Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei des Alterthums
Person:
Woermann, Karl Woltmann, Alfred
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1229470
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1234569
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Zweites Buch. 
Periode. 
Abfchnitt. 
Vierter 
den Gegenfiänden nach Ghibertfs und Vafari's Berichten Notiz zu nehmen. 
S0 foll Giofto im Saale des Palazzo del Podefiä in Florenz die Beraubung des 
Gemeinwefens dargefiellt haben, wobei die Commune als Richter mit dem 
Scepter perfonificirt war und zwifchen den vier Cardinaltugenden thronte. 
Tzzdrleo Grzddz" malte in der Mercanzia vecchia, dem Handelsamte, das Tribunal, 
aus fechs Männern beftehend, und vor diefem die Wahrheit, die der Lüge 
die Zunge ausreifst. Und als im Jahre 1343 Walther von Brienne, Herzog 
von Athen, der fich in Florenz unter neapolitanifchcm Schutze zum Tyrannen 
aufgeworfen, vom Volke verjagt worden war, wurde ein hierauf bezügliclies 
allegorifches Bild im Palazzo del Podefiä gemalt, das Vafari feinem fabel- 
haften Gioiiino zufchreibt. 1) 
Die 
Schule 
von 
Siena. 
Wie zur Zeit Gäzzrzbzmlv, fo behauptet fich auch feit Gioiio Siena neben 
Florenz. vZwei ausgezeichnete und treflliche Maler kenne ich, den Gioito von 
51131321? Florenz, deffen Ruhm unter den Neueren aufserordentlich ift, und den Smzwz 
von 52mm, {agt Petrarca in einem Briefe; in drei Sonetten feiert er Simone 
wegen feines Bildes der Madonna Laura und nennt ihn einen befferen ,Meiftcr 
und von höherem Geiiie als Zeuxis, Praxiteles und Phidiasfl) In der That 
verdient der gröfste Maler der Senefifchen Schule im I4.]ahrhundert bald nebui 
Giotto einen Platz. [Nach Vafari müfste Simone Martini 1284 geboren fein; 
nach dem Nekrologe von S. Domenico in Siena fiarb er zu Avignon im juli 
1344. Vafari nennt ihn irrthümlich Simone Memmi, weil er feinen Schwager 
Lzfpo jlfmlznzi, der mitunter mit ihm zufammen arbeitete, für feinen Bruder 
hielt. Simone hatte aber auch einen Bruder, der an feinen Arbeiten theil- 
nahm: Damzlo. Auch darin irrt Vafari, dafs er ihn zu einem Schüler Giotto's 
macht. In Simone zeigt frch vielmehr die volle Unabhängigkeit der fene- 
fifchen Malerei. Sein Hauptwerk in Siena ift das grofse Wandbild, das im 
Plzilglliiz Rathfaa1e_ des Palazzo Pubblico eine ganze Wand füllt:3),die Madonna mit 
Siwa- i Engeln und Heiligen, nach Infchrift im Jahre 1315 von feiner Hand vollendet 
(Fig. 132). Sie fitzt in fliller Feierlichkeit auf dem Throne, das bekleidete, 
fegnende Chriftuskind im Schofse, deffen Füfschen fie leife mit der Hand berührt. 
Dreifsig Heilige und Engel umgeben Iie in fymmetrifchen Gruppen, die vorderften, 
zwei Engel, die Blumenkörbe emporreichen, und vier Schutzpatrone der Stadt 
Siena, knieend, die übrigen ftehend, wobei Petrus, Paulus und die beiden jo- 
hannes die vorderen Stangen des Baldachins halten, der alle befchirmt. 
Medaillons und Bruftbilder fchmücken den Rahmen. Die Compofition ift fym- 
metrifch aber einfach; nur durch das Knieen der vorderen Reihen kommt die 
I) Ein Bild gleichen Inhaltes an anderer Stelle, in der jetzigen Accarleznia Filarmonica. (Via. Llel 
Diluvio), von dem noch Rette übrig {indibefchreiben Crowe und Czwalcafelle. Die heilige Anna, an 
deren Tage die Vertreibung erfolgte, thront in der Mitte, zeigt auf den Palazzo Vecchio und übergibt 
den vor ihr knieenden Vertretern der Stadt das Banner; rechts fleht der leere Herzogftuhl. und oben 
fchwebt eine Geftalt mit Säule und Pfeil, vor iwelcher der Abenteurer, ein Ungethüm in den Armen 
und auf die Infignien der Gerechtigkeit trelend, entßielit. 
2) Epift. famil. lib. V, I7; Sonetti 57, 58, 100. 
3) E. Fö Vier, Denkmale, Taf. 47, 43.
        

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