Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei des Alterthums
Person:
Woermann, Karl Woltmann, Alfred
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1229470
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1234709
Das fpäte Mittelalter. 
Italien. 
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bemerkt, dafs er im Campo Santo gemalt habe. Wir müffen dahingefiellt 
fein laffen, ob jene Angabe richtig iit. jedenfalls gehören auch diefe Bilder 
fchon einem fpäteren Nachfolger der Giottdfchen Schule an. 
Ungleich wichtiger find die Bilder, die (ich nun zunächft an der Südwand Südwand. 
anfchliefsen: Der Triumph des Todes und das Jüngite Gericht. Ueber ihren dTriun-iphä 
Meifter fehlt es wieder an zuverläffiger Kunde, nur dafs es Orcagna nicht ift, es um" 
dem fie Vafari beimifst, geht aus deffen echten Werken hervor, die feinen künft- 
lcrifchen Charakter hinreichend feftfiellen  Auf dem erfien Bilde (Fig. 136) 2) 
enthält die Partie links die Gefchichte von den drei Todten und drei Lebenden, 
aber in neuer, eigenthümlicher Auffaffung. Durch eine Felfenfchlucht kommt 
ein ftattlicher jagdzug, drei Könige mit ihrem Gefolge zulFufse und zu Rofs; 
da Prutzen plötzlich die Thiere, die Reiter entfetzen fich, wenden das Haupt, 
halten fich die Nafen zu, denn auf dem Wege vor ihnen ftehen drei offene 
Särge mit verweften, von Schlangen urnwunderlen Leichen, an denen zum 
Theil noch königliche Infignien kenntlich fmd, und von den Felfen kommt 
eben ein greifer Einfiedler herabgeftiegen, um feine Mahnungen über die 
Eitelkeit alles Irdifchen an die Mächtigen und Vornehmen zu richten. Darüber, 
auf einer Höhe mit Fruchtbäumen und Thieren, weilen feine Gefährten vor 
ihrer Klaufe, Ptill lefend, die Hirfchkuh rnelkend, fich des Friedens der Natur 
freuend, fo dafs alfo auch hier, wie in der Spanifchen Capelle zu Florenz, 
nach der Dominicaner-Scholaftik die vita centemplativa, das befchauliche 
Leben in Gott, der vita activa, dem weltlichen Leben, gegenübergeftellt iPr 3). 
Ebenfo kommt diefe Dominicanermoral in der Darftellung rechts zur 
Erfcheinung, die nur durch die Felfen der Landfchaft von der vorigen 
Scene gefondert ift. Der Tod (la morte), ein gewaltiges Weib mit Fleder- 
mausflügeln, fauPc mit der Senfe einher. Die Unholdin hat eine grofse Ernte 
gehalten, unter ihr liegen die Leichen zu Hauf, Männer und Frauen, Krieger,_ 
Bürger, Mönche, Papft, Bifchof, König; nur an den Krüppeln und Elenden, 
die fie vergebens um Erlöfung anflehen, iPc fie vorbeigeftürmt. Aus den 
Mündern der Todten entfliegen ihre Seelen als Kiindergeftalten, werden aber 
gleich von Teufeln, fratzenhaften Ungeheuern, ergriffen, fortgezerrt und in die 
Schlünde feuerfpeiender Berge geworfen; nur ausnahmsweife kann fich einmal 
ein Engel einer Seele bemächtigen. Ueber den Todten wird die l-lauptinfchrift 
in italienifchen Verfen von zwei nackten Genien gehalten; wenn man will von 
Engeln, diefe würden dann zu den erften Beifpielen jener nackten Kinder- 
engel gehören, in welchen bald die Renaiffance die antiken Eroten wiederauf- 
leben liefs. Dem Weltleben, das zu den Schrecken des Todes und meift 
I) Cwwß und Clwllöüßllß [Frechen fle dem Pielra di Loranzo wegen Üelaereixlflilnnxmlng mit 
dem 11591191611 Bilde, dem Leben der Einnedler, Zu. Aber dann müfstc diefes vor allem als Pietrcfs 
Werk geücherl fein, was nicht der Fall ifi. Jllilaazeß, Vafal-i, I, 468, W111 Bgynardo Daddi als Meifler 
anfehen. Seine Quelle iß ein anonymes lllnnufcript in der Bibl. Magliabechiana mit COÜCCÜHECH über 
Kunß; (Cod. Gaddiani, C1. XVIL NT- 17), WC CS B1. 48 verso heißt; wßernardo fu cliscepolo di Giotto 
et operö assai in Firenze et in altri luoghi. In Pifa dipinfe la. chiesa di S. Paolo a Ripil CVAIDO 61 
in Campo Snnto 10 Infernoß Der Verglach mit Bernardds Reifen Wandbilderxm in S. Croce zeigt, 
dafs dies unmöglich iß. Vgl. Oben S- 441-  
z) Aufscr bei Lnjizzio auch bei E. Fiirßßr, Denkm. I, Taf 29_3;_ 
3) Vgl. Ifaltnerx fchon citirtelm Auffatz Zeilfchrift für 151d Kunß XIII, S_ SL
        

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