Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei des Alterthums
Person:
Woermann, Karl Woltmann, Alfred
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1229470
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1234269
420 
Buch. 
Zweites 
Periode. 
Vierter Abfchnitt. 
S hläon],  In S. Maria in Traltevere ziehen fich unter der früher (S. 328) gefchilderten 
Trafäzxilärdf] Halbkuppel der Tribuna fechs Scenen aus dem Marienleben entlang, und 
etwas tiefer fchliefst ein Bild unter dem Mittelfenfter der Apfis diefen Cyclus; 
ein Rund mit Maria und dem Kinde, unten Petrus und Paulus, von denen 
erflerer den Stifter Bertholdus Stefaneschi empfiehlt, wahrfcheinlich 1291 
Cfviälrlrigi. vollendet. Ghiberti's und Vafarfs Angabe, dal's Pzkfro Cavallini der Meilter 
fei, wird durch ein P im Rahmen des letzten Bildes beftätigt 1). Sonft ift alles 
irrig, was Vafari über diefen Meilter berichtet; er weilt dem Pietro kunftge- 
fchichtlich eine ganz falfche Stellung an, indem er ihn zu einem Nachfolger 
Giollrfs macht, aber auch der neueren Auffaffung, die ihn als einen Schüler 
der Cosmaten anfieht, fehlt es an ernlter Grundlage 2). Der Schöpferdiefer 
Bilder war wirklich Maler, nicht überwiegend Marmorarbeiter und Ornamentilt; 
er ging von der älteren byzantinifchen Richtung aus, gelangte aber zu einer 
gewiffen Veredlung der Typen, der Motive und der Compolition. Was wir 
fonlt von Pietro Cavallini wiffen, befchränkt {ich darauf, dafs er im Jahre 1308 
in königlichem Dienfte zu Neapel war, wo aber jede Spur feines Wirkens ver- 
fchwunden ift 3). 
rlacopp Zugleich fchuf in Rom ein Mofaicift von unbekannter Herkunft: filacobzzs 
mm" Torriii, der, laut Infchrift, unter Paplt Nicolaus IV. (1288-1292) die Apfiden 
Lljrarärääs- der Lateransbafilika und der Kirche S. Maria Maggiore decorirte. In 
 die erfle ift ein Rund mit dem Brultbilde Chrifti eingelaffen, das aus einer 
älteren Mofaik herübergenommen worden; darunter ift das Kreuz auf einem 
Hügel mit den Paradiefesflüffen, aus denen Thiere trinken, zu fehen, feitwärts 
find acht Heilige und die kleine Figur des Papltes dargeftellt. Unten fchliefsen- 
fich andere, im Stile etwas alterthümlichere Mofaiken an, mehrere Apoftel- 
geftalten neben den Fenftern, zu ihren Füfsen zwei Franciscanermönche, der 
eine mit dem Cirkel und dem Winkelmafse des Baumeilters, der andere mit 
Jäcarillnärsiniie einem Hammer und einer Infchrift, die ihn als Bruder Yarobzzs de Canzerino, 
 Genoffen des Werkmeifters, bezeichnet, fo dal's auch diefe Arbeiten wohl in 
die Zeit des Reftaurationsbaues der Kirche unter Nicolaus IV. fallen 4). 
S.M:;ria Bei befferer Erhaltung läfst die Mofaik in Santa Maria Maggiore, nach 
Maagällfiril der Infchrift erlt 1295 vollendet, Torriti's Stil noch deutlicher erkennen. Das 
mittlere Rund zeigt die Krönung Marias durch Chrillus, der neben ihr thront 5). 
jederfeits lind zwei Engelgruppen und dann je drei Heilige zu fehen, vor 
denen, kleiner, Nicolaus IV. und Cardinal Giacomo Colonna als Stifter 
knien. Der untere Streifen an der Apfiswand enthält fünf Scenen aus der 
Marienlegende und am Bogen beiderfeits Matthäus und Hieronymus. Vorzugs- 
I) De Kossi, Musaici cristiani. Noch 1640 waren fogar Refie der Infchrift: nHoc opus fecit Petrusu 
vorhanden. Der Stifter lebte Ende des I3. und Anfang des I4. Jahrhundert. Barbar du 70191 a. a. 
O. S. 127 las die nicht mehr vorhandene Iahrzahl MCCLCI, offenbar entßellt aus MCCXCI. 
2) Crawe und Cawzlcafelle, I. S. 90 ff, nach dßlla ValleÄr Vorgang. 
3) Schulz, a. a. O, III. S. 76, IV. S. 127, Nr. CCCXXXIV. 
4) Die Mofaiken der Lateransbaülika fmd jetzt zum Zwecke der Rcilauration entfernt. Copien 
in grofsen farbigen Cartons fmd im ChrifFichen Mnfeum des Lateran zu fehen.  G1ue1zjblzn u. Ähapp 
Taf. 46.  Ag. Wzientini und F. Gerzzrdi: La patriarcale basilica Lateranenfe, Roma 1333 II. Taf. 30. 
5) Gutelgfolzvz u. 15111151) T0146.  Ag. Vlllrfnlini! La patriarcale bniilica Liberiann, Roms. 1839. 
Taf. 55.
        

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