Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei des Alterthums
Person:
Woermann, Karl Woltmann, Alfred
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1229470
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1233670
Das 
fväle Mi 
telalter. 
niaturmalerei 
361 
Gefchmacke der erften Hälfte des 14. Jahrhunderts wenigftens durch lebendige 
Motive in den Nebenfiguren. 
Entwickelter find die für Karl V. von Frankreich ausgeführten Manufcripte, Hälldfdlrif- 
zunächft eine grofse franzöflfche Bibel im Haag 1), die ein Dedicationsbild,ienääiäv" 
den König, dem fein Diener Jehan Vaudetar das Buch überreicht, und 
zahlreiche biblifche Darftellungen enthält. Erfteres wurde, nach Angabe auf 
dem Titel, im Jahre 1371 von Folzmzzz von Brügge, Maler des Königs, eigen- 
händig ausgeführt. Dann Karls Bibel in der Bibliothek des Arfenals zu 
Paris 2), das franzöfifche Rationale divinorum officiorum in der National- Paris. 
bibliothek dafelbfi (frang. 437), 1374 für den König beendigt. Vorn auf dem 
Dedicationsbilde fitzen unter einem gothifchen Doppelbogen mit rothem, 
fchlicht gemuftertem Teppichgrunde König und Königin, umgeben von ihren 
Kindern, alle blond, mit blauen Kleidern, über welche goldene Lilien einfach 
ornamental, ohne auf die Schattirung Rücklicht zu nehmen, vertheilt find; 
vor der mittleren Säule fitzt, kleiner im Mafsflabe, der Schreiber und blickt 
zum Könige auf, der ihm dictirt. Aufser einer gröfseren Darftellung, der 
Salbung des Königs, find die übrigen Bilder klein, mit fteinfarbigen Gewändern. 
Die Gefichter, einförmig und mit langen Nafen, lind im Fleifchtone licht und 
zart durchgebildet, ohne dafs die Federzeichnung noch irgendwo zum Vor- 
fchein käme, aber die Formen bleiben dürftig und gothifch-affectirt. Auf 
höherer Stufe fleht eine franzöfifche Ueberfetzung des Arifloteles für den- 
felben König, im Haag (Mus. Werstreenen), 1376 von demfelben Schreiber, Haag. 
der die erwähnte Bibel von 1371 angefertigt, Raou! von Orläans, beendigt. 
Hier find die Köpfe mannigfaltiger, die Motive frei und lebendig, und es be- 
ginnt fchon eine feine Ausbildung des Helldunkels. Das Bild am Anfange des 
10. Buches, die perfonificirte Ethik von Gott Vater gefegnet, gehört zu den 
zarteften Leifiungen der Epoche. Flüchtigere und handwerksmäfsigere Arbeiten 
für denfelben König find der franzölifche Valerius Maximus zu Paris (Bib. 
nat. frang. 290) und Jehan Corbichoifs DLiVrC de propriete des ChOSCSu 
ebenda (fr. 22534), letzteres vom Jahre 1372 und jedes mit einem Dedications- 
bilde. Ein gefälliges Widmungsbild enthält auch die an Richard II. von London 
England gerichtete Epiftel des Parifer Coeleftinermönches zur Vermittelung 
des Friedens zwifchen Richard und Karl V. aus den fiebziger Jahren des 
I4. Jahrhunderts 3). 
Ein Gebetbuch Philipps des Kühnen von Burgund, zu Brüffel4), ent- Burgundi- 
hielt nur Wenige, nicht bedeutende, aber höchft zierliche Bildchen. Reicher fcherHoa 
ift ein Gebetbuch der Margaretha von Baiern, feit 1389 Gemahlin feines 
Sohnes Jean sans peur: das Officium beatae Virginis im British Mufeum 
(Harleian 2897). Derfelbe Herzog Johann der Unerfchrockene fchenkte feinem Livreyles 
Oheim, dem Herzoge Johann von Berri, eines der mefkwüydigffen Bücher iiitiiiiiifiiiiä. 
der Epoche, das wahrfcheinlich auch fchon für feinen Vater Philipp den Pans 
Kühnen ausgeführt wurde, denn diefer fcheint mit dem bereits älteren Fürflen 
III pl. 
I) Mufeum Werftreenen.  [Vlontfauconz monuments de 1a monarchie frangaise T. 
2) T. L. Nr. 4.  Proben bei Louandre a. a. O. 
3) British Mufeuln 20 B VI  Abbild. bei Slzaw, Art of ill. p. 24. 
4) Bibl. de Bourgogne Nr. 10392.
        

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