Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei des Alterthums
Person:
Woermann, Karl Woltmann, Alfred
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1229470
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1234110
Das fpäte Mittelalter. 
lextile Kunft, 
Wandmalerei, 
'l'afe1malerei. 
495 
Holdfeligkeit, Elifabeth liebkoft das Chriftuskind, die übrigen Kinder, mit 
Aepfeln, Büchern, Schiefertafeln, find von reizender Natürlichkeit der Auffaffung. 
Auf den Flügeln fmd Chrifli Geburt und die Anbetung der Könige, wobei 
Jofeph den Kindelbrei kocht, zu fehen. Nur die Fleifchtheile und das gold- 
blonde Haar find farbig, in emailartig feiner Behandlung, alles Uebrige ift 
golden, der Grund wie die Gewänder, die nur durch fchwarze Schraffirung und 
eine matte Lafur zart abgedämpft find. 
Unter den Arbeiten aus Süddeutfchland, befonders Baiern 1) fteht der Flügel- 1mm. 
altar aus der Schlofscapelle zu Pahl bei Weilheim (München, Nationalmufeum) Altar aus 
in erfier Reihe. Auf den Aufsenfeiten der Flügel fleht man die Madonna und Miiiiaäillän. 
den Schmerzensmann, innen, auf Goldgrund und in noch feinerer Durchführung, 
den gekreuzigten Chriftus zwifchen Maria und Johannes, auf den Flügeln Jo- 
hannes den Täufer und die heilige Barbara. In den Köpfen waltet das edelfte 
Schönheitsgefühl und befonders ift Marias Antlitz voll Reinheit und Tiefe des 
Ausdrucks. 
In Nürnberg 2) finden wir eine beftimmte Schulrichtung ausgebildet, die Nürnberg. 
mit den eben berückfichtigten, namentlich mit der Kölner Schule, es an Zart- 
heit und Süfsigkeit des Ausdrucks nicht aufnimmt, aber die Formen etwas 
beffer durchbildet und mehr Fülle und Plafiik des Körpers zeigt. Auch die 
Farbe ift hier eine andere, minder zart und leichtflüffig, vielmehr fchwerer im 
Ton und warmbrätlnlich im Fleifche. Vier fchmale Altartlügel aus der abge- 
tragenen Katharinenkirche in Nürnberg, jetzt im Berliner Mufeum, follen im 
Jahre 1400 von der Familie Deichsler geftiftet worden fein3). Sie würden 
uns in diefem Falle einen Anhalt geben, um die Entftehungszeit der ver- 
wandten Arbeiten ungefähr beurtheilen zu können. Die Tafeln enthalten vier 
ftatuarifche GePcalten in gefchwungener Haltung, Maria mit dem nackten Kinde, 
dem fie eine Frucht vorhältß) Petrus Martyr und, etwas kleiner, unter gothifchcn 
Baldachinen, Elifabeth und Johannes den Täufer. Die auffallende aber charakter- 
volle Strenge diefer Arbeiten hat in den meiften übrigen, die der Zeit nach 
folgen, fchon einer weicheren Gefälligkeit Platz gemacht, fo in dem Epitaph 
des Paul Stromer  1406) in der Lorenzkirche, mit dem Erlöfer auf WVolken 
zwifchen Engeln, welche feine Marterwerkzeuge tragen, und dem Epitaph der 
Kunigunde Kunz Rymenfnyderin (1- 1409) ebendafelbfi, mit dem von 
Maria und Johannes gehaltenen Leichnam Chrifti. Das vorzüglichfle Werk 
diefer Zeit ift aber der Imhofifche Altar in St. Lorenz, von Kunz Imhoflmhßifcher 
zwifchcn 1418 und 1422 geftiftet, denn er enthält die Wappen feiner drei erften Amt 
Frauen, nicht aber das der vierten, einer Volkamer, die er 1422 freite. Auf 
dem Mittelbilde thront Maria neben Chriitus, der ihr die Krone auffetzt; auf 
den Flügeln fieht man zwei Apoftel und die Stifterfamilie, auf der Predella 
Bruftbilder von Heiligen. Eine Beweinung Chrifti, welche einft die Rückwand 
diefes Altarfchreins bildete, wird auf der Burg bewahrt. Bei gefattigter, leuch- 
tcndcr und zart hagmonifchcr Farbe ift hier die lVlodellirtlng von überrafchender 
I) Ucber Bilder aus Salzburg Vgl. Sigüar! in den Mitth. d. k. k. Centralcommifüon, 1866 S. 
23 I3. von [feltbergt Nürnbergs Kunflleben in feinen Denkmalen dargeficllt. Stuttgart 1854. 
3) vNach urkundlicher Nachrichtu, IIVaagÄen, Handbuch, I. S. 64. 
4) Holzfchnitt bei Sclznaafß, VI S. 460.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.