Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei des Alterthums
Person:
Woermann, Karl Woltmann, Alfred
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1229470
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1233524
346 
Buch. 
Zweites 
Periode. 
Erfter 
Abfclmitt. 
noch feltener bekannt als früher. Während die kunftfertigen Mönche fich 
mitunter infchriftlich nannten oder in den Klofterchroniken vorkarnen, treten 
die bürgerlichen Meifter befcheiden zurück. Die paar Namen, die wir kennen, 
{ind uns gröfstentheils durch ältere Bibliotheksinventare übermittelt. 
igfljgghljujff Das Eigenthümliche des neuen Stiles, der unter Ludwig IX. begann, ifi 
b zunächit die fcharfe und gewandte Zeichnung mit der Feder, welche Sicherheit, 
Zartheit und Klarheit auch bei kleinem Mafsfiabe zeigt. Die Umriffe wurden 
dann in Deckfarben ausgemalt, aber ohne jede Modellirung, die einzelnen 
Farbentöne wurden in einheitlichen Flächen ohne Schattirung und Nuancirung 
hingefetzt; nur durch fpitzes Hineinzeichnen mit der Feder wurden die Einzel- 
heiten fowie einige Andeutungen von Schatten gegeben. Die Umriffe blieben 
immer fichtbar. Die Fleifchpartien, namentlich die Geflchter, Wurden gewöhnlich 
nicht gemalt, fondern im Pergament ausgefpart, mit aufgefetztem, unver- 
triebenem rothem Fleck auf dem Wangen und leichter Farbenandeutung an 
Lippen, Augen und Haar. Ungebrochene Töne, lebhaftes Zinnober und Azur- 
blau überwiegen, leuchtend, fröhlich, oft aber etwas fchreiend im Eindruck. 
Diefe Behandlungsweife fcheint unter dem Einfluffe der Glasmalerei entftanden 
zu fein, an welche die Epoche vorzugsweife gewöhnt war; man Wollte mit 
ihrer ftrahlenden Freudigkeit und Leuchtkraft wetteifern, nahm aber auch ohne 
Grund die Eigenthümlichkeiten der Glasmalerei auf, welche durch die Grenzen 
diefer Technik, ihr Gebundenfein an mufivifche Zufammenftellung farbiger 
Gläfer innerhalb fchwerer Bleifaffung und mit blofser Schattirung in Schwarz- 
loth, ihre Hächenhafte Darftellung, bedingt find. 
Stil der Die Auffaffung der Figuren, die meift in fehr kleinem Mafsftabe- darge- 
Figurm {tellt werden, zeigt jenen Stil, den wir oben (S. 343) charakterifirt haben; {ie 
find fchlank, in den Bewegungen weich, in der Haltung fchon leicht ge- 
fchwungen; machmal find die Gliedmafsen gewaltfam gedreht, und die Motive 
{treifen an das Gczierte. Energifche Handlungen gelingen vielleicht weniger, 
aber alle Intentionen geben {ich ungezwungen_ und naiv. Die Füfse {ind 
fchwächlich und klein, die Hände etwas beffer verftanden, die Gefichter von 
zartem Oval mit halb geöffneten Augen und gefchwungenen Brauen. Bei aller 
Einfachheit der Technik kündigt {ich doch fchon das Beftreben an, Ausdruck 
in die Züge zu legen, was fich freilich meift auf ein conventionelles Lächeln 
befchränkt. In der Gewandung ift die claffifche Schablone verlaffen, die 
Maffen find reich und fchwungvoll angeordnet. Zum Theil {ind die {igürlichen 
Darftellungen in die Initialen verfetzt, in denen {ie den ganzen inneren Raum 
Architektur. füllen, während der Körper des Buchftabens die Umrahmung bildet, zum Theil 
fmd {ie dem Texte felbftändig eingefügt und dann von gothifcher Architektur 
in reinitem Stile umfchloffen: Arcaden mit Mafswerkfüllung auf fchlanken 
Säulen, eingerahmt von Strebepfeilern, überragt von Spitzgiebeln. In diefen 
architektonifchen Umrahmungen überwiegt das Gold, manchmal bildet es auch 
noch die Hintergründe, meift tritt hier aber ein farbiges Teppichmufter in 
Oäiiälc-nt Schachbrett- oder Rautenform an die Stelle. Die Randverzierung wird durch 
 "das jetzt aufgenommene Dornblattmufter gebildet, Rankenwerk mit kleinen, 
meift in mattem Golde hingefetzten Blättern, das, eben fo realiftifch aufgefafst 
wie das Laubwerk in der gothifchen Architektur, die Flächen in graziöfem 
Schwunge füllt.
        

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