Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei des Alterthums
Person:
Woermann, Karl Woltmann, Alfred
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1229470
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1234520
446 
Zweites Buch. 
Periode. 
Abfchnitt. 
Vierter 
trotz forgfamer Feinheit doch flacher und kleinlicher als bei Orcagna (Fig. 130). 
Ein" anderes, 1345 für diefelbe Kirche vollendetes Altarwerk zeigt in der Mittel- 
tafel, jetzt in der Akademie zu Pifa, den ltehenden St. Dominicus und auf 
den Flügeln, in der Bibliothek des Seminars dafelblt, acht Scenen aus feiner 
Legende.  
Lmbzgßßarärfter Neben den Schöpfungen, deren Meilter bekannt und zum Theil fogar 
lllsißer- urkundlich gelichert lind, liehen aber noch manche namenlofe Arbeiten der 
Zeit, über welche die Quellenfchriften wenn auch nicht fchweigen, fo doch 
unverkennbar Falfches berichten. Wir llIlCl im Stande mit Beltimmtheit aus- 
zufprechen, dafs diefe oder jene Arbeit nicht von dem Meilter fein kann, dem 
Vafari fie zulchreibt, aber die Ermittelung des wirklichen Meillers ilt oft lchwer 
erreichbar, wenn man fubjectiven Eindrücken nicht zuviel Spielraum ge- 
währen will. 
Rgrecccgäiiim, Hierher gehört die Weltwand des Refectoriums zu S. Croce in Florenz. 
  In dem Hauptfelde lieht man Chriltus am Kreuze, das zugleich als Lebens- 
baum mit Prophetenbildern und Schriftltellen dargeltellt iit, in vier Seiten- 
feldern legendarifche Scenen, in einer unteren Abtheilung das Abendmahl, bei 
welchem die Apoltel auf Einer Langfeite des Tifches dem Befchauer gegen- 
überlitzen und der fchlichte, aber intenfive Ausdruck der Köpfe bemerkens- 
werth ilt1). Trotz der Vorzüge des Bildes ilt hier von Giotto keine Rede, 
dem es Vafari zufchrieb, fondern wir haben nur die Arbeit eines viel fpäteren, 
tüchtigen aber nicht fonderlich eigenthümlichen Nachfolgers. 
Sßlfägfgfe Weit bedeutender find die berühmten Wandbilder der Spanifchen 
Capelle, des ehemaligen Capitelfaales von S. Maria Novella, die Vafari 
zwifchen Taddeo Gaddi und Szänonr jlfarizäzz" aus Siena vertheilt. Mit den 
Arbeiten des erlteren ill keine politive, fchlagende Uebereinltimmung da, und 
in noch llärkerem Mafse gilt dies von dem letzteren, deffen Theilnahme ferner 
fchon chronologifch dadurch ausgefchloffen ilt, dal's er 1344 ltarb und bereits 
1339 Italien verlalfen hatte, während die Malereien im Jahre 1355, bei dem 
Tode des Stifters Buonamico Guidalotti, noch nicht vollendet waren 2). Die 
Bilder lind allerdings in der Ausführung nicht durchgängig von Einer Hand, 
aber in Geilt und Conception eine einheitliche Schöpfung. Bleibt nun 
auch die Frage nach den Künltlern noch ungelölt, fo ilt doch die Prüfung 
der Compofitionen felblt und des Geilles, der lie infpirirt hau-ungleich 
wichtiger.  
Dßmlinißffvcr- Der Einllufs der beiden Bettelorden, jener gewaltigen Werkzeuge, welche 
m. der, römifchen Kirche im I3. Jahrhundert erltanden waren, ili; auch kunllge- 
fchichtlich bedeutend. Wie die Klolterkirche in Affili und in Florenz die 
Kirche S. Croce die Hauptltätten einer vom Franciscanerthum beeinflufsten 
I) Gefi. von Laßnio, von [Cujrlzzzvrylz und bei [Cofiazi Taf. 7. 
2) V. Jlfarclzeß: Memorie dei pittori scultori e architetti Domenicani, 12. Ausg. I, 124.  Vgl, 
Szhmzafe, VII. S. 446. Sclznaafe fchreibt die Bilder, welche Vafari dem Taddeo beimifst, fowie 
diejenigen an der Eingangswand einem jüngeren Künftler der Giottdfchen Schule, die übrigen einem 
Sienefen zu. Crowe und Cavulcajlellß halten für möglich, (lafs die Compofitionen von Tnddeo feieu, 
erkennen aber feine Hand nicht in der Ausführung, fondern denken an ßinzlrza diFirevzze und Anlanio 
Veneziann, die im Campo Santo zu Pifa. gemalt haben (vgl. unten). Aber dies ifi nur ein fubjectives 
Urtheil. 
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.