor- 
gehobenen bildlichen Darftellung, bei welcher, mag fie auch in der Fläche 
gehalten fein, doch der Flächencharakter aufgehoben ift. Der Orient dagegen 
bleibt bei der reinen Flächendecoration ftehen und die Farbe, für die eigent- 
liche Malerei nur das Mittel, ift für ihn Selbfizweck. Im Ornamentalen liegt 
die Bedeutung der orientalifchen Kunfl, aber über die Grenze deffelben geht 
auch das Kunftbedürfnifs diefer Völker nicht hinaus. Yerbotbildi 
Der Ausdruck diefes Kunftgefühles, nicht etwa feine Urfache, war die lufiletllurlfjgzlr- 
Mifsbilligung der bildlichen Darflellung durch den Propheten. Ein eigentliches 
religiöfes Verbot derfelben im Koran exiftirt nicht; nur die Stelle in der 
fünften Sure könnte man hier heranziehen: nO ihr Gläubigen, führwahr Wein, 
Spie], Bildfäulen und Looswerfen lind verabfcheuungswürdigu Sie wendet {ich 
aber zunächft gegen den Götzendienft und verfteht unter Bildfaulen nur 
plaflifche Werke. Erfl die Ueberlieferung der mündlichen Aeufserungen des 
Propheten enthält die Stelle: nWehe dem, der ein lebendes Wefen malt! Am 
Tage des Gerichtes werden die, welche er dargeiiellt hat, aus dem Grabe 
auffieigen und ihre Seele von ihm fordern. Dann wird er, unfähig fein Werk 
zu beleben, in den ewigen Flammen brennen 1).u 
Als die Stämme der Wüfte, von denen die grofse religiöfe Bewegung unter Anfchlufsfzn 
den Arabern ausgegangen war, die Länder der antiken Cultur, Syrien, Aegypten, riiiiäakiiäii. 
Sicilien, Spanien, eroberten, nahmen fie die künfllerifchen Fertigkeiten, die fie 
bei den Bewohnern vorfanden, in ihren Dienft. Als ein Beifpiel davon haben 
wir früher 2) die Mofaiken der Mofchee Qoubet-es-Sakrah zu Jerufalem 
I) A. Fr. von Srkzzzk: Poefxe und Kunß: der Araber in Spanien und Sicilienm, 2 Bde. Berlin 1865. 
Anzeige diefes Werkes von Yamö Falke in der Zeitfchrift für bildende KunPc I, S. 37. 
z) S. 176. 
        

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