Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei des Alterthums
Person:
Woermann, Karl Woltmann, Alfred
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1229470
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1233593
fpäte Mittelalter. 
Das 
Miniaturm alerei. 
353 
liefert, kehren öfter wieder: der Kampf des Einhorns und des Elephanten, 
das Einhorn im Schofse der Jungfrau, bekanntlich ein Sinnbild der jung- 
fräulichkeit Marias, Sirenen und Kämpfe fabelhafter Thiere. In einem der 
Londoner Pfalter (Arund. 83) ift endlich auch die Gefchichte von den drei 
Todten und den drei Lebenden dargeftellt, die wir noch weiterhin wieder- 
finden werden. 
Deutfchland 
bis 
Zllf 
Mitte 
des 
Jahrhunderts. 
Während die Miniaturmalerei in England, Spanien, den Niederlanden 
ganz unter die Abhängigkeit von der franzölifchen Schule geräth, kann fich 
auch Deutfchland den Einilüffen von dorther nicht entziehen. Aber die Ueutfchllancl 
deutfchen Miniaturen feit der Mitte des I3. Jahrhunderts flehen weit gegen bii-iiziiänri. 
die franzöiifchen zurück. Diefer Kunftzweig hatte geblüht, fo lange er unter 
den alten Bedingungen und unter fortgefetzter romanifcher Tradition arbeitete. 
Jetzt hatte diefelbe {ich erfchöpft, die Thätigkeit der Kiöfter in der Illuminir- 
kunft liefs nach, die weltlichen Meifter, in deren Hände fle kam, verfuhren 
fabrikmäfsig und dilettantifch, ohne durch confequente Schultradition beftimmt 
zu werden; der franzöiifche Gefchmack wurde aufgenommen, aber vergröbert; 
die Förderung durch die vornehmen Kreife war geringer. 
Ein frühes Beifpiel ift die Handfchrift des Sachfenfpiegels in der saghfen. 
Bibliothek zu Heidelberg 1) mit rohen Federzeichnungcn. Dann find narnent- H25Zäfi;g_ 
lich mehrere Handfchriften von Dichtungen aus dem I3. und der erflen Hälfte 
des I4. Jahrhunderts beachtenswerth. Die zeichnende Behandlung, wie wir {ie 
früher in der Eneidt (Berlin) und den Handfchriften aus Scheiern (München) 
gefunden, lebt weiter in der Liederfammlung aus Benedictbeuren zu Carinina 
München?) mit Uinrifszeichnungen auf farbigenrGrunde, überfchlanken Ge- Bägliillciltf- 
ftalten, deren Bewegung und Kopfhaltungfchon den Einiiufs des neuen Stils Mmche" 
verrathen. Dargeftellt find das Glücksrad, die" Gefchichte von Aeneas und 
Dido, luftige Zecher, Scenen des Würfel-, Damen- und Schachfpiels. Der 
gleiche Gefchmack waltet dann in Wolframs von Efchenbach ParcivalPayqivalu. 
ebendafelbftß) mit Umriffen in geringer Colorirung auf goldenem oder farbi- ixiaiiiiiiigiä. 
gem Grunde, endlich in zwei Münchener Handfchriften des Triltan von 
Gottfried von Strafsburg, von denen die reichere4), um 1300, nicht nur 
anfchauliche Schilderungen ritterlichen Lebens enthält, fondern auch den Geiß 
der damaligen ritterlichen Sitte in der übertriebenen Sentimentalität des Aus- 
drucks athmet. Die Köpfe mit verdrehten Augen find kindlich aber füfslich, 
in den Motiven waltet gefuchte Grazie; die Männer find bartlos, das Haar ift 
wohlgepflegt, die Gewandung fliefsend aber ohne Veritändnifs gezeichnet, die 
Pferde {ind roh, die landfchaftlichen Andeutungen ganz primitiv. Die Hinter- 
gründe {ind fatt gefärbt, fonft werden die Zeichnungen höchftens leicht ange- 
tufcht. Ein bezeichnendes Beifpiel iit die Meerfahrt (Fig. 102). 
I) Hqfner, Trachten, I, Taf. 41. 
2) Carmilma Benedictoburana, cod. c. pict. 73_ 
Vereins, Stuttgart, Bd. XVI, 1847. 
3) Cod. germ. I9, Cimel. 28. 
4) Cod. germ. 51, Cimel. 27  Abbildungen 
Gefchichte d. Malerei. 
Literar. 
des 
 Abbildungen in den Publicationen 
bei Ääzgier, K1. Schriften I, 88. 
23
        

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