Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei des Alterthums
Person:
Woermann, Karl Woltmann, Alfred
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1229470
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1233428
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Zweites BLICh. 
Periode. 
Vierter 
Alufchnitt. 
Würde oft in das Grämliche. Im Einzelnen, etwa in der Bildung der Hände, 
fehlt oft das feinere Verftändnifs. Die antike Gcwandung ifl correct, gefchickt, 
aber oft gekünftelt. Die erzählenden Bilder, befonders die aus dem alten 
Tellamente, geben flch in anfchaulicher Lebhaftigkeit der Action. In der Zu- 
fammenfetzung der Glasftifte geht eine Präcifion durch, welche die römifchen 
Mofaiken diefer Zeit weit übertrifft. Ueberall herrfcht der Goldgrund, zu 
welchem die Farben fein geftimmt fmd; die Modellirung ift kräftig, befonders 
im Fleifche mit feinen grünlich-grauen Schattentönen; alle Farbeneffecte, 
welche die Technik an die Hand gab, die Schattirung in anderer Farbe und 
das Auffetzen goldener Lichter in den Gewändern, fmd benutzt. 
ngßgziflfign Von nun an aber trat die Malerei Siciliens vom Schauplatz ab. Aeufsert 
Klmß- fich auch auf anderen Gebieten noch immer die alte Kunftfertigkeit unter 
Kaifer Friedrich 11., fo {tehen doch damals die grofsen Unternehmungen 
des Kirchenbaues, feiner Sinnesweife gemäfs, zurück, und fomit fällt die Ge- 
legenheit für Entfaltung der Mofaik fort. Mit dem Untergange der Hohen- 
ftaufen, der franzöfifchen Gewaltherrfchaft, den Parteikämpfen und dem Ueber- 
gewichte des Feudaladels war dann die Blute der Infel und damit ihre Kunft 
vernichtet. Sicilien blieb theilnahmlos und unfähig, als in der folgenden Epoche 
ein felbftändiger italienifcher Kunftauffchwung begann. 
Venedig. 
gfeßfgirigs In einer ähnlichen Stellung wie Sicilien befand fich Venedig, das, vom 
 "Fefllande Italiens getrennt, feine Bedeutung und feinen Reichthum auf den 
Handel mit dem Often begründete, und von deffen Hinneigung zur byzantini- 
fchen Kunft wir fchon gefprochen haben. An den Mofaiken der Marcuskirche 
haben alle Epochen feit dem II. Jahrhundert gearbeitet, diefe Technik blieb 
in Venedig bis auf die Neuzeit traditionell, neben die Bilder des Mittelalters 
hat die Renaiffance Compofitionen. nach der Erfindung Ilklszkznlv, Tinfarcifolv 
und ihrer Zeitgenoffen geftellt. Daher fehlt hier die einheitliche Decoration 
im Geifte jener Zeit, in der das Bauwerk felbft entilanden ift, und fchon da- 
durch ftehen diefe Mofaiken weit gegen die zufammenhängenden und verhält- 
nifsrnäfsig wohlerhaltenen Siciliens zurück, denen fie aber auch technifch nicht 
gleichkommen. Das Alte ift demnach freilich Stückwerk, aber die Fülle diefer 
Darflellungen auf Goldgrund an Wänden, Kuppeln, Gewölben, in der Kirche 
felbPc wie in den Nebenräumen läfst denn doch das Princip byzantinifcher 
Decoration in überwältigendem Glanze auf den Befchauer wirken 1). 
In der Vorhalle finden wir Bilder aus dem Alten Teitamente, der Schöpf- 
ungsgefchichte, der Gefchichte des Jofeph in lebhaft bewegten aber unge- 
fchickten Compofitionen aus dem II. bis I2. Jahrhundert, in der Capelle St. 
Zeno die Legenden von Petrus und Marcus, im Baptiiterium die Gefchichte 
Johannes des Täufers, fowie an der Kuppel den thronenden Heiland, von 
zwei Kreifen von Engeln umgeben. In der Kirche felbft fleht die öftliche 
Kuppel mit dem Medaillen des bartlofen Heilandes, der fonft in Italien ganz 
I) Giozx. 
1843 fol. 
e Luigi Kreutz. 
Bnfxlica di 
in Venezia esposta 
San Marco 
nei suoi mosaici etc. 
Vene-
        

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