Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei des Alterthums
Person:
Woermann, Karl Woltmann, Alfred
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1229470
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1234176
Mittel 
Italien 
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wurde diefe Periode furchtbarer politifcher Zerrüttung doch eine Zeit des Auf- 
fchwunges in dem Culturleben des Volkes.  
Damals, als die Volksfprache {ich über die Dialekte hinaus erhob und ihre Auffchyvrmg 
eigene Litteratur begründete, als Dante den Kämpfen, Gefinnungen und Vor- deiäggigät" 
ftellungen feiner Zeit grofsartigen Ausdruck verlieh, Petrarca, als Gelehrter 
noch gröfser denn als Dichter, an der Spitze derjenigen ftand, welche die 
Menfchhcit zu den Quellen antiker Bildung zurückführten, als die Pflege der 
Wiffenfchaft an den italienifchen Univerfitäten ihre Heimftätte fand, begann 
auch ein neues, felbltändiges Leben in der bildenden Kunft, die von nun an 
ganz vom Volksgeifte getragen wurde. Es wurzelte nicht in allen Theilen Boden der 
des Landes. Süditalien, das fchlaff unter dem Fufse der franzöflfchen Ufur- Kunm 
patoren lag, nahm nicht mehr felbftändig an der Kunftentwicklung Theil; nur Der Süden. 
in der Zeit des kuniiliebenden Königs Robert entftanden hier manche be- 
deutende Leiftungen durch herberufene Künfiler aus fernen Gegenden. In Rom Rom. 
wurde in der Zeit Bonifacius, VIII. die Kunft gepüegt; waren die einheimifchen 
Kräfte nicht zahlreich, fo wurden Meifter erfien Ranges aus anderen Orten 
herangezogen, und noch einmal fchien die ewige Stadt ein Centralpunkt italie- 
nifchen Lebens werden zu follen; bald darauf fank {ie aber, vom Papftthum 
verlaffen, wieder in gänzliche Zerrüttung zurück. Die wahre I-Ieimath der 
Kunft waren die mittelitalienifchen, befonders toscanifchen Freiftaaten, in erfter Toscnua. 
Linie Florenz, demnächft Siena, neben denen aber auch kleinere Städte {ich 
kräftig regten. Trotz der. Parteikämpfe hatte ein glänzender materieller Auf-  
fchwung begonnen. Sorgfältige Verwaltung und geordnetes Steuerwefen 
gewährten die Mittel für die Kunftförderung, zu welcher der glühende ftädtifche 
Patriotismus begeifterte. Der niedere Bürgerftand hatte flCh emporgearbeitet, 
Gewerbe und Bankgefchäfte blühten, dem Wohlftailde entfprach eine ge- 
fteigerte Ueppigkeit in Tracht und Sitte, zugleich aber auch der edelfte künft- 
lerifche Sinn, der durch alle Kreife der Bürgerfchaft drang. Demnächft waren 
die Städte Norditaliens ein günftiger Boden für die Kunft. Mochten hier auch, Oberitaliexl. 
wie in Verona und Padua, die Parteikämpfe zur Unterwerfung unter einen 
kriegserprobten Herrn geführt haben, fo förderte doch diefer meiftens fchon 
aus eigenem Intereffe das Gedeihen der Bürgerfchaft, und der {tädtifche 
Patriotismus trug auch, als er politifch ohnmächtig geworden, noch immer 
in idealer Hinficht feine Frucht. 
War nun aber auch die italienifche Malerei vorzugsweife an einzelne Sitze 
geknüpft, fo redete fie doch eine dem ganzen Volke verftändliche Sprache, 
die der Verkehr der Landfchaften und Städte unter {ich fowie das Wandern 
der Künftler in die verfchiedenften Theile Italiens trugen. Die eigenthümliche 
Kunftbegabung der Italiener, ihre Genufsfähigkeit, ihre Selbfiändigkeit der Eäinlräwliilälrll: 
Autorität gegenüber, ihre Fähigkeit, das Geiftige in der finnlichen Gefialt zu begabung. 
faffen, kündigten damals zuerft fich nachdrücklich an und leiteten eine natio- 
nale Kunftentwicklung ein, die dann durch drei Jahrhunderte fortdauerte. 
Cinaabue 
und 
Duccio. 
in 
Seit der Mitte des 
der Kunfngefchichte 
13 Jahrhunderts nimmt Toscana feine neue Stellung Unlljvfhwung 
  von oscana 
Italiens ein. Von den Freifiädten dxefer Landfchaft ausgehend.
        

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