Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei des Alterthums
Person:
Woermann, Karl Woltmann, Alfred
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1229470
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1233343
328 
Buch. 
Zweites 
Periode. 
Vierter 
Abfchnitt. 
Apfis breiten fich aber {tilifirte Blattgewinde aus, die den Weinftock vorftellen 
follen, ohne einem folchen zu gleichen; fie enthalten überall in ihrer Mitte 
Fruchtkörbe und Gefäfse mit Blumen, und der freibleibende Raum zwifchcn 
ihnen ift zu unterft mit den kleinen Geftalten der Kirchenvater und anderen 
Figürchen, höher mit Eroten, die Füllhörner tragen oder auf Delphinen reiten, 
zu oberft mit Vögeln gefüllt. 
Srlzrghlfilgxiltrin Die Bafilika S. Maria in Traflevere erfuhr einen Neubau und erhielt 
"ihre Mofaik, die bedeutendfie diefer Epoche, unter Papft Innocenz Il. 
(1130-1143)  Er erfcheint als Stifter, eine Aedicula haltend, neben fechs 
Heiligen, vorzugsweife Päpften, in der Apfis, deren Mitte die impofante Gruppe 
Chrifti und der gekrönten Maria in goldenen Mänteln auf prächtigem Throne 
einnimmt. Unten fchliefst wieder ein Saum mit den Lämmern ab, am Bogen 
erfcheinen ebenfalls die Propheten Jefaias und Jeremias, diesmal ftärker bewegt, 
und oben die Evangeliftenzeichen zu den Seiten eines Medaillons mit dem 
Kreuze. Auf gleicher Höhe fteht der friesartige Mofaikitreifen an der Front 2): 
die fitzende, dem Kinde die Bruft reichende Maria, auf welche zehn reich ge- 
kleidete Jungfrauen zufchreiten. Man hat {ie für die klugen und die thörichten 
Jungfrauen des Gleichniffes halten wollen, aber der Gegenfatz fehlt, und es 
mangelt nur bei zweien das Licht. Sie alle haben einen Nimbus und find 
offenbar weibliche Heilige, die fich verehrend der Mutter Gottes nahen. Die 
zwei kleinen Stifterüguren neben dem Throne mufs man für lnnocenz und 
feinen Nachfolger Eugen III. (1145-1153) halten. 
SNMaria Die Apfis-Mofaik in S. Maria Nuova, jetzt S. Francesca Romana, 
1mm am alten Tempel der Venus und der Roma, hat man früher gewöhnlich 
in das 9. Jahrhundert fetzen wollen, aber die Uebereinftimmung mit den be- 
fchriebenen Werken ift klar, und fie mufs der Zeit Alexanders III. angehören, 
unter welchem nach beendigtem Umbau im Jahre 1160 eine Weihe Hattfandii). 
Hier ftehen vier Apoftel zu den Seiten der thronenden, gekrönten, ganz von 
vorn gefehenen Maria, die das Kind, bekleidet, in den Proportionen eines 
Erwachfenen, dabei lebhaft bewegt, auf ihrem Knie hält (Fig. 97). 
Stil. Der Stil diefer Werke ifl: völlig von dem der Mofaiken aus der Karolinger- 
zeit verfchieden. Sie find nicht blofse Reproductionen römifcher Mofaiken aus 
älterer Zeit, wie das die Apfis in S. Praffede war; fchon in den Compofitionen 
 treten vielmehr neue Momente hervor. Ferner ift der ornamentale Reichthum 
bemerkenswerth; überall ftrahlt hinter den Figuren der Goldgrund, den die 
byzantinifche Kunft bevorzugte, während Rom lange am blauen Grunde feft- 
gehalten hatte. Am Scheitel breitet fich ftets ein farbenreiches, fächerartiges 
Ornamen-ZCltdaCh aus, unter dem zunächfl ein Saum mit Pflanzenornamenten und 
mm Emblemen, der Hand Gottes in der Mitte, öfter dem Lamme auf einem 
Blumenkelche, hinläuft. Ueppige Frucht- und Blumenguirlanden mit einge- 
flochtenen Aehren und Trauben ziehen {ich als Rahmen um das Ganze. Die 
Throne {ind Möbel von befonderer Pracht und Zierlichkeit. Der Sinn für das 
Ornamentale, den freilich fchon das Bild in S. Maria della Navicella gezeigt 
I) De [Cassi a. a. O. 
2) Gutenfolzvßz u. Ifnajvp Taf. 44. 
3) De Romi, nach [Wumlwi SS. III, 
451.
        

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