Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei des Alterthums
Person:
Woermann, Karl Woltmann, Alfred
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1229470
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1234283
Giotto. 
nES glaubte Cimabxlc bisher im Malen 
Das Feld zu halten, aber Giottds Ruhm 
Sieht man den {einigen jetzt überftrahlena. 
In diefen Worten {teilte Dante 1) das Urtheil der Zeitgenoffen über Giotto 
Bigäggixi feft, der als der gröfste Künftlergeift des damaligen Italien erfcheint. Gzbtfa 
fßhcs- dz Bondone war zu del Colle, einem Dorfe in der Gemeinde Vespignano bei 
Florenz geboren, nach Vafari 1276, wahrfcheinlich aber fchon 1266 2). Er 
machte die Schule Cimabue's durch und wirkte als Maler und Architekt nicht 
nur in Florenz, fondern an verfchiedenen Orten Italiens, in Freiftädten wie an 
Füritenhöfen, namentlich zunächit in Affifi, dann um 1298 bis 1300 in Rom, 
um 1303-1306 in Padua, ferner in Rimini und in den Jahren 1330-1333 zu 
Neapel im Dienfte des Königs Rob ert, der ihm am 20. Januar 1330 die Ehren 
und Privilegien eines königlichen Familiaris verliehen hatte 3). Am 12. April 1334 
wurde er von den ftädtifchen Behörden in Florenz zum Meifler und Bau- 
pfleger des Domes, der Stadtbefeftigungen und aller öffentlichen Bauunter- 
nehmungen durch ein Document ernannt, deffen Wortlaut die wärmite Huldigung 
für den vgrofsen und theuern Meifteru bildetl). Er ftarb am 8. Januar 1337. 
q halte Nicht blofs der Künitler, fondern auch der ganze Mann hatte fich dem 
"C azungnBewufstfein der Zeitgenoffen eingeprägt. Ausser Dante pries ihn auch 
Petrarca, in den Novellen von Boccaccio und Franco Sacchetti fpielt er 
mehrmals als allbekannte Charakterfigur, unanfehnlich, felbft häfslich, aber voll 
Witz und Schlagfertigkeit, eine Rolle; Anekdoten und Sagen heften fich an 
ihn, und die Chroniften, fchon vor 1312 Ricobaldo, dann Villani, gedenken 
feiner auf das ehrenvollfte-i). 
Arqn, Am Anfange feiner künitlerifchen Laufbahn ftehen die 28 Gemälde in der 
Oberlmche" Oberkirche zu Affifi, die {ich unterhalb der Fenfter und des Bildercyclus von 
Cznzzzözze hinziehen. Vafari macht als Urheber von Giotto's Berufung den 
Franciscanergeneral Fra Giovanni di Muro della Marca namhaft, der 
im Jahre 1296 zu diefer Würde erwählt wurde. Neben die von altersher ge- 
heiligten Erzählungen der Genefis und des Evangeliums, die Cimabue dafelbft 
Fmnciscus- gemalt hatte, tritt hier die Legende des neueren Heiligen Franz von Affifi, 
LQWM die von nun an ein oft wiederkehrender Gegenftand für die Kunft wurde. 
Auf die erften Bilder aus der Jugendgefchichte, Scenen des Wohlthuens und 
I) Purgatorio XI, 93.  
2) Nach Antania Puca": centiloquio in den Delizie degli Eruditi Toscani, VI. S. 119; vgl. Ilfilrmqßiv 
Vafari I, S. 370 Anm. Der Name des Vaters, Bondone, den Rzunolzr bezweifelte, ift durch die fpiiter 
erwähnte Urkunde von 1334 feßgeßellt. Neben der S. 412 erwähnten Literatur, aus der befonders 
Szlmaaßir mufierhafte Darfiellung hervorzuheben, iß; noch E. Dabbert in Dalimeär Kunfl: u. Künßler, 
Leipzig 1877, zu nennen. 
3) Sclzzelz a. a. O. IV. S. 163 Nr. CDVI.  
4) Gaye, I, S. 481. 
5) Rz'co6aldz' Ferrarienßs sive alterius anorxymi scriptoris compilatio chronologica usque ad zmnum 
MCCCXII producta. Zllzzratori SS. IX, 255: ZotuS pictor eximius Florentinus agnoscitur; qualis in 
arte fuerit testantur opera. facta per eum in Eccleüis Minorum Assisii, Arimini, Paduae ac per ea quae 
pinxit in Palatio Comitis Paduac et in Ecclefla Arenae Paduae.  Villani, Cronica, lib. XI, cap. I2.
        

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