Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei des Alterthums
Person:
Woermann, Karl Woltmann, Alfred
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1229470
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1234736
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Buch. 
Zweites 
Periode. 
Vierter Abfchnilt. 
bezahlt. In der Legende diefes Pifanifchen Heiligen fuchten die beiden Maler, 
die von alter Energie und Gröfse wenig mehr aufweifen, den Ton behaglicher 
Erzählung anzufchlagen. Aus heiterem Weltleben, aus dem Reigen fchöner 
Mädchen wird der Jüngling durch eine ernfte Mahnung abgerufen, in einem 
Kloiter thut er Bufse, Chriftus erfcheint ihm und gibt ihm das Geficht wieder, 
das er durch heftiges Weinen über feine Sünden verloren. Auf einer Handels- 
reife über Meer kommt ihm der Gedanke, die Welt zu verlaffen. Er befiegt 
die Anfechtungen des Teufels und den Grimm wilder Thiere, hat die Er- 
fcheinungen der Madonna und der Verklärung Chrifti auf Tabor, fpeift die 
Armen, ohne dafs das Brod fich mindert. Hier endigt Andrea's Arbeit. An- 
tonio Veneziano, von deffen Bildern nur das erfte einigermaßen erhalten ift, 
läfst dann fehen, wie Rainer zu Schiffe heimkehrt, das Waffer von dem Weine 
fcheidet, indem er fich denfelben von dem betrügerifchen Wirthe auf fein Ge- 
wand giefsen läfst, ferner an der Tafel der Canonici von Pifa fitzt. Dann 
folgen fein Tod, feine Beifetzung im Dome, die Wunder nach feinem Tode: 
Heilungen von Kranken, Aufhören eines Seefturmes bei Anrufung des Heiligen. 
Beide Meifter haben viel Verwandtes; auch die reiche Ausbildung der Archi- 
tektur, die fich fiattlich in den Hindergründen aufbaut, ift bei ihnen eine ähn- 
liche; Antonio läfst auch die bekannten Bauwerke von Pifa felbft, Dom, 
fchiefen Thurm und Baptifterium, in ziemlich correeter Wiedergabe fehen. An- 
drea zeigt vielleicht noch mehr Anmuth, namentlich in den Frauengeftalten 
des erften Bildes, und erfcheint noch tiefer und fatter in der Farbe; fein 
Nachfolger ift mitunter faft noch draftifcher, aber nicht frei von Oberfläch- 
lichkeit in der Durchbildung der Körperformen wie der Gewandung. 
Spinellg Die fechs folgenden Bilder aus der Legende der Heiligen Ephyfius und 
Afetlm" Hippolyt, von denen nur noch die drei oberen einigermafsen kenntlich fmd, 
wurden 1392 von Spinelb Aretzäzo ausgeführt, auf den wir noch zurück- 
kommen, und fmd höehft flüchtige Producte. Dann reihen fich fechs Bilder 
 aus der Gefchichte des Hiob an, die bei Vafari unter Giottds Namen gehen, 
dlgralräclfäffa. aber 1370- 1372 von Frarzcesco du Voltarra gemalt Wurden, ganz lebendig compo- 
Sxggcggäwgf nirt und namentlich wegen gut beobachteter Thiere fowie reicher Berg- und 
Stadtanfichten in den Hintergründen beachtenswerthl). Aufserdem gehören 
unferer Periode noch drei Bilder aus der Genefis in der oberen Reihe am 
WePcende der Nordwand an, nach Vafari von ßzgßzzlazzrzrro, nach urkundlichem 
igelrggiäie Ausweife von Hblro a7 Hzcrzb aus Orvieto im Jahre 1391 ausgeführt. Vorher 
Genefisl geht ein viertes Bild, der Schöpfer, eine grofse Scheibe mit den Weltkreifen 
haltend, die feine Gefialt ganz verdeckt, während unten St. Auguftin und 
Thomas von Aquino als Halbfiguren zu fehen fmd; dann folgt die Erzählung 
von Adam und Eva, Abel und Kain und der Anfang der Noah-Gefchichte 
mit grofser Häufung der Einzelfcenen und fchwacher, im Nackten weichlicher 
Zeichnung, aber von technifchem Gefchick in der Ausführung. 
Die Mehrzahl der Maler, die im Campo Santo gearbeitet haben, zählt 
alfo zu den fpäteren Ausläufern der GiottoTchen Schule, und bedeutendere 
Künfilercharaktere fxnd wenigftens unter denen, die wir mit Namen kennen, 
nicht zu Hnden. In diefer Generation überwiegen die gefchiekten, routinirten 
Das 
He rrn 
dem 
zwifchen 
Zwiegefp räch 
Satan bei 
und 
Fiirßevg 
Den km. 
Taf.
        

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