Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei des Alterthums
Person:
Woermann, Karl Woltmann, Alfred
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1229470
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1230259
Die ägyptifche Malerei. 
finden gewufst, und einige gröfseren figürlichen Cyklen eingereihte Garten- 
darfiellungen machen, für lieh betrachtet, faft den Eindruck felbftändiger 
Landfchaften, Es find befonders Darftellungen aus der I2. Dynaflie zu Beni- 
I-Iaffan und aus der 18. Dynaftie zu Tel-el-Amarna, welche hier zu nennen Tel-el- 
Iind I). Sie geben höchft intereffante Auffchlüffe über die fteifen, in der Regel Ammm 
praktifchen Zwecken dienenden, verftändigen Gartenanlagen der Aegypter. 
Wenigftens lind die reproducirten Anplianzungen offenbar in erfter Linie Nutz- 
gärten, mit denen aber Zieranlagen an geeigneten Stellen verbunden lind. 
So ift es eine ganze Welt des Krieges und des Friedens, des Cultus und 
profaner Thatigkeit, die {ich in der ägyptifchen Wandflächen-Decoration vor 
unferen Blicken aufthut. Kaum die Griechen und Römer können fich rühmen, 
uns in bildlichen Darfiellungen ein ähnlich vollftändiges Bild ihres Thuns und 
Treibens hinterlaffen zu haben. Sicher iPc, dafs dank der Dauerhaftigkeit 
ihrer Technik und der confervirenden Kraft ihres trocknen Himmels die 
Aegypter unferer Zeit mehr farbige Flächen überliefert haben, als alle übrigen, 
auch die viel jüngeren Völker des heidnifchen Alterthums zufammen-  
genommen.  
Gegenüber der Anzahl und Bedeutung diefer monumentalen Darfiellungen 
verlohnt es {ich nicht der Mühe, auf die Malereien einzugehen, mit denen faft 
alle ägyptifchen Gegenflände, die dem Tageslichte zurückgegeben find, vor 
allen Dingen die Särge felbft, von aufsen und innen bedeckt find. Ihre Be- 
trachtung würde uns auch in keinerWeife mit neuen Refultaten bekannt machen. 
Dagegen würde es wohl der Mühe Werth fein, die den Papyrusfchriften 
eingereihten bildlichen Darfiellungen etwas eingehender zu prüfen. Allein, 
abgefehen von dem befchränkten Rahmen, der unferer Darftellung gezogen, 
fehlen zu einer gründlichen Behandlung diefes Gegenflandes auch die Vor- 
arbeiten der Aegyptologen. Wenige" Bemerkungen müffen daher genügen. 
Es ifi klar, dafs folche den ägyptifchen Papyrus-Rollen eingefügten Dar-artet?- 
llluftrationen und Vignetten daffelbe bedeuten, wie die Miniaturen der alten 1123m?- 
und mittelalterlichen Bücher unferer Zeitrechnung. Sie lind geradezu als die  
älteflen Buchminiaturen der Welt aufzufaffen. In der Regel iind es ziemlich 
rohe Umrifszeichnungen, die, wie der Text, mit der Roh'rfeder in fchwarzer 
oder rother Farbe ausgeführt lind. Doch kommen auch vielfarbige Pinfel-  
darftellungen an diefen Stellen vor, ja es giebt einige Papyrus-Rollen, die ganz 
von folchen Malereien ausgefüllt find. Dem Inhalte nach finden {ich am 
häuligften Scenen aus dem Todtencultus, wie ja die meiften diefer Schriften den 
Gräbern entnommen find und fich auf den Tod beziehen, „fchriftliche Päffe", 
wie Lepfius fagt, die den Todten eine günftige Aufnahme an den vielen Pforten 
in den himmlifchen Gegenden verbürgen follten. Sehr intereffant find z. B. 
die Darltellungen in dem eigentlichen "Todtenbuche", deffen vollftändigftes Todgäuch. 
von vielen wieder aufgefundenen Exemplaren {ich im Turiner Mufeum befindet. 
 Berühmt find ferner die Miniaturen einer im Louvre zu Paris befindlichen Piggggjefles 
Papyrus-Rolle, welche fchon 1798 von der franzöfifchen Expedition in Thebcn 
aufgefunden wurde. Es ift eine lange Reihe von Cultus-Scenen mit Vielen 
I) Näheres darüber bei 
1376), Erfier Abfchnitt. 
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Land fclnaft 
der Kunfi der 
alten 
Völker 
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(München,
        

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